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Zinsen steigen nur in den USA

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Von: Markus Sievers

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Auch bei den Renditen driften Europa und die Vereinigten Staaten auseinander. Der Abstand erreicht die höchsten Werte seit drei Jahrzehnten.

Auf die Zinswende warten Sparer in Deutschland seit über einem Jahrzehnt. In den USA aber nimmt die neue Ära mit höheren Renditen Form an. Wenn der US-Finanzminister sich für zehn Jahre Geld leihen möchte, muss er den Gläubigern dafür wieder einen Zinssatz von über drei Prozent einräumen. Diese wichtige Marke hatten die Kapitalmärkte zuletzt vor fast fünf Jahren übersprungen, so dass viele Beobachter von einem Epochenwechsel sprechen.

Allerdings geht der bisher an Europa vorbei. Wenn überhaupt dann merken Immobilienkäufer, dass die Tiefstände von unter einem Prozent für einen zehnjährigen Kredit Vergangenheit sind und die Finanzierungen schon etwas teurer geworden sind. Aber auch die Renditen der Bundesanleihen – also die Konditionen für den deutschen Finanzminister – steigen nur leicht und nicht in deutlichen Sprüngen wie in den USA. „Die US-Renditen laufen den deutschen weiter davon“, stellt die Fondsgesellschaft DWS in einer Analyse fest. Bei zehnjährigen Anleihen betrage der Abstand fast 2,4 Prozent.

Ein solches Auseinanderklaffen gab es zuletzt vor drei Jahrzehnten. Kurzfristig sei keine Annäherung zu erwarten, erklärte Michael Rottmann von der Bank Unicredit. Im Gegenteil stellt er sich auf einen „weiteren Anstieg der transatlantischen Zinsdifferenz“ ein.

Lasten der Vergangenheit wiegen schwer

Dafür gibt es mehrere Gründe. Wichtigster Treiber ist der Vorsprung der USA in der konjunkturellen Erholung. In den ersten drei Monaten des Jahres 2018 wuchs die Wirtschaft dort um 2,3 Prozent. In der Euro-Zone finden die Krisenländer zwar allmählich aus dem Tal heraus. Aber die Lasten der Vergangenheit wiegen schwer. Vor allem von einer Annäherung an eine Vollbeschäftigung, die mittelfristig höhere Löhne, Preise und damit auch höhere Zinsen verspricht, ist die Währungsunion weit entfernt.

Daher hinkt auch die Europäische Zentralbank mit ihrer Geldpolitik der Fed hinterher und kauft weiter Anleihen. Auf der anderen Seite des Atlantiks gehen dagegen wieder Inflationsängste um. Und viel deutet darauf hin, dass die Fed die Zinsen sogar dreimal in diesem Jahr erhöhen könnte. Das liegt zum einem am Ölpreis, der stark angezogen hat. Aber auch Präsident Donald Trump heizt mit hohen Schulden für Steuersenkungen und Ausgabenprogramme eine ohnehin voll ausgelastete Wirtschaft an. All das macht Investoren nervös. Sie verlangen höhere Aufschläge, wenn sie ihr Geld verleihen. In der Euro-Zone dagegen haben die meisten Staaten ihre Defizite spürbar reduziert. Auch diese seriöse Haushaltspolitik spricht für niedrigere Renditen.

In jedem Fall verändern sich die Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten. US-Präsident Trump betreibt mit seiner Schuldenpolitik ein riskantes Spiel. Nach ersten Schätzungen könnte das Haushaltsloch der weltgrößten Volkswirtschaft im nächsten Jahr auf eine Billionen Dollar oder fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts anwachsen. Der Internationale Währungsfonds warnte bereits davor, mitten in einer Hochkonjunktur mit einer derart expansiven Ausrichtung die Nachfrage weiter anzutreiben. Die Investoren zeigen ihre Unsicherheit auf ihre Weise: Für zehnjährige Anleihen verlangen sie in den USA derzeit nur geringfügig höhere Renditen als für zweijährige Kredite. Dies gilt als ein Signal, dass sie mittelfristig einen Einbruch der Wirtschaft befürchten.

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