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Einen Moment Pause: Bauarbeiter bei einem Richtfest.
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Einen Moment Pause: Bauarbeiter bei einem Richtfest.

Rente mit 63

Vor der Ziellinie ausgebrannt

  • Daniel Baumann
    vonDaniel Baumann
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Starre Altersgrenzen für den Übergang in den Ruhestand führen zu einer erheblichen Benachteiligung von Menschen in bestimmten Berufen - ein Großteil der Beschäftigten hält auch nicht bis 63 durch. Das ergibt eine Studie, die der FR vorliegt.

Starre Altersgrenzen für den Übergang in den Ruhestand führen zu einer erheblichen Benachteiligung von Menschen in bestimmten Berufen - ein Großteil der Beschäftigten hält auch nicht bis 63 durch. Das ergibt eine Studie, die der FR vorliegt.

Noch hat sich die Aufregung um die Rentenpläne der großen Koalition nicht ganz gelegt, da legen die Gewerkschaften bereits nach im Kampf um eine bessere soziale Abfederung älterer Arbeitnehmer. In einer Untersuchung, die der Frankfurter Rundschau vorliegt, zeigen Wissenschaftler auf, dass starre Altersgrenzen für den Übergang in den Ruhestand zu einer erheblichen Benachteiligung von Menschen in bestimmten Berufen führen – und dass für viele von ihnen auch die Rente mit 63 noch zu ambitioniert ist.

„Auch wenn sich die Erwerbsphasen in den letzten Jahren verlängert haben, hängen die Chancen für eine Erwerbstätigkeit bis zur Regelaltersgrenze wesentlich vom ausgeübten Beruf ab“, heißt es im Fazit der Studie, die vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen mit Förderung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und der Rentenversicherung erstellt wurde.

Schlechte Karten, bis zur Regelaltersgrenze im angestammten Beruf arbeiten zu können, haben demnach Bauarbeiter, was wenig überrascht, zudem aber auch Menschen in Textil- und Bekleidungsberufen, in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, Hilfsarbeiter, Polsterer, Maschinisten, Warenprüfer, Versandfertigmacher und Ernährungsberufe. Die Mehrheit von ihnen scheidet noch vor dem 60. Geburtstag aus ihrem Beruf aus.

Bauarbeiter schneiden am schlechtesten ab

Die Studie hat die Karriere von Menschen untersucht, die im Jahr 2000 berufstätig und 55 Jahre alt waren. Sie traten damals in die Phase ein, die üblicherweise unter dem Begriff der Alterserwerbstätigkeit verstanden wird. Über alle Berufe hinweg hat im Alter von etwa 61 Jahren bereits die Hälfte von ihnen ihren Beruf aufgegeben. Also vier Jahre vor Erreichen der für diesen Jahrgang geltenden Regelaltersgrenze von 65 Jahren. Künftig sollen Arbeitnehmer in der Regel aber erst mit 67 in Rente gehen können.

Von den Menschen in den Hoch- und Tiefbauberufen hat laut Untersuchung bereits im Alter von 57,6 Jahren mehr als die Hälfte ihren Beruf aufgegeben. Damit schneiden Bauarbeiter mit Abstand am schlechtesten ab. „Grund ist in der Regel die hohe körperliche Belastung über ein langes Berufsleben“, sagte der Bundesvorsitzende der Baugewerkschaft IG Bau, Robert Feiger, der Frankfurter Rundschau. „Hier zeigt sich, wie wichtig für die Beschäftigten eine flexible Übergangsregelung aus dem Berufsleben in die Rente ist.“

Die Gewerkschaft hat im vergangenen Jahr ein Konzept vorgestellt, mit dem verhindert werden soll, dass Bauarbeiter am Ende ihres Berufslebens vor dem Renteneintritt in die Arbeitslosigkeit fallen und dadurch in eine soziale Notlage geraten. Eine neue Form des Kurzarbeitergeldes soll ermöglichen, dass zum Beispiel ein Dachdecker im Alter die Arbeitszeit verkürzen kann, ohne dass der Lohn in gleichem Maße sinkt. Zudem sollen Transferberater bei der Suche nach einer neuen Tätigkeit helfen. So soll das Arbeiten im Alter flexibilisiert werden. Feiger forderte Bundesregierung und Arbeitgeber auf, dieses Konzept zu unterstützen.

Maler und Lackierer arbeiten am längsten

Zu den Berufen, in denen Menschen am längsten arbeiten, gehören Maler, Lackierer und Menschen in verwandten Berufen. Die Hälfte von ihnen arbeitete im untersuchten Jahrgang bis zum Alter von 63,2 Jahren, was aber immer noch weit von der Regelaltersgrenze entfernt ist.

Die Maler und Lackierer sind jedoch eine vergleichsweise kleine Berufsgruppe. Ansonsten stellen die Forscher fest, dass darüberhinaus „kein industrieller Beruf in der Spitzengruppe ist. Es überwiegen Berufe des Dienstleistungsgewerbes.“ Darunter sind mit den Sozial- und Erziehungsberufen sowie den sonstigen Dienstleistungsberufen (Reinigung, Gastgewerbe) immerhin Tätigkeiten mit Millionen Beschäftigten.

Reinigung und Gastgewerbe sind Branchen, in denen ältere Menschen noch einmal Arbeit finden können, wenn sie ihren angestammten Beruf nicht mehr ausüben können. Denn dort sind Anlerntätigkeiten verbreitet. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass nicht jeder, der aus einem Beruf ausscheidet, keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht. Denn es gibt sowohl Berufe, aus denen ältere Menschen ausscheiden, als auch solche, in die sie hineinströmen.

Die Rentenpläne der großen Koalition zielen darauf ab, den Übergang in den Ruhestand zu erleichtern. Wer 45 Beitragsjahre bei der Rentenversicherung aufweisen kann, soll von Juli an mit 63 Jahren in Rente gehen können, ohne Abschläge bei den Altersbezügen hinnehmen zu müssen. Das könnte nach Auskunft der Regierung dazu führen, dass künftig jeder Vierte vorzeitig in den Ruhestand gehen kann.

Jedoch hilft die Rentenreform nicht denjenigen, die sie am nötigsten haben. Denn nach Angaben der Regierung erhalten langjährige Versicherte, die von der Rente mit 63 profitieren werden, ohnehin schon überdurchschnittlich hohe Altersbezüge. Die Männer bekamen im Jahr 2012 im Mittel 1411 Euro im Monat. Bei den Frauen waren es rund 1085 Euro. Im Durchschnitt aller Senioren betrug die Altersrente bei Männern dagegen nur 899 Euro, bei Frauen 532 Euro. (mit msv)

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