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Commerzbank-Chef Martin Zielke präsentiert die Bilanz.

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Zielkes Optimismus

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Der Chef der Commerzbank sieht das Institut auf Kurs und will weiter sparen.

Mit Blick auf die Renditeerwartungen sei er nun „optimistischer“ gestimmt. So hat Commerzbank-Chef Martin Zielke etwas verklausuliert am Donnerstag seine frohe Botschaft formuliert. Vom Manager waren in der Vergangenheit vielfach andere Töne zu hören. Etwa als er davon sprach, dass sein Haus einfach zu wenig Geld verdiene.

Das ist tatsächlich ein Problem. Doch es wird bei der Commerzbank kleiner. Denn die Gesamtsumme der Einnahmen ist trotz vieler Fährnisse im vergangenen Jahr leicht auf 8,64 Milliarden Euro geklettert. Ebenso der Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit, der nun bei 1,26 Milliarden Euro liegt. Der Profit unter dem Strich ging zwar um ein Viertel auf 644 Millionen Euro zurück. Doch das hatten die Branchenkenner ohnehin erwartet.

Applaus an der Börse

Überrascht wurden sie aber von einer Kennziffer, die für Banker derzeit die mit Abstand wichtigste ist: die harte Kernkapitalquote. Sie beschreibt die Höhe des Eigenkapitals der Bank im Verhältnis zum Volumen riskanter Posten in den Büchern – vor allem durch Kredite und Wertpapiere. Diese Kennziffer ist 2019 bei der Commerzbank von 12,9 Prozent auf 13,4 Prozent gestiegen. Das ist mehr als Analysten und das Management selbst erwartet hatten.

Und dafür gab es viel Applaus von den Börsianern. Die Aktie sprang am Donnerstag zeitweise um mehr als fünf Prozent in die Höhe. Damit hat das Papier im vergangenen Halbjahr fast ein Viertel an Wert gewonnen – dabei muss allerdings bedacht werden, dass Banken von der jüngsten Hausse an den Finanzmärkten besonders stark profitierten.

Mit der verbesserten Kernkapitalquote verschiebt sich das Koordinatensystem für den Umbau des Geldhauses, das am Aschermittwoch sein 150-jähriges Bestehen feiert. Das Management bekommt mehr Beinfreiheit. Und die können Zielke und seine Leute gut gebrauchen. Denn der auf vier Jahre angelegte Umbau des Instituts ist kompliziert und teuer. Er soll etwa 1,6 Milliarden Euro kosten. Bislang ist geplant, 2300 der aktuell 40 400 Stellen zu streichen. Jede fünfte der 1000 Filialen soll dichtgemacht, die Online-Tochter Comdirect soll ins Mutterhaus integriert und die IT runderneuert werden.

Zielke will all dies maßgeblich durch den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung (69 Prozent) an der polnischen M-Bank finanzieren. Doch in einer ersten Runde hielten sich die Offerten stark in Grenzen. Das Problem: Die Finanzbranche im Nachbarland hat unter anderem mit verschärften Kapitalanforderungen und strengeren Bestimmungen bei Hypotheken in Fremdwährungen zu kämpfen, das drückt die Renditen. Zielke machte am Donnerstag deutlich, dass er die M-Bank weiterhin verkaufen möchte. Er fügte jedoch hinzu: „Aber – das auch ist klar – nicht um jeden Preis.“ Das polnische Institut galt bislang als eine Perle im Konzern. Mit einem Verkauf würden jedoch auch riskante Positionen in Höhe von 17 Milliarden Euro aus den Büchern verschwinden.

Doch dieses Unterfangen rückt nun in den Hintergrund. Die „höhere Flexibilität“ bei der Umsetzung der neuen Strategie soll laut Finanzchefin Bettina Orlopp genutzt werden, um neue Pläne für eine zusätzliche Senkung der Kosten zu schmieden. Ein Projektteam werde nun Vorschläge erarbeiten. Die Ergebnisse der Überlegungen sollen im Sommer mit den Geschäftszahlen fürs zweite Quartal publik gemacht werden. Ein weiterer Personalabbau liegt nahe.

Eine forcierte Gangart beim Umbau wird gleichwohl durch einen spürbaren Zuwachs im Kerngeschäft mit Krediten im vierten Quartal erleichtert. Das ist der Hintergrund für Zielkes neuen Optimismus. Allerdings bedeutet ein größeres Kreditvolumen auch, dass mehr Geld für mögliche Ausfälle zur Seite gelegt werden muss. Als weiterer Kostentreiber kommt zudem die Informationstechnik ins Spiel. Für deren Erneuerung sollen in diesem Jahr 200 Millionen Euro zusätzlich ausgegeben werden. Und der Wermutstropfen für die Aktionäre: Die Dividende für 2019 soll auf 15 Cent pro Anteilsschein sinken – nach zuvor 20 Cent. Doch auch damit erhöht die Bank ihre finanziellen Spielräume.

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