Finanzaufsicht

Zertifikate als Bückware

  • Wolf Brandes
    VonWolf Brandes
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Mehr Schutz vor riskanten Anlagen

Das ist ein Schlag für die Finanzbranche: Die Bafin plant das Verbot des Vertriebs einer bestimmten Form von Zertifikaten. Es handelt sich um sogenannte Bonitätsanleihen. Allein schon der Name stört die Aufsicht: Denn es geht bei den Papieren weder um Anleihen im klassischen Sinn noch um eine gute Bonität. Mit diesen speziellen Zertifikaten können Anleger vielmehr darauf wetten, ob ein Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten kommt oder nicht. Genau genommen sind Bonitätsanleihen eine Art Kreditausfallversicherung: Der Anleger zahlt (verliert sein Geld), wenn die betreffende Firma Kredite nicht bedienen kann. Andernfalls gibt es einen Zins. Eine Beurteilung der Kreditwürdigkeit ist aber durch einen typischen durchschnittlichen Verbraucher kaum zu leisten.

Irreführender Name, intransparentes Produkt, hohes Risiko – die Bafin kann angesichts dieser Umstände bei Bonitätsanleihen kaum zu einer anderen Einschätzung kommen. Intransparent und riskant sind jedoch nicht nur Bonitätsanleihen, sondern auch viele andere Finanzprodukte.

Ein Beispiel: Partiarische Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt. Das ist eine Vermögensanlage aus dem Grauen Kapitalmarkt. Allein den Namen muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – nicht nur, weil „partiarisch“ (was übrigens gewinnabhängig bedeutet) gar nicht so einfach auszusprechen ist. Das Ganze klingt schon kompliziert – darin unterscheiden sich diese Produkte von Bonitätsanleihen. In anderer Hinsicht gibt es aber viele Parallelen. Diese Nachrangdarlehen haben komplizierte und oft intransparente Vertragsbedingungen, sie bergen für den Verbraucher Risiken bis hin zum Totalverlust. Und sie eignen sich ebenfalls nicht zur Altersvorsorge oder zum Vermögensaufbau, sondern haben eher spekulativen Charakter.

Muss man Spekulation verbieten? Nein, das muss man nicht und das ist auch nicht die Absicht der Bafin. Ein Verbot des Retailvertriebs ist kein Verbot eines Produktes. Untersagt werden sollen etwa die Werbung und das öffentliche Angebot. Wer sich aber auskennt, die Produkte versteht, soll auf Nachfrage kaufen dürfen. Bückware nennt man so etwas, also ein Produkt, das unter dem Ladentisch verkauft wird. Die Übersetzung für die Finanzbranche lautet Private Placement: Der nicht-öffentliche Verkauf von Anlagen ist bei den institutionellen Investoren gang und gäbe. Bei Profis, die sich auskennen.

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