Wirecard

Zentralbank in Manila weiß von nichts

Die Anzeichen für Milliardenbetrug bei Wirecard verdichten sich. Die Aktie des Zahlungsdienstleisters ist weiter im Sturzflug.

Die rund 1,9 Milliarden Euro, die dem Zahlungsdienstleister Wirecard in der Bilanz fehlen, liegen offenbar nicht auf den Philippinen. Das teilte der Präsident der dortigen Zentralbank am Sonntag mit. Damit verdichten sich die Zeichen für einen Milliardenbetrug bei dem Dax-Unternehmen.

Am Freitag hatten schon die philippinischen Banken BDO Unibank und Bank of the Philippine Islands mitgeteilt, dass der deutsche Dax-Konzern kein Kunde bei ihnen sei. Dokumente externer Prüfer, die das Gegenteil besagen, seien gefälscht. Auf den Konten der beiden Banken hätte die Summe eigentlich liegen sollen.

Wirecard konnte bislang keinen Nachweis über das Vorhandensein der 1,9 Milliarden Euro erbringen. Da die Wirtschaftsprüfer von EY in der Folge das Testat für den Jahresabschluss verweigerten, könnten Banken Wirecard nun den Geldhahn abdrehen. Unternehmenschef Markus Braun trat am Freitag zurück, interimsweise übernimmt der US-Manager James Freis, der erst am Vorabend in den Vorstand berufen worden war.

Die Aktie des Unternehmens aus Aschheim bei München ist seit Tagen im Sturzflug. Angesichts des Bilanzskandals nutzten viele Anleger auch den Samstag, um die Reißleine zu ziehen. Beim Broker Lang & Schwarz, bei dem auch am Samstag gehandelt werden kann, notierten die Papiere des Dax-Konzerns am frühen Nachmittag bei 22,25 Euro und damit knapp 14 Prozent unter ihrem Freitagsschlusskurs. Der Tagesumsatz war mit zuletzt rund zwei Millionen Euro außergewöhnlich hoch.

Die Wirecard-Titel taumeln seit Donnerstag ins Bodenlose. Am Freitag schlossen sie mit einem Minus von 35 Prozent auf 25,82 Euro. Damit waren drei Viertel des Börsenwertes binnen zwei Tagen dahin. Fast zehn Milliarden Euro hatten sich in Luft aufgelöst.

Am Freitagabend gab der Konzern bekannt, die Investmentbank Houlihan Lokey angeheuert zu haben, um mit ihr gemeinsam „einen Plan zur nachhaltigen Finanzierungsstrategie des Unternehmens“ zu entwickeln. Houlihan Lokey gilt als Spezialist für schwierige Restrukturierungen und Insolvenzfälle und war schon in Sachen Enron, Lehman Brothers und - hierzulande – Steinhoff aktiv. (dpa)

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