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Zeit für Symbolik

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Von: Carsten Brzeski

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Berlin und Paris sollten nicht über die EU streiten.

Das Treffen zwischen Angela Merkel und Emmanuel Macron war erst einmal der letzte Höhepunkt in der aktuellen Diskussion um die Zukunft Europas und der Währungsunion. Vor allem die Diskussion um die Weiterentwicklung der Währungsunion hat mittlerweile religiöse Züge bekommen. Dabei ist das vollkommen unnötig.

Für alle Nicht-Experten muss sich die aktuelle Diskussion und Aufregung um die Zukunft der Währungsunion anhören wie Chinesisch oder Fachlatein. EMF, Eurozonen Finanzminister, Eurozonen-Haushalt, Bankenunion. Das alles sagt dem „normalen“ Menschen nichts und zeigt damit, wie kompliziert und technisch die Diskussion geworden ist. Im Grunde genommen kann man die ganze Diskussion einfach zusammenfassen: Es geht wie immer in Europa um die Fragen möglicher Geldtransfers und der Abgabe von nationaler Macht.

Das Interessante: Es gibt in dieser Frage kein richtig oder falsch. Volkswirtschaft ist keine richtige Wissenschaft, bei der man Laborexperimente machen kann und dann auf die richtige Lösung kommt. Fakt ist, dass die Währungsunion in den letzten Jahren stabiler geworden ist und den nächsten Konjunkturabschwung verkraften kann. Letztendlich liegt das Schicksal der Währungsunion nicht in den Händen Brüssels, Paris’ oder Berlins, sondern in den Händen der Wähler.

Dass irgendwann einmal Wähler in einem Land, ob groß oder klein, nord- oder südeuropäisch, sich von populistischen Rattenfängern verleiten lassen, für einen Austritt zu stimmen, können auch ein Europäischer Währungsfonds oder ein Euro-Finanzminister nicht verhindern. Um das zu verhindern, helfen eigentlich nur mehr Wachstum und mehr Wohlstand. Denn das waren bisher immer die überzeugendsten Argumente für den Euro.

Frankreich und Deutschland sollten sich jetzt nicht in einem Klein-Klein verheddern. Die negativen symbolischen Nebeneffekte der aktuellen Streitereien sind einfach viel zu groß. Sie könnten dafür sorgen, dass die sogenannte „Europhorie“ des letzten Jahres so schnell verschwindet wie sie gekommen ist. Was die Eurozone jetzt gerade überhaupt nicht braucht, ist ein Glaubenskrieg. Dann bitte lieber wieder typisch europäisches Durchwurschteln, verpackt in schönen Symbolen. Die Hauptdarsteller mit passender Rollenverteilung sind für so ein Szenario aktuell offensichtlich.

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