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Zeit zu gehen, Herr Cromme

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Von: Jakob Schlandt

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Seit 2001 ist Gerhard Cromme Aufsichtsratschef der ThyssenKrupp AG.
Seit 2001 ist Gerhard Cromme Aufsichtsratschef der ThyssenKrupp AG. © dapd

Sollte sich Gerhard Cromme noch einen Rest Glaubwürdigkeit bewahrt haben, dann muss er seinen Hut nehmen. Denn unter seiner Mitwirkung ist der eins stolze und erfolgreiche Stahlkonzern ThyssenKrupp zu einem wirtschaftlich desolaten und ethisch blamierten Unternehmen geworden.

Gerhard Cromme steht wie kaum ein Manager in Deutschland fürs Großreinemachen. Von 2001 bis 2008 leitete er die Corporate-Governance-Kommission, auch Cromme-Kommission genannt, die mit ihrem 2002 eingeführten Unternehmensführungs-Kodex im Regierungsauftrag mehr Transparenz und Verantwortungsbewusstsein in die Chefetagen bringen sollte. 2007 wurde er Aufsichtsratschef bei Siemens und spielte sich als Saubermann auf, der den Schmiergeldsumpf ohne Rücksicht auf einzelne Personen trockenlegte – zum Beispiel drängte er Vorstandschef Klaus Kleinfeld aus dem Amt, obwohl er nie rechtlich belangt wurde.

Nun ist es an der Zeit, dass Cromme, 69, diesen Maßstab an sich selbst anlegt und zurücktritt, falls er einen Rest Glaubwürdigkeit bewahren will. Denn unter seiner Mitwirkung ist der eins stolze und erfolgreiche Stahlkonzern ThyssenKrupp zu einem wirtschaftlich desolaten und ethisch desavouierten Unternehmen geworden. Seit 1986 ist Cromme zunächst bei Krupp, dann Vorstandschef, schließlich seit 2001 Aufsichtsratschef.

In schwere Korruptionsskandale verwickelt

ThyssenKrupp ist seitdem in mehrere schwere Korruptionsskandale verwickelt worden, zum Beispiel das Schienenkartell, das überhöhte Preise von der Deutschen Bahn verlangte. Manager der Kartell-Mitglieder waren offenbar auch Bordell-Stammgäste. 2007 wurde ThyssenKrupp als Haupttäter im Aufzugs- und Fahrtreppenkartell zu einer halbe Milliarde Euro Geldbuße verurteilt. Und zuletzt machte ein Vorstandsmitglied Schlagzeilen. Ausgerechnet der für saubere Unternehmensführung zuständige Vorstand Jürgen Claassen ist im Visier der Staatsanwaltschaft wegen überteuerter Dienstreisen zum eigenen Vorteil. Hinzu kommt eine völlig überzogene Pressereise, die er einem Journalisten spendierte.

Auch geschäftlich verantwortet Cromme ein Desaster. Am Dienstag wird wohl ein hoher Verlust von ThyssenKrupp bekanntgegeben, erneut wegen der Stahlwerke in Brasilien und den USA, die viele Milliarden zu viel gekostet haben und weiter Verluste schreiben. Der Vorstand hat zu optimistisch gerechnet und krasse Fehlentscheidungen am Stück getroffen – und das alles unter Crommes Aufsicht, der damit mitverantwortlich ist für den Absturz des einstigen deutschen Vorzeigeunternehmens. Eine Randnotiz ist da nur noch, dass Cromme viele Empfehlungen des Kodex für gute Unternehmensführung selbst gebrochen hat.

Cromme hat noch einmal versucht, von sich abzulenken und als Aktivposten zu erscheinen, als er vorige Woche Claassen und zwei weitere Vorstände entließ. Inzwischen ist der gesamte Vorstand innerhalb weniger Jahre ausgetauscht. Doch das reicht nicht mehr, der Schaden bei ThyssenKrupp ist zu hoch.

Wie war das noch bei der Einführung des Kodex für gute Unternehmensführung im Jahr 2001? Die sei nötig, um „Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaften“ zu schaffen. Gerhard Cromme hat wie nur wenige andere Manager in den vergangenen zehn Jahren dieses Vertrauen beschädigt. Herr Es ist Zeit zu gehen, höchste Zeit.

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