Zollkonflikt

Die Zeichen stehen auf Rezession

Die deutsche Wirtschaft blickt pessimistisch in die Zukunft.

In der deutschen Wirtschaft wächst angesichts der Brandherde im Welthandel der Pessimismus. Vor allem der Zollkonflikt zwischen den USA und China verunsichert die Unternehmen. Das vom Ifo-Institut erhobene Geschäftsklima fiel im August auf den tiefsten Stand seit 2012. Es sank um 1,5 Punkte auf 94,3 Zähler, teilte das Forschungsinstitut am Montag in München mit. Es ist der fünfte Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers in Folge. Analysten hatten im Schnitt mit einem geringeren Rückgang gerechnet.

„Die Sorgenfalten der deutschen Wirtschaft werden immer tiefer“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Die Anzeichen für eine Rezession in Deutschland verdichten sich.“ Nach einem Plus zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft. Etwas Hoffnung für den Welthandel machten versöhnliche Töne zwischen den USA und China.

„Ein ähnlicher Pessimismus unter den Industriefirmen war zuletzt im Krisenjahr 2009 zu beobachten“, erklärte Fuest. In keiner der deutschen Schlüsselbranchen zeigten sich Lichtblicke. Gerade die Industrie leidet unter der schwächelnden Weltwirtschaft. Der Maschinenbau sowie die Chemie- und Pharmabranche haben ihre Prognosen 2019 schon gesenkt. Und den Autoherstellern machen die Dieselkrise, schwache Absätze und hohe Kosten für die E-Mobilität zu schaffen.

Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer „technischen Rezession“. Es handelt sich in diesem Fall aber nur um eine sehr milde Rezession. Anders sähe es aus, wenn die Wirtschaft im Gesamtjahr gegenüber dem Vorjahr schrumpft. Damit wird jedoch derzeit nicht gerechnet. Zuletzt war dies 2009 in der globalen Finanzkrise der Fall. Seitdem hat die deutsche Wirtschaft mit teils kräftigen Wachstumsraten zugelegt.

Als größte Belastung sehen Ökonomen den Handelskrieg zwischen den USA und China. „Der jüngste Schlagabtausch begräbt die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung im wichtigen deutschen Absatzmarkt China“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt zu einem Dauerzustand werde. „Damit fehlen der deutschen Industrie, die seit anderthalb Jahren unter dem nachlassenden Schwung im China-Geschäft leidet, wichtige Impulse.“

Doch nicht nur der Handelskrieg sorgt für Unsicherheit, sondern auch der Brexit. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fürchtet, dass das Wachstum der deutschen Wirtschaft zum Erliegen kommt, sollten die Briten Ende Oktober ohne Abkommen aus der EU aussteigen. „Die Auftragseingänge und die Industrieproduktion gehen zurück, die Unternehmen investieren weniger“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. „Wir erwarten in diesem Jahr ein Wachstum von höchstens 0,5 Prozent. Im Falle eines harten Brexit Ende Oktober droht das Wachstum in Richtung Null zu gehen.“ (dpa)

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