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Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick.

Arcandor-Chef Eick

Die Zeichen stehen auf Abschied

Sein prominenter Vorgänger Thomas Middelhoff scheiterte; Karl-Gerhard Eick wollte Arcandor retten. Vergebens. Nun, nach gerade mal sechs Monaten, scheinen seine Tage auf dem Posten gezählt. Seine Schäfchen hat er aber im Trockenen. Und wie. Von Jutta Maier und Annika Joeres

Von Jutta Maier und Annika Joeres

Viele hielten seine Aufgabe von Anfang an für ein Himmelfahrtskommando: Anfang März dieses Jahres übernahm Ex-Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick den Posten des Vorstandsvorsitzenden von Arcandor. Nach dem Scheitern seines Vorgängers Thomas Middelhoff wollte er den angeschlagenen Handels- und Touristik-Konzern vor dem endgültigen Untergang retten. Vergebens.

Weder konnte er die Insolvenz abwenden, noch gelang es ihm, einen Investor für das Gesamtpaket Arcandor zu finden. Nun scheinen seine Tage - nach gerade mal sechs Monaten auf dem Posten - gezählt.

Vorletzte Woche stellte das Unternehmen die von Eick geleitete Suche nach einem Ankerinvestor für Arcandor offiziell ein und erklärte, seine Töchter Karstadt und die Versandhandelssparte Primondo mit Quelle einzeln verkaufen zu wollen. Damit ist die Holding, die die Töchter bis dato zusammenhielt, hinfällig - und das gilt auch für den Posten ihres Chefs.

"Eick wird in einem Zerschlagungsszenario keine Rolle spielen", sagt Marc Tüngler von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Er hat keine Aufgabe mehr." Denn die nun anstehende Verwertung der Einzelteile von Arcandor sei Aufgabe des derzeit noch vorläufigen Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg.

Er wird vom 1. September an die Fäden ziehen und versuchen, möglichst viel Geld für die Gläubiger herauszuholen. Eick dagegen wird machtlos. "Er hat keine Verfügungsberechtigung mehr", sagt Tüngler.

Auch Hellmut Patzelt, Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Arcandor-Konzerns, glaubt nicht mehr an eine Zukunft Eicks. "Sein Rücktritt zur Eröffnung des Verfahrens wäre ein logischer Schritt", so Patzelt zur Frankfurter Rundschau. Für die zehntausenden Beschäftigten, die der Betriebsrat vertritt, sei das aber nicht entscheidend. "Wichtiger als frühere Manager ist doch für uns, dass wir bald Klarheit über mögliche Investoren bekommen", sagt Patzelt.

Aus Unternehmenskreisen erfuhr die Frankfurter Rundschau, dass Eick derzeit Urlaub nimmt und zum Insolvenzbeginn am 1. September nicht mehr antreten wird. Ein Arcandor-Sprecher bestätigte nur, dass Eick ein verlängertes Wochenende Urlaub genommen habe. Der Konzernchef habe seit seinem Amtsantritt noch keinen Urlaub gehabt. Am Donnerstag nehme er jedoch bereits wieder Termine wahr.

Doch ganz offensichtlich die Zeichen stehen auf Abschied. "Herr Eick hat immer gesagt, dass er den vorläufigen Insolvenzverwalter bei der Suche nach Investoren unterstützen wird, so lange es sinnvoll ist", so der Sprecher. Die Sinnfrage wird sich Eick spätestens jetzt stellen müssen.

In jedem Fall hat der Manager seine Schäfchen im Trockenen. Mit seinem Fünf-Jahres-Vertrag soll er damals gelockt worden sein, um sich der Sanierung Arcandors anzunehmen. Der zahlt sich nun aus: Die Privatbank und Arcandor-Großaktionärin Sal. Oppenheim sichert sein Gehalt, wenn der Arcandor-Konzern zahlungsunfähig ist. 15 Millionen seien Eick garantiert, sagt Mark Tüngler. Auf die erfolgsabhängige, vom Börsenkurs des Unternehmens abhängige Prämie wird er verzichten müssen.

Sal. Oppenheim wird wohl zur Kasse gebeten werden, denn von Arcandor kann Eick keinen müden Cent mehr erwarten. Vorstände erhalten laut Insolvenzrecht während eines Verfahrens weder Gehälter noch Abfindungen. "Die Vorstände beziehen seit zwei Monaten kein Gehalt mehr", sagt der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz.

Und auch nach Abschluss der Insolvenz dürfte kein Geld für Eick übrig bleiben: Zunächst werden der Verwalter und das Gericht bezahlt, dann werden Masseschulden beglichen wie Mieten oder Mitarbeiter-Löhne, danach kommen Drittgläubiger wie Transportunternehmen oder Großlieferanten an die Reihe. Manager sind in der Prioritätenliste nicht vorgesehen.

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