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Gisela Burckhardt, Expertin für die globale Bekleidungsindustrie, sieht in Sachen Arbeitsbedingungen bei Zalando noch erhebliche Defizite. (Symbolbild/Archivbild)
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Gisela Burckhardt, Expertin für die globale Bekleidungsindustrie, sieht in Sachen Arbeitsbedingungen bei Zalando noch erhebliche Defizite. (Symbolbild/Archivbild)

Mode-Industrie

Neuer Zalando-Slogan „Free to be“ - gilt das auch für Näherinnen?

  • Tobias Schwab
    VonTobias Schwab
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Vor der Zalando-Hauptversammlung stellt Femnet-Chefin Gisela Burckhardt dem Mode-Onlinehändler Fragen zu dortigen Arbeitsbedingungen.

Frankfurt – Schrei vor Glück. Oder schick’s zurück“: Der Slogan aus den Anfangsjahren des Mode-Onlinehändlers Zalando avancierte schnell zum Klassiker und stand wie kaum ein anderer Werbespruch für Fast Fashion. Billige, kurzlebige Mode – auf Kosten von Näherinnen, die von ihrem Lohn nicht leben können und bis zum Umfallen schuften. Verbunden auch mit großen Umweltbelastungen wie etwa dem massiven Einsatz von Pestiziden auf Baumwollfeldern.

Vom „Schrei vor Glück“ hat sich Zalando 2019 verabschiedet, der neue Slogan lautet jetzt „Free to be“. Das soll die „Selbstentfaltung“ eines jeden Menschen betonen. Ob das auch für die Arbeiterinnen und Arbeiter am Beginn der Lieferkette gilt?

Zalando: Mode-Branche vor großen Herausforderungen

Es scheint jedenfalls so, als sei der Modehändler dabei, sich quasi neu zu erfinden. „Die gesamte Modebranche steht vor großen Herausforderungen beim Thema Nachhaltigkeit, und wir sind Teil des Problems. Zukünftig wollen wir ein Teil der Lösung sein“, bekannte und gelobte Co-CEO Rubin Ritter bereits Ende 2019.

Der M-Dax-Konzern will deshalb bis 2025 die eigenen Emissionen im Vergleich zu 2017 um 80 Prozent reduzieren. Treibhausgase, die nicht eingespart werden können, sollen durch Ausgleichszahlungen, beispielsweise für Aufforstung, kompensiert werden. Schon bis 2023 will das Unternehmen Einwegplastik aus den eigenen Verpackungen verbannen.

Zalando und Nachhaltigkeit: Defizite bei Arbeitsbedingungen

Gisela Burckhardt, Expertin für die globale Bekleidungsindustrie, erkennt Zalandos Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit an, sieht aber beim Thema Arbeitsbedingungen noch erhebliche Defizite. „Im Vergleich zu den Anstrengungen im Umweltbereich klingen Aussagen zur Umsetzung der Menschenrechte ziemlich hohl“, sagt Burckhardt, die Vorstandsvorsitzende der Frauenrechtsorganisation Femnet ist.

So unterstütze Zalando beispielsweise nicht das Projekt „Pay your workers“ der internationalen Kampagne für saubere Kleidung. Ziel ist eine Art Sozialversicherung für Arbeiter:innen, um für weitere Katastrophen wie die Covid-19-Pandemie besser vorbereitet zu sein. Dafür sollen Unternehmen 0,1 Cent für ein T-Shirt oder ein anderes Kleidungsstück in einen Fonds einzahlen.

Viele Fragen vor der Zalando-Hauptversammlung

„Denn viele Textilbeschäftigte haben ihre Arbeit infolge der Pandemie verloren oder verdienen teilweise nur die Hälfte von dem Hungerlohn, den sie früher bekamen“, sagt Burckhardt, die auch Zalando-Aktionärin ist und sich bei der Hauptversammlung am Mittwoch einmischen will.

In seinem Nachhaltigkeitsbericht schreibt der Berliner Versandhändler: „Bis 2023 erhöhen wir schrittweise unsere ethischen Standards und arbeiten nur noch mit Partner:innen zusammen, die diese erfüllen.“

Zalando soll sicherstellen, dass gegen Diskriminierung vorgegangen wird

Burckhardt nimmt Zalando beim Wort und will beispielsweise wissen, wer die Sozialaudits bei den in den 195 Partnerfabriken in 16 Ländern vorgenommen hat und welche Ergebnisse diese erbrachten. Sie fragt, in wie vielen Werken, die Zalandos Eigenmarken produzieren, es eine offiziell zugelassene Gewerkschaft gibt. Wie die Beschwerdemechanismen aussehen. Und wie Zalando sicherstellt, dass – insbesondere in Bangladesch – gegen Frauendiskriminierung vorgegangen wird.

Auch die Kooperation mit Zulieferern in China schneidet Burckhardt in ihrem Fragenkatalog zur Hauptversammlung an. Dort wird die muslimische Minderheit der Uiguren in der Provinz Xingang brutal unterdrückt, viele Menschen landen in Internierungslagern. „Wie stellt Zalando sicher, dass Kleidung dort nicht unter Zwangsarbeit hergestellt wird?“, will die Femnet-Chefin wissen.

Nachhaltigkeit: Zalando wirbt mit Kreislaufwirtschaft

Eine Frage der Glaubwürdigkeit, nimmt man den Slogan „Free to be“ ernst. „Wir glauben an eine Welt, in der jeder Mensch die Freiheit haben sollte, er selbst zu sein – unabhängig von Größe, Alter, Geschlecht oder Herkunft“, so interpretierte der damalige Marketingdirektor Jonny Ng den neuen Claim im September 2019 bei dessen Vorstellung.

Aber nicht nur das Menschenrechtsengagement sieht die Expertin für Textillieferketten kritisch, auch beim Thema Nachhaltigkeit bleiben Burckhardt zufolge einige Fragen offen. Sie lobt zwar, dass Zalando in der Kategorie „Pre-owned“ nun auch gebrauchte Kleidung anbiete und „nachhaltige“ Artikel als solche auszeichne, um den Kund:innen eine schnellere Orientierung zu ermöglichen. Allerdings sei es irreführend, wenn der Modehändler mit dem Satz werbe, bis Ende 2023 „die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft“ anzuwenden.

Zalando und Nachhaltigkeit: Recycling nur bei einem Prozent der Textilien weltweit

Weltweit, so Burckhardt, würde erst ein Prozent der Textilien wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Bei vielen Mischgeweben ist es nach Angaben von Fachleuten sehr schwierig, sie zu recyceln. Wenn Materialien in der Textilwirtschaft wiederverwendet werden, dann sind das laut Burckhardt vor allem PET-Flaschen. (Tobias Schwab)

Zwar gibt es in Corona-Zeiten kaum Anlässe, seine eigene Garderobe zur Schau zu tragen. Trotzdem boomt der Online-Handel mit Kleidung auch bei Zalando weiter. (Tobias Schwab)

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