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Genau hinschauen: Was erhalten Ärzt:innen von Firmen ?
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Genau hinschauen: Was erhalten Ärzt:innen von Firmen ?

Ärzte im Interessenkonflikt

Zahlungen öffentlich machen

Fachleute und Politik fordern Transparenzdatendbank, weil zehntausende Ärzte sowie Forscher und Forscherinnen von der Pharma-Industrie gefördert werden.

Hochrangige Politiker:innen und Wissenschaftler:innen verlangen als Reaktion auf Recherchen von Buzzfeed News eine strengere, gesetzliche Kontrolle von Interessenkonflikten in Wissenschaft und Medizin. So fordern die Grünen im Bundestag, die Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft und mehrere Nichtregierungsorganisationen erneut eine gesetzlich verpflichtende Transparenzdatenbank für Interessenkonflikte, wie es sie zum Beispiel in den USA bereits gibt. Fachleute bezeichneten die Ergebnisse der Recherche in den vergangenen Tagen als skandalös und aufrüttelnd.

Vergangene Woche hatte Buzzfeed News gezeigt, dass zehntausende Forscher und Forscherinnen von der Pharma-Industrie gefördert wurden, dies aber systematisch nicht transparent gemacht haben. Auch hochrangige Mediziner:innen aus Deutschland haben den Recherchen zufolge gegen die wissenschaftlichen Standards verstoßen. Für die „Follow the Grant“ genannten Recherchen hatte ein Team aus Wissenschafts- und Datenjournalisten insgesamt 3,3 Millionen bio-medizinische Fachartikel in einer Datenbank ausgewertet und mit anderen Angaben über Industrie-Beziehungen verknüpft.

Die Recherchen und die Datenbank seien „äußerst verdienstvoll“, schreibt Ernst Dieter Rossmann, SPD-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Die Thematik sei bisher im Ausschuss nicht diskutiert worden. Rossmann wünscht sich, dass das Forschungsministerium die Recherche aufgreift. Er fordert zudem, über die Einführung einer Datenbank für Industrie-Beziehungen von Ärzt:innen zu diskutieren – und bei Regelverstößen dann auch Konsequenzen zu erwägen.

Die Recherchen machten deutlich, wie wichtig es sei, Interessenkonflikte „endlich offenzulegen und für alle nachvollziehbar zu machen“, schreibt Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion auf Anfrage. Die Grünen setzen sich deshalb für gesetzliche Transparenzregeln in Anlehnung an den „Physician Payment Sunshine Act“ in den USA ein. So sollten sämtliche Zuwendungen über 100 Euro einer gesetzlich geregelten Veröffentlichungspflicht unterliegen und öffentlich zugänglich sein.

Dieser Forderung schließt sich mit Wolf-Dieter Ludwig auch der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft an. „Wir brauchen diese Transparenz, weil wir wissen, dass sich diese finanziellen Interessenkonflikte auf die Qualität der klinischen Forschung auswirken.“

„Dass die Pharmaindustrie für systematische Intransparenz sorgt, ist ein Skandal“, schreibt Nicole Gohlke, Sprecherin der Linken–Bundestagsfraktion für Hochschul- und Wissenschaftspolitik. „Doch die Bundesregierung bleibt untätig.“ Das sei „Wasser auf die Mühlen der Wissenschaftsskeptiker, Coronaleugner und Verschwörungserzähler“.

Nachholbedarf sieht der Präsident der Leibniz Gemeinschaft, Matthias Kleiner. Verbindungen zur Industrie seien zwar nicht per se verwerflich, dürften aber „unter keinen Umständen einen negativen Einfluss auf die wissenschaftliche Qualität“ haben. Es gebe bisher „keine stringenten allgemein verbindlichen Kontrollen“, schreibt Kleiner. Und: „Sanktionen bei Unterlassungen sind mir tatsächlich bislang nicht bekannt.“ Neue Maßnahmen sollten auf einer systemischen Ebene verhandelt werden, etwa vom Wissenschaftsrat der Bundesregierung.

Auch der Medizinische Fakultätentag kündigte nach der Recherche an, sich mit dem Thema der Interessenkonflikte auseinandersetzen zu wollen.

von Hristio Boytchev Redaktionelle Mitarbeit Simon Wörpel und Edgar Zanella Alvarenga

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