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Ob es in diesem Jahr etwas wird mit dem Strandurlaub, ist für viele Reisewillige derzeit vollkommen ungewiss. Clara Margais/dpa

Geplatzte Reisen

Wer zahlt für den Urlaub?

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Die Deutschen gelten als extrem reiselustig, viele haben ihren Jahresurlaub längst gebucht. Doch die Corona-Krise stellt alle Pläne in frage. Was sagt das Reiserecht zu Stornierungen?

Flugzeuge bleiben am Boden, Hotels in vielen Teilen der Welt sind geschlossen, die Tourismusbranche ist zum Stillstand gekommen - und kein Mensch weiß, wie lange das so bleiben wird. Wer jetzt schon eine Reise für die kommenden Wochen oder Monate gebucht hat, fragt sich natürlich, was daraus wird. Julia Gerhards, Referentin für Verbraucherrecht für die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, bekommt derzeit viele Anfragen von ratlosen Reisekunden. Die FR hat einige ihrer Ratschläge zusammengefasst:

Ich kann meine bevorstehende Reise nicht antreten - habe ich ein Recht auf Erstattung?

Bei Pauschalbuchungen haben Reisende grundsätzlich immer das Recht, von der Reise zurückzutreten - gegen Gebühr. In Ausnahmen und unter unvermeidlichen Umständen wie der derzeitigen Corona-Krise, kann diese Gebühr entfallen. Dabei kommt es auf die Umstände der Reise an: Gibt es offizielle Einreiseverbote, massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens oder eine Einstufung des Robert-Koch-Instituts als Gefahrengebiet? In diesen Fällen spricht laut Gerhards nichts gegen eine volle Rückerstattung. Wenn der Veranstalter selbst die Buchung annulliert, erhalten Reisende ihr Geld sowieso immer zurück.

Und wenn ich nur einen Flug oder ein Hotel gebucht habe?

Bei Einzelleistungen tragen Reisende ein größeres Risiko. Denn hier ist laut Gerhards niemand verantwortlich für die „Erholungsqualität“ der Reise. Zudem gelten dabei häufig die Vertragsbedingungen des Reiselands. In vielen Ländern gibt es bereits Vorschriften, dass sämtliche Rückerstattungen nur noch über Gutschriften erfolgen. Bei kleinen Anbietern ist man mit einer Gutschrift allerdings nicht vor der Insolvenz des Anbieters geschützt. Flüge werden derzeit in großem Maß von den Airlines annulliert, dabei erhalten Reisende den vollständigen Ticketpreis zurück. Eine zusätzliche Entschädigung ist allerdings unwahrscheinlich.

Ich habe eine Buchungsplattform genutzt, muss diese mir die Kosten erstatten?

Die wenigsten Buchungsplattformen bieten laut Gerhards eine Unterstützung an. Ausnahme ist eine Kulanzregelung bei dem Anbieter Airbnb, der zumindest in bestimmten Gebieten eine kostenlose Stornierung ermöglicht. Besteht keine solche Regelung, wie zum Beispiel bei Booking.com, empfiehlt die Expertin zu versuchen, eine Kulanzvereinbarung mit den Anbietern vor Ort zu treffen. Dabei tragen Reisende allerdings das alleinige Risiko, sollte zum Beispiel eine Umbuchung nicht möglich sein. Verweigern Anbieter vor Ort jegliche Kooperation, sollte man sich mit Forderungen an die Plattform wenden. Im Zweifel, so Gerhards, gelte es aber so früh wie möglich auszusteigen, um das Risiko zu minimieren.

Ich habe bereits storniert und eine Gebühr gezahlt. Jetzt gibt es eine Reisewarnung für mein Reiseziel. Bekomme ich die Gebühr erstattet?

Der Verbraucherschutz fordert eine solche Rückzahlung. Allerdings ist das Thema umstritten. Es empfiehlt sich, so Gerhards, sämtliche Stornierungen schriftlich und mit der Begründung „Corona-Krise“ vorzunehmen. Darin kann man die Forderung der Rückzahlung ankündigen – dies gilt allerdings nicht als Garantie. Mehrere Veranstalter wehren sich bereits dagegen.

Umbuchungsregeln

Tui:Beim Marktführer ruht das Reiseprogramm bis zum 30. April. Urlaub in dieser Zeit fällt aus. Damit die Gäste bei Tui bleiben, bietet der Veranstalter einen „Bonus“ in Höhe von 100 Euro pro Person bei Buchung einer neuen Reise. Das Angebot gilt für den Reisezeitraum 1. Mai 2020 bis 30. April 2021. Wer jetzt eine Reise für Mai oder später bucht, kann diese bis zum 30. April kostenlos stornieren oder umbuchen, solange die Reisewarnung gilt.

DER Touristik:Alle Reisen bis 30. April sind auch hier abgesagt. Denjenigen Kunden, die Urlaube mit einem Beginn im Mai geplant haben, bietet der Veranstalter eine kostenlose Umbuchung an, die spätestens zehn Tage vor Abreise erfolgen muss.

FTI:Der Veranstalter aus München hat alle Reisen bis 19. April storniert. Für Urlaube mit einem Starttermin zwischen dem 20. April und 30. Juni bietet FTI kostenlose Umbuchungen auf einen späteren Zeitraum an. Die Umbuchung müsse zehn Tage vor Abreise erfolgen, und der späteste neue Rückreisetermin muss hier der 31. Oktober 2020 sein.

Alltours:Der Veranstalter aus Düsseldorf hat alle Reisen bis einschließlich 30. April storniert. Wer eine Reise im Mai gebucht hat, muss erst einmal abwarten, ob dann noch für das gebuchte Urlaubsland eine Einreisesperre oder Ähnliches besteht.

Schauinsland Reisen:Reisen können auch über den April hinaus vorerst kostenlos umgebucht werden. Das neue Abreisedatum darf laut Veranstalter um bis zu 98 Tage vom ursprünglichen Datum abweichen. dpa

Ich habe später im Jahr (ab Mai) eine Reise gebucht. Soll ich sie stornieren oder abwarten?

Derzeit lassen sich keine seriösen Prognosen für die nächsten Monate machen. Reisende sollten sich beim Auswärtigen Amt über die aktuelle Lage informieren. Darüber hinaus empfiehlt Gerhards, die Situation selbst abzuwägen. Kann man sich die finanzielle Belastung einer späten Stornierung leisten? Kann man mit Umbuchungsoptionen planen? Wie steht es um meine eigene Gesundheit? Möchte man noch verreisen, kann man bei einer Pauschalreise durchaus abwarten, ob die Reise möglich ist. Bei Einzelleistungen ist das Risiko wieder höher. Es empfiehlt sich der direkte Kontakt mit Anbietern vor Ort. Bei Flügen macht es laut der Expertin keinen Sinn, sie früh zu stornieren. Die Rückerstattung sei so gering, dass man kaum Geld spare. Bei Annullierung werde hingegen der volle Preis erstattet.

Bin ich verpflichtet eine Reise abzubezahlen, auch wenn diese voraussichtlich nicht stattfindet?

Grundsätzlich sind Kunden verpflichtet sich vertragskonform zu verhalten, solange es noch keinen eindeutigen Stornierungsgrund gibt. Laut Gerhards kann man bis zur Mahnung warten, danach kann der Veranstalter aber stornieren und die Gebühr einfordern.

Bin ich verpflichtet, einen Gutschein anzunehmen?

Bei Verträgen mit ausländischen Anbietern gilt es, die Rechtslage dort zu prüfen. Einige Länder verpflichten zum Gutschein. In Deutschland sieht geltendes Reiserecht diese Lösung bisher nicht vor, allerdings diskutiert die Bundesregierung diese Option gerade. Gerhards fordert dafür eine Insolvenzabsicherung, so dass Kunden im Fall einer Insolvenz ihr Geld nicht verlieren. Im Zweifel sollten Reisende, die auf eine Rückzahlung nicht verzichten können, ihre Fälle von einer Beratungsstelle prüfen lassen, um gegebenenfalls juristische Schritte einzuleiten.

Ich habe meine Reise mit Kreditkarte gezahlt. Kann ich mir über die Bank das Geld zurückholen?

Tatsächlich ist es möglich, sich bei nicht erhaltener Leistung die Zahlung von der Bank relativ unbürokratisch zurückbuchen zu lassen. Doch es gelten je nach Karte unterschiedliche Bedingungen und Definitionen. Es ist daher ratsam, das Gespräch mit der Bank zu suchen, um zu prüfen, was im Einzelfall möglich ist.

Weitere Fragen zum Thema beantwortet Julia Gerhards in einem Webinar am Dienstag, 31. März um 15 Uhr. Anmeldung und weitere Informationen unter: verbraucherzentrale-rlp.de

Ich habe eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen. Tritt sie für meine Kosten ein? 

Nein, die Reiserücktrittsversicherung kommt nur dann für die Stornierungskosten auf, sollte man aus Krankheitsgründen die Reise nicht antreten können. Aber selbst wenn Reisende an der durch das Corona-Virus ausgelösten Krankheit Covid-19 erkranken sollten, springen die meisten Rücktrittsversicherungen laut der Expertin nicht ein. Denn Pandemien und andere Ereignisse, die eine große Masse an Personen gleichzeitig betreffen, schließen die Versicherungen von vornherein aus dem Vertrag aus.

Kann ich mir die Kosten für die Rücktrittsversicherung erstatten lassen, wenn ich die Reise aus Corona-Gründen nicht antreten kann? 

Auch das ist nicht möglich, da die Versicherung in ihrem Sinne „funktioniert hat“, so Gerhards. Sie hat die von den Kunden bezahlte Leistung erbracht. Dabei handele es sich, so Gerhards, schlicht um die Wette, die man mit einer Versicherung eingehe.

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