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Wer zahlt bei Unwetterschäden?

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Von: Theresa Dräbing

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Immer wieder richten Unwetter große Schäden an.
Immer wieder richten Unwetter große Schäden an. © imago

Sturm oder Starkregen: Die FR erklärt, welche Versicherungen greifen und inwieweit der Schutz ausreicht.

Es war das teuerste Jahr der Geschichte für Versicherungen. Vor allem Naturkatastrophen kosteten die Branche 2017 weltweit rund 135 Milliarden Dollar, mehr als je zuvor.

In Deutschland verursachten Naturereignisse wie Stürme, Hagel und Starkregen vergangenes Jahr Schäden von zwei Milliarden Euro, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilt. Im internationalen Vergleich ist dieser Wert zwar unterdurchschnittlich. Demnach wüteten hierzulande nur wenige, regional begrenzte Unwetter. Dennoch seien Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen innerhalb kürzester Zeit auch hierzulande inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr, so GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Allein in Berlin und Brandenburg fielen an den letzten beiden Junitagen innerhalb von 24 Stunden mehr als 200 Liter Regen auf einen Quadratmeter – deutschlandweit sind es in einem ganzen Jahr durchschnittlich 800 Liter pro Quadratmeter.

„Die Folgen von Starkregen können jeden treffen“, so Weiler. „Erst nach solchen Unwettern wird vielen klar, dass ihr Versicherungsschutz nicht ausreicht.“ Häufig werde angenommen, im Schadensfall komme die Hausrats- oder Wohngebäudeversicherung auf, doch das stimmt nicht immer. Die Gemengelage ist unterschiedlich für Schäden am Haus, Inventar oder Auto und wodurch der Schaden verursacht wurde. So muss etwa ein Mieter nicht für Schäden an der Fassade aufkommen, was aber wenn Elektrogeräte in der Wohnung durch einen Blitzschlag beschädigt werden? 

Schäden an Haus und Inventar: Es stimmt, dass die Wohngebäudeversicherung bei bestimmten Unwetterereignissen greift, und zwar bei Sturm, Hagel, Blitzschlag und Überspannung. Wenn infolgedessen Dachziegel abgedeckt werden, die Fassade beschädigt ist oder Fensterscheiben zu Bruch gehen, springt die Versicherung ein. Das gleiche gilt für Schäden am Haus durch umstürzende Bäume oder eindringendes Regenwasser durch zerstörte Fenster und Dachziegel. Voraussetzung ist, dass der Versicherte nachweisen kann, dass es sich um Folgen eines Sturms ab Windstärke 8 (62 km/h) handelte. Der Versicherte selbst ist in der Beweispflicht. Einen Nachweis kann er etwa beim Deutschen Wetterdienst abfragen (dwd.de/wettergutachten).

Anders verhält es sich bei Wasserschäden infolge von Hochwasser, Starkregen, Überschwemmung oder Rückstau. In diesen Fällen kommen Versicherte mit einer Wohngebäudeversicherung nicht weit. „In den ehemaligen ,DDR-Policen‘, die später von der Allianz übernommen wurden, waren Hochwasserschäden noch automatisch mitversichert“, erklärt der Bund der Versicherten (BdV). Das sei aber heute nicht mehr der Fall. Nötig ist der Zusatz einer Elementarschadenversicherung.

Diese ist für Versicherte optional, kann aber nur in Kombination mit der Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden. In dem Elementarschutz sind dann auch seltenere Schäden durch Erdrutsch, Schneedruck, Erdbeben und Erdsenkung mitversichert. Hingegen nicht übernommen werden in der Regel Schäden durch Rückstau aus der Kanalisation.

Die Kosten werden übernommen für etwaige Reparaturen. Im ärgsten Fall werde sogar ein kompletter Abriss des Gebäudes und der Neubau eines gleichwertigen neuen Wohnhauses finanziert, sowie drohende Mietverluste ersetzt.

Selbstbeteiligung vereinbaren: Laut GDV sei für 99 Prozent der Gebäude in Deutschland der Abschluss einer solchen Police problemlos möglich. „Dennoch haben sich bundesweit bislang nur etwa 40 Prozent der Hausbesitzer für diesen Vollkaskoschutz für ihr Haus entschieden“, berichtet der Gesamtverband. Dieser Zusatz koste unter hundert Euro im Jahr – in Regionen mit höherem Risiko wird er teurer sein. 

Etwas kritischer sieht das der Bund der Versicherten. Denn wenn es erst einmal zu Schäden gekommen ist, oder das Gebäude in unwettergefährdetem Gebiet liegt, sei es für Hausbesitzer im Nachhinein sehr schwer den Schutz zu bekommen und wenn, dann lediglich zu sehr hohen Policen. „Dennoch sollten Hausbesitzer dann überlegen gegebenenfalls eine höhere Selbstbeteiligung in Kauf zu nehmen“, sagt Bianca Boss, Sprecherin vom BdV. Denn dass nur derjenige von Schäden betroffen ist, der in der Nähe eines Flusses wohnt, sei falsch. Ein Großteil der Schäden entsteht durch Starkregen und von dem sei keine Region gefeit. „Verbraucher sollten außerdem einen Tarif wählen, der auf den Ausschluss der groben Fahrlässigkeit verzichtet“, rät Boss. Das bieten die meisten Versicherer an. Damit komme niemand in Bedrängnis, der das Fenster offen ließ oder das Auto am Straßenrand, statt in der Garage. 

Geht es um Schäden im Inneren eines Hauses, wie Möbel und Elektrogeräte ist ebenfalls der Zusatz einer Elementarschadenversicherung nötig, allerdings zusätzlich als Extraschutz in Kombination mit der Hausratversicherung. Ohne Zusatz greift die Hausratversicherung bei Schäden durch Sturm, Hagel, Blitzschlag und Überspannung, nicht aber bei Wasserschäden.

Nach Schadenseintritt: Ist es zu einem Schaden gekommen, gilt es den Versicherer schnell zu informieren. Noch bevor Aufträge an Handwerker zur Schadensbegleichung vergeben werden. Der Versicherte ist zudem verpflichtet den Schaden so gering wie möglich zu halten und etwa undichte Stellen abzudichten. Auch eine gute (bildliche) Dokumentation ist hilfreich.

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