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Wir zahlen mit Daten

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Zeit für einen späten Vorsatz fürs neue Jahr: Nicht kalorienarm, sondern datenarm will ich unterwegs sein! Los geht’s mit dem „Kassensturz“

Da sammelt ein junger Digital Native aus Hessen mit viel Zeit und krimineller Energie persönliche Daten aus dem Netz. Und plötzlich ist Datenschutz in aller Munde. Doch das Problem ist viel größer: Wahrscheinlich haben die meisten von uns zwischen Billigflug-Suchen, Facebook-Posten oder Whatsapen vergessen, welches Geschäftsmodell hinter all diesen Diensten steckt. Wir bezahlen. Und zwar mit unseren Daten – immer und überall.

Die „kostenlosen Vollversionen zum Download“ gibt es nicht, auch keine „kostenlosen Steuerspartipps“. Eigentlich sollte der Begriff „kostenlos“ in diesem Zusammenhang verboten werden. Denn wenn ich draufklicke, hinterlasse ich meinen digitalen Fingerabdruck. Ich erteile eine „Einzugsermächtigung“ für meine Daten. Meine Daten als mittelalte Frau mit Interesse am Steuersparen, an Billigflügen und #gegenTrump sind Bares wert. Sie werden von Datensammel-Firmen an Werbeunternehmen oder Lobby-Gruppen verkauft, ohne dass ich je davon erfahre.

Zeit für einen späten Vorsatz fürs neue Jahr: Nicht kalorienarm sondern datenarm will ich unterwegs sein! Los geht’s mit dem „Kassensturz“. Wem habe ich welche meiner Daten gegeben? Wer kennt meinen Namen, Alter und Adresse? Besonders relevant: Konto und Geburtsdatum. Das will ich von den Online-Anbietern wissen. Sie sind gesetzlich zur Auskunft verpflichtet. Mit der Antwort habe ich Klarheit – und kann handeln. Jetzt kann ich die Löschung meiner Daten beantragen, wenn sie nicht mehr konkret gebraucht werden: zum Beispiel meine Adresse, sobald mein Einkauf versandt ist. Weiter geht’s: Habe ich mich aus Listen ausgetragen und Zugänge gelöscht, die mir unseriös erschienen? Sind alle „Hallo123“-Passwörter ausgetauscht und verkompliziert?

Und ab jetzt: Lösche ich künftig Mails unbekannter Absender sofort – ohne verlockende Links anzuklicken. Prüfe ich, welche Daten ich für welche Transaktion wirklich angeben muss und welche unnötig sind. Versende ich meine Kontodaten per Mail verschlüsselt – und habe alles Wichtige auf der externen Festplatte statt in der „kostenlosen“ Cloud gespeichert.

Ach ja: Das soll kein Appell zum analogen Einsiedeln sein. Aber wenn die Währung im Netz Daten sind, dann muss jedes Mal die Frage sein: „Wer zahlt mit was?“. Und ich will meine Daten – wenn überhaupt – so teuer wie möglich „verkaufen“.

Die Autorin ist Campaignerin bei Campact.

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