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Laut  Bundeskriminalamt  stieg die Zahl der Fälle von Cyberkriminalität 2018 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Prozent auf rund 87.100.

Industrie

Zahl der Cyberattacken steigt

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Das Bundeskriminalamt richtet eine neue Abteilung zur Bekämpfung von Industriespionage, Kreditkartenbetrug und Angriffen auf die digitale Infrastruktur ein.

Kreditkartenbetrug, Industriespionage oder Angriffe auf zentrale Infrastruktur: Cyberkriminalität stellt eine wachsende Herausforderung für die deutschen Sicherheitsbehörden dar. Rund 87.100 Fälle von sogenanntem Cybercrime wurden 2018 registriert, was einen Zuwachs von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Zudem wurden rund 272.000 Straftaten festgestellt, bei deren Begehung das Internet eine Rolle spielt. Damit haben mittlerweile fast fünf Prozent aller von den deutschen Polizeien erfassten Straftaten mit dem Netz zu tun. Das geht aus dem „Bundeslagebild Cybercrime“ hervor, das am Montag vom Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden vorgestellt wurde.

Cyberkriminalität gehöre zu den „negativen Begleiterscheinungen“ eines immer stärker vernetzten Alltags in Wirtschaft und Gesellschaft, sagte Peter Henzler, Vizepräsident des BKA, bei der Vorstellung des Berichts. „Cyberkriminelle nutzen die vielen Tatmöglichkeiten, um sich zu bereichern oder andere illegitime Ziele zu verfolgen“, so Henzler weiter. Die Bedrohung betreffe „alle Bereiche der Gesellschaft“.

Laut BKA ist 2018 allein im Bereich Computerbetrug ein Schaden von 60 Millionen Euro entstanden, 2017 seien es 71,4 Millionen gewesen. Da Hackerangriffe auf private Computer oder Netzwerke von Unternehmen oft gar nicht bemerkt oder nicht zur Anzeige gebracht würden, erfahre die Polizei aber nur von einem Teil der Straftaten, betonte Henzler. „Das Dunkelfeld ist immens.“ Schätzungen zufolge belaufe sich der Schaden durch Cyberkriminalität auf mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr.

Als Problem schilderte Henzler, dass es mittlerweile Kriminelle gebe, die Einbrüche in Firmennetzwerke oder Angriffe auf Webseiten als Dienstleistung anböten. Als Beispiel nannte er den Anbieter „Webstresser“, der im April 2018 im Rahmen einer internationalen Polizeiaktion vom Netz genommen worden war. An den Ermittlungen seien Behörden von elf Staaten beteiligt gewesen, sagte Henzler. In unmittelbarer Folge hätten sogenannte DDoS-Attacken, bei denen Internetdienste gezielt durch Anfragen überflutet und damit zum Zusammenbruch gebracht werden, europaweit abgenommen. Sogenannte Phishing-Attacken, bei denen Kriminelle versuchen, an Zugangsdaten etwa für das Online-Banking heranzukommen, seien 2018 sogar um fast die Hälfte auf nur noch 723 Fälle zurückgegangen. Das habe vor allem mit erhöhten Sicherheitsstandards bei den Banken zu tun, sagte Henzler.

Um die Ermittlungserfolge zu verbessern, richtet das BKA zum April kommenden Jahres eine eigene Abteilung für Cybercrime ein. Man bemühe sich, den Kriminellen immer einen Schritt voraus zu sein, sagte Henzler.

Zugleich setzen Experten auf Aufklärung: Laut Hans-Wilhelm Höfken von der Hochschule Aachen sind viele deutsche Unternehmen nicht ausreichend gegen Computerangriffe geschützt, die Kommunikation in Industrieanlagen sei oft nicht einmal verschlüsselt. Da die Vernetzung der Produktion zunehme, hätten Hacker oft ein leichtes Spiel, sagte Höfken.

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