T-Mobile-Fusion

New York geht nicht in Berufung

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Die Übernahme des US-Wettbewerbers Sprint rückt in greifbare Nähe. Wenn es soweit ist, braucht die Deutsche Telekom eine neue Strategie.

Es dürfte mehr als nur ein weiterer Trippelschritt sein: Die Generalstaatsanwältin des US-Bundesstaates New York, Letitia James, hat erklärt, dass sie doch keine Berufung gegen die Genehmigung der Übernahme des Mobilfunkers Sprint durch die Telekom-Tochter T-Mobile US einlegen wird.

Die Vorgeschichte: Vorige Woche hatte ein Bezirksgericht in New York, Klagen von 14 Bundesstaaten gegen den Deal abgelehnt. Die Vertreter mehrerer Staaten kündigten Berufung an – befürchtet werden vor allem steigende Preise für Nutzer. Dass James jetzt überraschend ausschert, ist bemerkenswert, da sie die führende Klägerin war. Ob andere Bundesstaaten ihr folgen werden, war am Montag zunächst unklar. Vieles dürfte vom Generalstaatsanwalt von Kalifornien, Xavier Becerra, abhängen, der zweite wichtige Wortführer der Klagenden ist.

Die Aktien der deutschen T-Mobile-Mutter legten am Montag noch einmal merklich zu. In den vergangenen fünf Handelstagen haben die sich Telekomaktien um mehr als fünf Prozent verteuert. Kein Wunder, ist doch der schon vor knapp zwei Jahren ausgehandelte Deal nicht nur für T-Mobile wichtig, sondern für den gesamten Telekom-Konzern von massiver Bedeutung.

Die US-Tochter ist bereits jetzt die mit Abstand wichtigste Sparte des teilstaatlichen Unternehmens. Sie steuerte zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes bei, und sie ist die am schnellsten wachsende Division. T-Mobile hatte Ende September mehr als 84 Millionen Kunden (Deutschland: 45,5 Millionen). Mit der Übernahme, das Volumen lag bislang bei 26 Milliarden Dollar, käme der Telekom-Ableger auf rund 130 Millionen, er würde damit zu den Branchenriesen AT&T und Verizon aufschließen. Die Manager wollen sich mit der Akquisition vor allem wertvolle Funkfrequenzen sichern.

Branchenkenner gehen davon aus, dass der Telekom-Vorstand dem gesamten Konzern eine neue Strategie verpassen wird, wenn der Deal endlich unter Dach und Fach ist. Es dürfte dabei einerseits darum gehen, wie die bislang weitgehend eigenständig arbeitende Tochter näher an das Hauptquartier in Bonn gebunden werden kann. Andererseits wird die Übernahme so viel Geld kosten, dass die selbst gesteckte Verschuldungsgrenze im Verhältnis zum Gewinn überschritten wird. Die Analysten des Bankhauses Lampe glauben, dass in Bonn „weitreichende Maßnahmen zum Umbau“ längst durchgespielt werden.

Die Verschuldung ist bereits üppig. Sie lag zuletzt bei knapp 79 Milliarden Euro. Viele Experten gehen davon aus, dass die Telekom sich mit Verkäufen neue finanzielle Spielräume verschafft. Zur Disposition sollen unter anderem wenig lukrative Mobilfunktöchter in Südost-Europa stehen. Zudem wird gemutmaßt, dass der Vorstand größere Teile des beträchtlichen hiesigen Immobilienbesitzes veräußern könnte. Auch der Verkauf von Funktürmen und anderer Sendeanlagen – bei gleichzeitigem Zurückmieten – soll im Gespräch sein. Um die 47 Milliarden Euro könnten insgesamt in die Kassen gespült werden.

Doch bevor all dies angepackt wird, dürfte der Preis noch einmal verhandelt werden. Günstigere Konditionen kann die Telekom gut gebrauchen. Denn es stehen gigantische Investitionen in den USA und Europa an, wenn der Mobilfunk auf die neue 5G-Technik umgestellt wird.

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