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So wurden die Steueroasen durchleuchtet

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Von: Thorsten Knuf

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Die Datenmenge soll ein Volumen von 260 Gigabyte haben, das entspricht ausgedruckt etwa 500.000 Ausgaben der Bibel.
Die Datenmenge soll ein Volumen von 260 Gigabyte haben, das entspricht ausgedruckt etwa 500.000 Ausgaben der Bibel. © dpa

An der Recherche zum weltweiten Offshore-Steuervermeidungssystem beteiligten sich Journalisten aus 46 Ländern. Die Größe des Datenlecks ist einmalig.

An der Recherche zum weltweiten Offshore-Steuervermeidungssystem beteiligten sich Journalisten aus 46 Ländern. Die Größe des Datenlecks ist einmalig.

Es scheint ein Ereignis der Superlative zu sein. Vom größten Datenleck der Geschichte ist die Rede, von einer beispiellosen Zusammenarbeit von Journalisten aus allen Winkeln des Planeten. „Diese Ermittlungen lüften den Schleier des Offshore-Systems und offenbaren die geheime Welt der Steueroasen“, sagt Gerard Ryle, Chef des Internationalen Konsortiums investigativer Journalisten (ICIJ) in Washington, das die globale Auswertungsarbeit steuerte. Vermutlich werden die Erkenntnisse politische Karrieren beenden und den Ruf vieler Superreicher ruinieren.

Was für geheime Daten sind nun an die Öffentlichkeit geraten?

Das ICIJ bekam vor einiger Zeit per Post von einem anonymen Absender eine Computer-Festplatte zugespielt, auf der gigantische Datenmengen über Finanzfirmen in Steuerparadiesen gespeichert sind. Die 2,5 Millionen Datensätze sollen Einblick geben in das Gebaren von mehr als 130.000 Anlegern und ihren Helfern in mehr als 170 Ländern.

Die Datenmenge soll ein Volumen von 260 Gigabyte haben, das entspricht ausgedruckt etwa 500.000 Ausgaben der Bibel. Gespeichert sind alle möglichen Dokumente, etwa E-Mails, Bilder, Zahlenreihen, Korrespondenzen. Sie sollen einen Zeitraum von 30 Jahren abbilden.

Wer wertet diese Daten aus?

Beteiligt an dem Recherche-Projekt sind neben dem federführenden ICIJ 86 Journalisten aus 46 Ländern. Sie publizieren seit Donnerstag in einer konzertierten Aktion ihre Erkenntnisse. In Deutschland sind die Süddeutsche Zeitung und der Norddeutsche Rundfunk dabei, in Frankreich Le Monde, in Großbritannien der Guardian sowie die BBC, in den USA die Washington Post. Wegen der Datenmenge kam eine spezielle Software zum Einsatz.

Sind die Informationen verlässlich?

Das ICIJ in Washington betont, dass alle verwerteten Angaben von den beteiligten Journalisten vor der Veröffentlichung sorgfältig auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft worden seien.

Wer muss jetzt zittern?

In den Dokumenten finden sich die Namen vieler Politiker, Künstler, Unternehmer und von Reichen aller Art. Aber auch normale Bürger mit überschaubaren Vermögen, die es für angebracht hielten, zumindest einen Teil davon ins Ausland zu schaffen.

Welche prominenten Anleger sind schon enttarnt?

Neben dem verstorbenen Deutsch-Schweizer Lebemann Gunter Sachs soll unter anderem der georgische Regierungschef Bidzina Iwanischwili Geld in Steueroasen geparkt haben, außerdem der russische Oligarch Michail Fridman, die beiden Töchter des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev sowie die philippinische Politikerin Imee Marcos, Tochter des einstigen Diktators Ferdinand Marcos.

Um welche Steueroasen geht es?

Auf der Festplatte finden sich Informationen zu Finanzfirmen und Konten unter anderem auf den Britischen Jungferninseln, Cook-Inseln, Samoa, Hongkong, Singapur, den Cayman-Inseln, Mauritius, der Insel Labuan und den Seychellen.

Sind auch reguläre Banken daran beteiligt, Geld in Steueroasen zu verschieben?

Laut ICIJ haben etwa die Deutsche Bank und die Schweizer USB ihren Kunden „aggressiv“ Geldanlagen in Steueroasen angedient. Recherchen des NDR zufolge hat die Deutsche Bank bis 2010 allein über ihre Niederlassung in Singapur 309 Firmen und Trusts in Steuerparadiesen für Kunden registrieren lassen. Die Bank erklärte, sie biete Dienstleistungen für vermögende Kunden auf der Grundlage an, dass diese ihre Steuer- und Meldeangelegenheiten ordnungsgemäß selbstständig regeln.

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