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Wozu braucht Uber die ganzen Daten?

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Hoch gehandelt bei Investoren, trotzdem permanent in den Negativschlagzeilen: Taxi-Konkurrent Uber.
Hoch gehandelt bei Investoren, trotzdem permanent in den Negativschlagzeilen: Taxi-Konkurrent Uber. © dpa

Der Fahrdienst Uber ist auch ein exzessiver Datensammler. Das Unternehmen kann Nutzer ausspionieren, es hat Zugang zur Kamera im Smartphone. Was macht Uber mit den Informationen?

Wer hat herausgefunden, dass Uber Daten sammelt?

Joe Giron, ein Experte für Software-Sicherheit, hat sich die Uber-App auf sein Smartphone geladen und war überrascht wie viele Zugangsberechtigungen beim Installieren der Anwendung abgefragt wurden. Er ist dem dann nachgegangen und hat herausgefunden, dass Uber eine ganze Reihe von Informationen verlangt, die für das Vermitteln von Fahrdiensten nicht unbedingt notwendig sind – mit Uber können Nutzer Fahrer buchen, die mit ihren privaten Pkw Taxi-Dienste anbieten.

Worauf hat Uber Zugriff?

Das Unternehmen verlangt unter anderem Zugang zur Kamera im Smartphone. Auch auf die Kontakte der Nutzer, auf Ortsdaten oder den Batteriestand des Handys kann Uber zugreifen. Mehr noch: Mittels des Gerätes beschafft sich das Unternehmen die Namen der umliegenden WLAN-Netze. Laut Giron ist die Uber-Software auch in der Lage, Informationen über Telefonanrufe und den SMS-Verkehr des Nutzers abzusaugen.

Was sagt Uber zu diesen Vorwürfen?

Der Zugriff auf die WLAN-Netze und die Kamera seien nötig, um die „Nutzung der vollen Funktionalität“ der App zu ermöglichen. So sei der Zugriff auf die Kamera nötig, um bargeldloses Bezahlen zu ermöglichen, und zwar mittels eines Fotos von der Kreditkarte des Nutzers. Die Daten über WLAN-Netze seien wichtig, um die genaue Position des Kunden zu ermitteln, der einen Fahrer bestellt habe.

Können die Daten, die Uber sammelt, auch missbraucht werden?

Die Gefahr ist immens groß. Giron sagte dem renommierten IT-Blog Recode, er habe eindeutige Indizien dafür, dass das Überwachen und Ausspionieren der Nutzer möglich sei. Es seien aber weitere Untersuchungen nötig, um herauszufinden, in welchem Umfang und auf welche Weise Uber die Zugangsberechtigungen ausnutze und möglicherweise missbrauche.

Ist Uber ein Einzelfall?

Nein. Längst ist nachgewiesen, dass zahlreiche Apps dafür genutzt werden, die Smartphones ihrer Nutzer auszuspionieren. Das Gespenstische dabei ist, dass auch Insider nicht wissen, wo die Daten gespeichert werden und wofür sie genutzt werden. Eine unrühmliche Rolle spielt dabei Google. Der Konzern kontrolliert das weltweit dominierende Handybetriebssystem Android. Google verlangt von App-Entwicklern, dass sie in die Software eine große Zahl von generellen Zugangsabfragen einbauen, die Nutzer beim Herunterladen der App bestätigen müssen Naheliegend ist wieder einmal  die Vermutung, dass  als „Preis“ für eine kostenlose App Daten preisgegeben werden sollen, die Google und/oder die Betreiber der Anwendungen einsetzen, um verfeinerte Profile von Nutzern zu erstellen.

Geht es auch anders?

Es geht auch anders. Die konkurrierenden Smartphone-Betriebssysteme von Apple und Microsoft, iOS und Windows Phone, sind bei den Zugangsberechtigungen erheblich zurückhaltender. Das ist auch als vertrauensbildende Maßnahme gedacht. Bei Uber stellt die Frage, warum ein genereller Zugriff auf die Kamera nötig ist, wenn es nur darum geht, ein Foto von einer Kreditkarte zu übermitteln. Dies könnte auch erreicht werden, wenn der Nutzer nur einen einmaligen Zugriff auf die Kamera gewähren müsste. Sollte ein weiterer Zugriff nötig sein – weil’s eine neue Kreditkarte gibt – könnte eine erneute einmalige Erlaubnis erteilt werden.

Wie reagiert die Netz-Gemeinde auf die Enthüllungen?

In Blogs und Internetforen in den USA wird derzeit intensiv über Uber diskutiert, weil die Firma einerseits inzwischen fast permanent für Negativschlagzeilen sorgt und andererseits bei Investoren hoch gehandelt wird. Zuletzt war bekannt geworden, dass ein Manager kompromittierende Informationen für das Privatleben und Uber-Kritikern gesammelt hat, um sie unter Druck zu setzen. Uber hat  in vielen Städten weltweit Ärger mit den lokalen Behörden, weil die Uber-App den Taxifahrern Geschäft wegnimmt. Uber kann unter anderem billiger als die Konkurrenz sein, weil es für die privat vermittelten Fahrdienste praktisch keine Restriktionen gibt. Das leistet auch der Schwarzarbeit und der Steuerhinterziehung Vorschub. Taxi-Betriebe brauchen hingegen Konzessionen, die Fahrer müssen Personenbeförderungsscheine haben und Ortskenntnisprüfungen ablegen.

Was finden Investoren an Uber so interessant?

Uber wird von einigen Analysten und Anlagern als das nächste große Ding der Internetwelt gehandelt. Das Unternehmen ist seit seiner Gründung vor gut viereinhalb Jahren so schnell wie kaum eine andere Firma gewachsen. Derzeit ist Uber in mehr als 200 Städten weltweit aktiv. Gerade wird um frisches Kapital geworben, um die Expansion im Ausland zu beschleunigen. Nach Angaben des Finanznachrichtendienstes Bloomberg könnte das darauf hinauslaufen, dass Uber nach der Finanzierungsrunde auf einen Wert von 40 Milliarden Dollar kommt, das entspricht etwa der Fluggesellschaft Delta, die eine der größten Airlines der Welt ist. Die Gründe für die hohen Einstufungen: Einerseits wird schlicht und einfach davon ausgegangen, das Uber den Taximarkt weltweit komplett umkrempelt. Andererseits stehen hinter dem Unternehmen mächtige Investoren wie die Investmentbank Goldman Sachs und – natürlich - Google.      

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