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Unterstützung für Familien

Basis-Elterngeld und Elterngeld Plus: Womit Mütter und Väter rechnen können

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Der Staat gleicht Müttern und Vätern, die nach der Geburt ihre Kinder betreuen, fehlendes Einkommen aus. Für die Zuschüsse gibt es verschiedene Varianten.

Immer mehr Väter nehmen sich für ihren Nachwuchs eine berufliche Auszeit. Zumindest ist die Zahl derer, die im vergangenen Jahr Elterngeld bezogen haben, erneut gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt um rund sieben Prozent im Vergleich zu 2017. Die Zahl der Mütter nahm dagegen nur um drei Prozent zu. Dennoch sind es noch immer in großer Überzahl die Frauen, die für den Nachwuchs zu Hause bleiben. 2018 bezogen rund 1,4 Millionen Mütter Elterngeld, demgegenüber stehen nur etwa 433.000 Väter.

Eltern können selbst entscheiden, wer von beiden den Großteil des Elterngelds bezieht, wer wie lange eine berufliche Auszeit nimmt, um sich in dieser Zeit um das Baby zu kümmern, oder ob beide sich kurz nach der Geburt für eine Teilzeittätigkeit entscheiden.

Hilfen gewährt der Staat in Form von Elterngeld. „Das Elterngeld fängt fehlendes Einkommen auf, wenn Eltern nach der Geburt für ihr Kind da sein wollen und deshalb ihre berufliche Arbeit unterbrechen oder einschränken“, heißt es beim Bundesfamilienministerium.

Dabei gibt es zwei verschiedene Bezugs-Modelle: das Elterngeld, auch Basiselterngeld genannt, und das Elterngeld Plus. Hinzukommen können mögliche Partnerschaftsboni. Welche Variante sich für wen eignet, wie die Ansprüche durch einen Wechsel in der Steuerklasse erhöht werden können, haben wir einmal zusammengefasst.

Elterngeld - wer bekommt wie viel?

Mindestbetrag: Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion bekommen bundesweit mehr als ein Viertel (26,6 Prozent) der Bezieher von Elterngeld nur den Mindestbetrag. Dies trifft auf Frauen (32,3 Prozent) wesentlich häufiger zu als auf Männer (11,3 Prozent).

Höchstbetrag: Nach den Angaben der Bundesregierung erhalten zwar 20 Prozent der Elterngeld beziehenden Männer den Höchstbetrag von 1800 Euro, aber nur fünf Prozent der Frauen. Die Linksfraktion im Bundestag verlangt auch deshalb eine Erhöhung des Elterngeld-Mindestbetrags. 

Das Basiselterngeld: Wenn Eltern nach der Geburt ihres Kindes nicht mehr als 30 Stunden die Woche arbeiten und sich selbst um die Betreuung ihres Kindes kümmern, haben sie Anspruch auf Elterngeld. Wem Elterngeld zugestanden wird, der erhält monatlich mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro. Die individuelle Höhe bemisst sich unter anderem am bisherigen Nettoeinkommen und pendelt sich in der Regel bei 65 Prozent des zugrundeliegenden Durchschnittseinkommens ein.

Maximal 14 Monate lang kann das Geld bezogen werden, wobei dieser Zeitraum für beide Elternteile gilt. Ein Elternteil kann dabei maximal zwölf Monate für sich beanspruchen und mindestens zwei. Die Regelung gilt genauso für getrenntlebende Paare. Nur Alleinerziehende haben Anspruch auf die vollen 14 Monate.

Das Elterngeld Plus: Mit dem Elterngeld Plus können Eltern doppelt so lange wie mit dem Basiselterngeld die Hilfen beziehen, jedoch nur in maximal halber Höhe. So werden quasi aus einem Elterngeldmonat zwei Elterngeld-Plus-Monate. Das lohnt sich, wenn Eltern schon während des Elterngeldbezugs wieder in Teilzeit arbeiten wollen. Denn dann erhalten sie im Endeffekt mehr Leistungen als mit dem Basiselterngeld. Wenn beide Eltern beispielsweise gleichzeitig zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten, stehen ihnen vier zusätzliche Elterngeld Plus-Monate in Form eines Partnerschaftsbonus zu. Alleinerziehenden steht der gesamte Bonus zu.

Zwar können auch Eltern, die nicht während des Elterngeldbezugs arbeiten, die Plus-Variante wählen, dann würde sich die Bezugsdauer aber lediglich verändern, der Betrag bliebe der gleiche. Auch ist es möglich, das Elterngeld und das Elterngeld Plus zu kombinieren.

Da es das Elterngeld Plus erst seit dem 1. Juli 2015 gibt, können es auch nur Eltern beantragen, deren Kinder nach diesem Datum geboren worden sind.

Ihren individuellen Anspruch können Eltern beispielsweise mit dem Elterngeldrechner auf dem Online-Familienportal des Bundesfamilienministeriums berechnen. Dort wird nach der erwarteten Kinderzahl (ein Baby oder Mehrlinge) gefragt, ob man bereits weitere Kinder im Kleinkindalter hat, nach dem durchschnittlichen Nettoeinkommen in den vergangenen zwölf Monaten vor der Geburt und nach den Arbeitsplänen nach der Geburt. Die Schnellberechnung ist zwar nicht verbindlich, gibt aber in vielen Fällen einen sehr guten Richtwert. Die letztlich bindende Berechnung erfolgt durch die zuständige Elterngeldstelle. Einen ähnlichen Rechner gibt es auch auf Elterngeld.net.

Nach Geschwisterkindern wird gefragt, da Familien mit mehr als einem Kleinkind einen Zuschlag von zehn Prozent auf das zustehende Elterngeld erhalten. Bei Mehrlingsgeburten wird ein Mehrlingszuschlag von 300 Euro (150 Euro bei Elterngeld Plus) für jedes weitere neugeborene Kind gezahlt.

„Weil der Nettolohn die Höhe des Elterngeldes bestimmt und die Steuerklasse starke Auswirkungen darauf hat, welchen Nettolohn der Arbeitgeber aufs Konto überweist, spielt die Steuerklasse eine große Rolle für die Höhe des Elterngeldes“, schreibt die Stiftung Warentest.

Bei verheirateten Paaren sei es deshalb ratsam, dass die Frau, die in der Regel länger in Elternzeit bleibt, in die Steuerklasse III wechselt, um ihr Elterngeld zu erhöhen. Dieser Wechsel könne Paaren ein Elterngeld Plus von mehreren Tausend Euro bringen, so die Experten von Stiftung Warentest.

Die Beantragung erfolgt über die Elterngeldstelle des zuständigen Bundeslandes. Das Antragsverfahren wird derzeit digitalisiert. Auf dem Portal „Elterngeld Digital“ können Antragsteller aus einigen Bundesländern das Elterngeld bereits online beantragen. Darunter befindet sich auch Berlin. Eile zahlt sich übrigens aus: Das Elterngeld wird maximal drei Monate rückwirkend gezahlt.

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