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Hausdach sinnvoll genutzt: Um die Klimaziele einzuhalten, braucht es mehr sauberen Strom.
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Hausdach sinnvoll genutzt: Um die Klimaziele einzuhalten, braucht es mehr sauberen Strom.

Hausbau

Wohnhäuser: Kein Neubau ohne Solardach

  • Hannes Koch
    VonHannes Koch
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In Baden-Württemberg sollen Photovoltaikanlagen obligatorisch werden. In Hamburg und Berlin sind sie es bereits. Wird es bald eine bundesweite Pflicht geben?

Manchmal müsse er längere Diskussionen mit Leuten führen, die neue Wohnhäuser bauen wollen, sagt Patrick Henschel. Als Stadtplaner arbeitet er in der baden-württembergischen Stadt Waiblingen. Insgesamt habe sich die Sache aber bewährt. Die „Sache“, von der Henschel spricht, ist die sogenannte Solarpflicht. Bei den meisten Neubauten von Wohnhäusern im Stadtgebiet sind die Eigentümerinnen und Eigentümer verpflichtet, eine Solaranlage auf dem Dach zu installieren – entweder für Warmwasser oder die Produktion von Sonnenstrom. Und das schon seit 2006. Die 55 000-Einwohner-Stadt nordöstlich von Stuttgart war Vorreiterin. Mittlerweile hat die Debatte über die Einführung der Solarpflicht die Landes- und Bundesebene erreicht.

Der Antrieb dafür kommt vom Klimaschutz. Um das deutsche Ziel für eine klimaneutrale Wirtschaft bis 2045 einzuhalten, brauchen die Privathaushalte und Unternehmen sehr viel mehr sauberen Strom. Doch Solaranlagen auf Dächern gibt es fast nirgendwo. Das ungenutzte Potenzial ist riesig. Aber wie bei der Energiewende grundsätzlich: Das Verfahren erzeugt nicht wenig Kritik.

Trotzdem hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) offiziell im Wahlkampf dafür ausgesprochen, die Solarpflicht bundesweit einzuführen. Die Grünen sehen das ähnlich, vermeiden in ihrem Wahlprogramm aber eine präzise Formulierung. In Baden-Württemberg steht nun ein entsprechendes Gesetz auf der Tagesordnung. Die grün-schwarze Mehrheit will festlegen, dass alle Neubauten von Wohnhäusern ab 1. Mai 2022 mit Sonnenenergie ausgestattet werden müssen. Gleiches soll ab 2023 bei „grundlegenden Dachsanierungen“ von schon existierenden Gebäuden gelten. Ähnliche Gesetze haben bereits Hamburg und Berlin. Hinzu kommen einige Städte, darunter seit längerem Tübingen – und bald wohl auch Bonn.

Etwa 10.000 Euro kostet eine Solaranlage

Wenn es im Einzelfall konkret wird, regen sich manche Bau-Damen und -Herren über die zusätzlichen Kosten auf. Über den Daumen schlägt eine PV-Anlage für ein Einfamilienhaus beispielsweise mit 10 000 Euro zu Buche. Je größer das Haus und die Dachfläche, desto mehr steigen die Aufwendungen.

Im Vergleich zu den gesamten Baukosten macht das allerdings nur einen kleinen Teil aus. Im Falle des Einfamilienhauses geht es um etwa zwei Prozent der Gesamtsumme von einer halben Million Euro. Hinzu kommt, dass die Investition sich nach einiger Zeit rentiert. Schließlich sparen die Investoren durch die Eigenproduktion des Stroms einen guten Teil der Energieausgaben.

„Solar-Anlagen für Wohn-Neubauten sind meist auch ökonomisch sinnvoll, weil sie sich nach etwa zehn Jahren amortisieren und dann Geld einspielen“, sagt deshalb Jörg Sutter, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Auch Ottmar Wernicke, Chef des Württembergischen Immobilienverbandes Haus & Grund, sieht keine finanzielle Überforderung der Immobilienbesitzer. Trotzdem hält er die Vorschrift für falsch: „Man sollte es den Eigentümern selbst überlassen, mit welcher Technologie sie die Klimaneutralität ihrer Immobilien erreichen wollen.“

Bundesverband Solarwirtschaft: Regierung muss nur Mengenbegrenzung für den Ausbau aufheben

Kai Warnecke, Präsident des Bundesverbandes Haus & Grund sagt: „Bei einer Vollkostenrechnung über 20 Jahre lohnt sich die Investition nur bei selbstnutzenden Eigentümern, das heißt bei Einfamilienhäusern.“ Die Einführung der Solardachpflicht sei „so lange populistische Schaufensterpolitik, wie es dem Eigentümer nicht erlaubt ist, den Strom günstig an die Bewohner des Hauses zu liefern.“ Warnecke spricht damit die komplizierten Regelungen zum sogenannten Mieterstrom an.

Erstaunlicherweise betrachtet aber auch der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) die Baupflicht skeptisch. Es gebe viel wirksamere Maßnahmen, um einen PV-Boom auf Dächern auszulösen, heißt es dort. So müsse die Bundesregierung einfach die heute noch existierende Mengenbegrenzung für den Ausbau der Solarenergie aufheben.

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