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Hilfe bei knapper Kasse

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Von: Martin Rücker

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Bei knapper Finanzlage hilft das Wohngeld.
Wohngeld senkt die Belastung durch Wohnkosten. © Moritz Wienert

Die Bundesregierung erweitert den Kreis der Wohngeldberechtigten. Bei geringem Haushaltseinkommen lohnt sich eine Prüfung – auch für Menschen mit selbstgenutzter Immobilie.

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher geraten durch die hohen Preissteigerungen in finanzielle Nöte. Vor allem die Heizkosten bereiten Mieter:innen und Eigentümer:innen von Wohnraum mit geringem Einkommen große Sorgen. Das Wohngeld half schon in „normalen“ Zeiten, die Belastung durch Wohnkosten zu verringern. Jetzt wird es für viel mehr Haushalte zu einer wichtigen Hilfe, die Energiekrise zu überstehen. Denn ab den 1. Januar soll eine neue Regelung gelten.

Das Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zu den Wohnkosten. Derzeit bekommen rund 600 000 Haushalte im Durchschnitt 177 Euro. Dabei ging die Bundesregierung von bis zu einer Million Berechtigter aus. Viele haben die Unterstützung bisher nicht beantragt, auch weil sie nichts davon wussten. Mit der neuerlichen Änderung des Gesetzes könnten bis zu zwei Millionen Haushalte Wohngeld erhalten. Und der durchschnittliche Betrag steigt auf 370 Euro an. Beides sind gute Gründe zu prüfen, ob man die Leistung erhalten kann.

Die durchschnittliche Höhe des Wohngelds sagt wenig über den Einzelfall aus. Denn sie richtet sich nach mehreren individuellen Kriterien. Die drei wichtigsten sind die Höhe des Haushaltseinkommens, die Zahl der Haushaltsmitglieder und die Höhe der Wohnkosten. Zudem wird das Mietniveau in der jeweiligen Kommune berücksichtigt. Das Verbraucherportal Finanztip nähert sich mit Musterbeispielen konkreten Zahlungen an. So errechnet sich der Wohngeldanspruch einer Familie mit zwei Kindern in Münster aus einem anrechenbaren Gesamteinkommen von 1764,67 Euro und einer zuschussfähigen Gesamtmiete in Höhe von 795,80 Euro. Die Familie kann mit einem Zuschuss zu den Wohnkosten in Höhe von aktuell 275 Euro rechnen. Im kommenden Jahr dürfte das Wohngeld aufgrund der veränderten Berechnung deutlich höher ausfallen.

Ein niedriges Einkommen ist noch kein sicheres Indiz für die Wohngeldberechtigung. Denn manche Verbraucher:innen sind davon ausgeschlossen. Das sind all jene, die schon Sozialleistungen erhalten, die auch die Wohnkosten abdecken. Dazu zählen Empfänger:innen von Hartz IV, Menschen in der Grundsicherung und Student:innen mit Bafög. Dagegen kommt das Wohngeld für Rentnerinnen und Rentner, Arbeitslose mit dem Arbeitslosengeld I oder auch Kurzarbeiter:innen durchaus in Frage. Bei Studierenden ist die Lage etwas komplizierter. Wer kein Bafög erhält, kann das Wohngeld beantragen. Ist das eigene Einkommen oder das der Eltern allerdings so hoch, dass der Bafög-Antrag abgelehnt wurde, gibt es auch kein Wohngeld. Studierende mit Kindern wiederum können Wohngeld beantragen, auch wenn sie Bafög beziehen.

Verschiedene Wohngeldrechner gibt es im Internet. Einfach zu bedienen ist etwa der des Bundesbauministeriums. Abgefragt werden hier die Zahl der Haushaltsmitglieder, das Einkommen, die Bruttokaltmiete und die Mietenstufe. Letztere sagt aus, wie hoch die Mieten in der Region sind, in der man lebt. Die Mietenstufe lässt sich auf einer weiteren Tabelle des Ministeriums herausfinden. Sind die Eingaben erledigt, wird der Anspruch ausgerechnet. Das tatsächliche Wohngeld kann später allerdings davon abweichen, auch weil es regionale Unterschiede gibt.

Die Berechnung des der Wohngeldberechnung zugrunde gelegten Einkommens ist nicht ganz unkompliziert. Die Familie aus Münster kommt zusammen auf ein Bruttoeinkommen von 2.420 Euro im Monat. Das zugrunde gelegte Einkommen ist aber deutlich niedriger. Kindergeld oder Kinderzuschlag zählen nicht zum Einkommen. Vom Bruttoeinkommen gehen auch bis zu 30 Prozent für Steuern und Sozialbeiträge ab. Anteilig wird auch der Arbeitnehmerpauschbetrag abgezogen. Es verbleiben nach Berechnung von Finanztip 1764,67 Euro anzurechnendes Einkommen. Außerdem gibt es noch Freibeträge für bestimmte Lebenslagen, etwa für Pflegende oder Alleinerziehende.

Die Miete und damit die Wohnkosten unterscheiden sich in Städten und Gemeinden erheblich. Die Mieten in München oder Hamburg sind viel höher als in abgelegenen Kleinstädten auf dem Land. Das wird bei der Wohngeldberechnung berücksichtigt. Dafür wurden die Kommunen in Mietenstufen eingeteilt. In der ersten Stufe finden sich die günstigsten Wohnorte, in der Mietenstufe VII die kostspieligsten. In einer Liste des Bundesbauministeriums kann jeder nachschauen, in welcher Mietenstufe sich seine Stadt befindet.

Wohneigentum schließt einen Antrag auf Wohngeld nicht aus – wenn es sich um selbstgenutztes Eigentum handelt. In diesem Fall dient das Geld als Zuschuss zu den Betriebskosten oder auch zur Tilgung des Immobiliendarlehens.

Warm- statt Kaltmiete: Die Reform bringt eine wesentliche Änderung bei der Berechnung des Wohngelds. Ab dem 1. Januar 2023 werden auch die Kosten für Heizung und Warmwasser berücksichtigt. Bisher ist es nur die Kaltmiete. Darüber hinaus will Bundesbauministerin Clara Geywitz (SPD) auch die durch energetische Sanierungen bedingten Mietsteigerungen auffangen. „Auf diese Weise soll im Durchschnitt über alle Haushalte eine finanzielle Mehrbelastung der einkommensschwächeren Haushalte verhindert werden“, erklärt sie im Gesetzentwurf.

Der Antrag für den Zuschuss ist an die Wohngeldämter vor Ort zu richten. Im Antragsformular werden die wesentlichen persönlichen Umstände abgefragt. Es kann in der Regel von den Internetseiten der Kommune heruntergeladen werden. Auch sollten Nachweise beigefügt werden, zum Beispiel für das Einkommen oder die Miethöhe. Das Amt errechnet anschließend den eventuellen Anspruch. Das kann eine Weile dauern. Als Stichtag gilt aber der Tag, an dem der Antrag eingereicht worden ist. Das heißt, der Zuschuss wird gegebenenfalls rückwirkend nachgezahlt. Bewilligt wird die Leistung für ein Jahr. Es ist sinnvoll, den Folgeantrag rechtzeitig vor Ablauf des Zeitraums einzureichen. Denn die Bearbeitung der Anträge kann länger dauern, weil die Behörden stark belastet sind und es teilweise an Personal mangelt.

Auch Heizkostenzuschüsse für Wohngeldempfänger sind in den Entlastungspaketen der Bundesregierung enthalten. Der erste wurde bereits im Sommer ausgezahlt, der zweite soll im Winter folgen. Dann überweist das Amt für eine Person 415 Euro, für ein Paar 540 Euro und für jedes Kind weitere 100 Euro.

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