Viele ältere Menschen haben Anspruch auf Wohngeld.
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Viele ältere Menschen haben Anspruch auf Wohngeld.

Wohngeld für Senior:innen

Wohngeld: So beantragen Sie Hilfe bei der Finanzierung ihrer Wohnkosten

  • Martin Staiger
    vonMartin Staiger
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Viele ältere Menschen sind zwar nicht richtig arm, aber müssen doch jeden Cent zweimal umdrehen. Sie könnten Anspruch auf Hilfe bei der Finanzierung ihrer Wohnkosten haben.

  • Die Grundrente reicht oft nicht aus, um Altersarmut zu verhindern.
  • Viele ältere Menschen haben Anspruch auf Wohngeld.
  • Das müssen Sie bei der Erstellung eines Antrags beachten.

Auch wenn die Berichte über wohlsituierte Senior:innen, die wegen der zurzeit ausfallenden Kreuzfahrten gar nicht wissen, was sie mit all ihrem Geld anfangen sollen, nicht abreißen, gibt es auf der anderen Seite der Einkommensskala viele Rentner:innen, die mehr schlecht als recht über die Runden kommen. Ihre Zahl hat in den letzten Jahren stets zugenommen. Und sie wird, wenn es zu keinen substanziellen Rentenreformen kommt, auch 2021 weiter wachsen – trotz der dann in Kraft tretenden Grundrente. Die wird in den meisten Fällen nicht ausreichen, um Altersarmut zu verhindern.

Wohngeld: „Rente wegen voller Erwerbsminderung“

Die größten Gruppen der knapp über, an oder unter der Armutsgrenze lebenden Rentner:innen sind alleinstehende Frauen, die in ihrem Berufsleben wenig verdient haben, Witwen, die nicht oder nicht lange erwerbstätig waren und erwerbsunfähige Menschen, die eine „Rente wegen voller Erwerbsminderung“ erhalten.

Während in diesem und im letzten Jahr, als über die Grundrente debattiert wurde, oft von der Grundsicherung die Rede war, führt eine andere staatliche Leistung, die für eine vermutlich siebenstellige Zahl von Rentner:innen von Bedeutung ist, ein Schattendasein: Die Rede ist vom Wohngeld, das in Hessen bei den Wohngeldstellen der Städte beziehungsweise Landkreise beantragt werden kann.

Wohngeld kommt vor allem für alleinstehende Rentner:innen in Betracht.

Wohngeld: Die Höhe der Rente und weitere Einkünfte berücksichtigen

Wohngeld kommt vor allem für alleinstehende Rentner:innen in Betracht, für Rentnerpaare lohnt sich ein Wohngeldantrag oft nicht. Sie sind mit der beim Sozialamt zu beantragenden Grundsicherung meist besser gestellt. Kompliziert wird es, wenn Kinder im Haushalt leben. In diesen Fällen ist je nach Höhe der Rente, dem Alter der Kinder, den Wohnkosten und weiteren Faktoren Wohngeld, Wohngeld plus Kinderzuschlag, Grundsicherung für die Eltern plus Sozialhilfe für die Kinder oder „Hartz IV“ für alle möglich – ein unübersichtliches Sozialleistungskonglomerat, das dringend einer Reform bedarf.

Ob sich ein Wohngeldantrag lohnt, hängt im Wesentlichen von der Höhe der Rente und eventuell weiterer Einkünfte, der Miete und vom Wohnort ab. Für das Wohngeld entscheidend ist die Höhe der Bruttorente, also der Rente vor Abzug von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung. Außerdem ist wichtig, ob die Rente steuerpflichtig ist.

Anspruch auf Wohngeld: So beantragen Sie Hilfe bei der Finanzierung ihrer Wohnkosten

Miete im Sinne des Wohngeldgesetzes ist die Bruttokaltmiete, das ist die Kaltmiete inklusive aller kalten Nebenkostenvorauszahlungen wie zum Beispiel für Wasser, Müll, Gartenpflege, Grundsteuer oder Gebäudeversicherung. Nicht berücksichtigt werden die Heizkosten. Auch bei selbst genutztem darlehensfinanziertem Wohneigentum kann ein Anspruch auf Wohngeld bestehen. In diesem Fall wird für die Berechnung die Darlehensbelastung inklusive der kalten Nebenkosten zugrunde gelegt.

Der dritte für den Wohngeldanspruch entscheidende Aspekt ist der Wohnort. Die Gemeinden mit den niedrigsten Wohnkosten, in Hessen sind das zum Beispiel Fürth im Odenwald oder Bad Hersfeld, gehören zur Mietenstufe I. Städte mit hohen Mieten wie Frankfurt am Main, Wiesbaden, Neu-Isenburg oder Oberursel gehören zur Mietenstufe VI. Seit diesem Jahr gibt es auch noch eine Mietenstufe VII, in die in Hessen mit Bad Soden im Taunus lediglich eine Gemeinde eingruppiert ist.

Obergrenze für den Bezug von Wohngeld

Die Abschätzung, ob eine alleinstehende Person einen Anspruch auf Wohngeld hat, ist nicht sehr schwierig. Zunächst eine Faustregel: Die Obergrenze für den Bezug von Wohngeld liegt in Städten mit hohen Wohnkosten bei circa 1400 Euro, bei Gemeinden mit geringen Mieten bei etwa 1050 Euro Bruttorente. Liegt die Bruttorente unter knapp 900 Euro bei hohen und etwa 700 Euro bei geringen Wohnkosten, besteht in der Regel ein Anspruch auf Grundsicherung, die beim Sozialamt zu beantragen ist.

Ein Beispiel: Eine alleinstehende Rentnerin lebt in Frankfurt am Main, bezahlt 550 Euro Bruttokaltmiete und bezieht eine Bruttorente in Höhe von 1200 Euro. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen werden ihr rund 1066 Euro pro Monat ausbezahlt. Da sie erst im letzten Jahr in Rente gegangen ist, muss sie auf ihre Rente einige Euro Steuern zahlen. Stellt sie einen Wohngeldantrag, erhält sie 116 Euro Wohngeld pro Monat. Würde sie keine Steuern zahlen, betrüge das monatliche Wohngeld lediglich 34 Euro.

Wohngeld: Steuerpflicht erweist sich als Vorteil

Die Steuerpflicht erweist sich hier als Vorteil, was daran liegt, dass bei der Wohngeldberechnung unabhängig von der Höhe der tatsächlichen Steuerzahlung pauschal zehn Prozent von der Bruttorente abgezogen werden.

Es gibt im Internet verschiedene Rechner, die zum Teil richtig rechnen, zum Teil allerdings auch nicht. Sehr übersichtlich ist der Smart-Wohngeldrechner. Folgendes ist in den Rechner einzugeben: Das Bundesland, der Wohnort – ist dieser nicht auffindbar, ist „Kreis“ einzutippen. Dann ploppt eine Liste der Landkreise auf – und die Zahl der Haushaltsmitglieder. Das nächste Feld „Davon vom Wohngeld ausgeschlossen“ ist für Rentner:innen irrelevant.

Wohngeld: So berechnen Sie die finanzielle Unterstützung

In dem Feld „Einkommen Bewohner 1“ ist die Bruttorente, falls weitere Einkünfte wie zum Beispiel eine Betriebsrente vorhanden sind, die Summe aller Bruttoeinkünfte einzugeben. Als Werbungkosten werden 8,50 Euro angesetzt. Schließlich sind die Abzüge relevant. Bei einer gesetzlichen Rente ist das in aller Regel die Krankenversicherung (KV). Ist die Rente steuerpflichtig, ist zusätzlich das Feld Einkommensteuer (ESt) anzukreuzen.

Weitere Parameter, die bei Rentner:innen mit Ausnahme der Schwerbehinderung eher selten vorkommen, sind weiter unten angegeben. In welchen Fällen die Parameter wohngeldsteigernd sind, erklärt der Rechner, wenn man auf das Fragezeichensymbol klickt.

Im kommenden Jahr gibt es aufgrund einer Gesetzesänderung mit dem schönen Namen Wohngeld-CO2-Bepreisungsentlastungsgesetz einen kleinen Aufschlag auf das Wohngeld, 2022 wird das Wohngeld anhand der Mietpreisentwicklung weiter erhöht. Aufgrund der sich jetzt schon abzeichnenden Rentennullrunde im nächsten Sommer wird das Wohngeld für Rentner:innen damit weiter an Bedeutung gewinnen.

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