+
Die Zahl der Menschen, die Anspruch auf Wohngeld haben, ist 2020 gestiegen.

Wohngeld

Wohngeld: So bekommen Sie vom Staat einen Zuschuss zur Miete

  • schließen

Immer mehr Menschen erhalten Wohngeld. Die FR erklärt, wer die Unterstützung zur Miete erhält - und wie hoch der Zuschuss ist.

  • Das Wohngeld wurde zu Jahresbeginn reformiert
  • Mehr Haushalte sind jetzt wohngeldberechtigt
  • Der Anspruch hängt auch von der Höhe der Miete ab

Die Mieten steigen, insbesondere Innenstadtlagen werden immer teurer und der Anteil am Einkommen, das für das Wohnen draufgeht, wächst. Es gibt zwar für Haushalte mit einem eher niedrigerem Einkommen einen staatlichen Zuschuss, das sogenannte Wohngeld, doch muss dieser extra beantragt werden. Laut Bundesinnenministerium erhielten 2018 rund 550.000 Haushalte Wohngeld. In diesem Jahr sollen es noch einmal etwas mehr sein, das Wohngeld wurde zu Jahresbeginn reformiert. Dabei wurde die Höhe nach oben angepasst, außerdem der Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert. „Das Wohngeld soll für Haushalte mit niedrigem Einkommen die Wohnkostenbelastung mindern“, heißt es vom Ministerium. Durch die Zuschüsse seien die begünstigten Haushalte nicht auf ein enges Marktsegment im Wohnungsbestand beschränkt.

„Wie viele Haushalte potenziell wohngeldberechtigt sind, jedoch keinen Antrag stellen, ist nicht bekannt“, teilt eine Sprecherin mit. Da das Geld nicht automatisch ausgezahlt wird, ist jedoch davon auszugehen, dass viele den Gang zum Amt scheuen. Dabei beträgt der Zuschuss im Schnitt rund 150 Euro. Es kann sich also lohnen, seine Ansprüche zu prüfen.

Wohngeld: Wer hat Anspruch?

Der Mietenzuschuss richtet sich an Personen, die zwar nicht zu den Gutverdienern gehören, aber deren Einkommen auch nicht so gering ist, das sie auf Sozialleistungen wie Hartz IV angewiesen wären.

Wie hoch das Gesamteinkommen aller Haushaltsmitglieder sein darf, um noch anspruchsberechtigt zu sein, hängt auch von der Höhe der Miete ab. In teureren Wohngegenden wird die Einkommensgrenze höher angesetzt. Beispielsweise darf ein Ein-Personen-Haushalt in der Mietenstufe I (günstigste Kategorie) maximal 948 Euro bis 1354 Euro monatlich verdienen (je nach dem ob noch Freibeträge oder Kindergeld vom Gesamteinkommen abgezogen werden müssen), in der Mietenstufe VII (teuerste Kategorie) wären es 1151 Euro bis 1644 Euro.

Wohngeld: In Frankfurt gilt die zweithöchste Mietenstufe VI

Für Frankfurt am Main gilt die zweithöchste Mietenstufe VI. Das bedeutet, dass bei einem Ein-Personen-Haushalt das Gesamteinkommen (abzüglich Freibeträgen) bei 1121 bis 1601 Euro liegen darf. Bei einem Vier-Personen-Haushalt wären es 2393 Euro bis 3419 Euro. Für Berlin gilt 2020 weiter die mittlere Mietenstufe IV. Das bedeutet, dass bei einem Ein-Personen-Haushalt das Gesamteinkommen (abzüglich Freibeträgen) bei 1 061 bis 1 516 Euro liegen darf. Bei einem Vier-Personen-Haushalt wären es 2 297 Euro bis 3 282 Euro.

Die Einkommensgrenzen steigen zudem mit der Anzahl der in der Wohnung lebenden Personen. Dabei ist es egal, ob es sich um Kinder, Eltern oder Lebenspartner handelt. Ausgeschlossen von den Wohngeldleistungen sind lediglich diejenigen Haushaltsmitglieder, die Sozialleistungen erhalten.

Darüber hinaus haben nicht nur Mieter Anspruch auf Wohngeld, sondern auch Eigenheimbesitzer, wenn sie den gekauften Wohnraum selbst nutzen. Dabei handelt es sich dann um den sogenannten „Lasten-Zuschuss“.

Wohngeld: Wie hoch ist der Zuschuss zur Miete?

Das Wohngeld hängt von mehreren Faktoren ab und liegt in etwa zwischen 60 Euro und 340 Euro monatlich. Wie hoch der individuelle Zuschuss ausfällt, hängt zum einen von der monatlichen Bruttokaltmiete (bei Eigentümern die monatliche Belastung) und zum anderen vom Haushaltseinkommen ab. Darüber hinaus ist auch relevant, wie viele Personen im Haushalt leben. Bei einer Berechnung hilft zum Beispiel der Wohngeldrechner des Bundesinnenministeriums unter bmi.bund.de/Wohngeld.

Das Wohngeld kann sich jährlich auch erhöhen, wenn beispielsweise die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder steigt oder das Einkommen sinkt.

Wohngeld: Was hat sich zum 1. Januar 2020 geändert?

Die Höhe des Wohngeldes ist nach oben hin angepasst worden. „Ein Zwei-Personen-Haushalt, der heute pro Monat durchschnittlich 145 Euro Wohngeld erhält, wird künftig pro Monat durchschnittlich 190 Euro bekommen“, heißt es in einer Berechnung des Bundesinnenministeriums. Auch wird zusätzliches Einkommen zu einem geringeren Anteil mit dem Wohngeld verrechnet.

Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) werden rund 178 000 Haushalte zusätzlich von der Wohngeldreform profitieren, so dass 2020 insgesamt rund 660 000 Haushalte anspruchsberechtigt sind. „Die Reform war dringend notwendig“, evaluierten die IW-Ökonomen in einer Studie zum Wohngeld, auch wenn die Reform ihrer Ansicht nach nicht weit genug ging – der Mietenzuschuss müsse noch mehr Menschen erreichen. Durch Inflation und Mietsteigerungen hätten außerdem zuvor jährlich Tausende Haushalte ihren Anspruch verloren.

Kommendes Jahr soll das Wohngeld voraussichtlich noch einmal um zehn Prozent steigen, ab 2022 ist geplant das Wohngeld dann erneut anzupassen, und in der Folge alle zwei Jahre.

Wie und wo kann das Wohngeld beantragt werden?

Um Wohngeld zu erhalten, ist ein Antrag nötig, es wird nicht automatisch ausgezahlt. Die Formulare gibt es bei den Wohngeldbehörden vor Ort oder zum Teil auch online bei den entsprechenden Stellen. Der Antrag muss zudem jedes Jahr erneuert gestellt werden, denn der Zuschuss wird in der Regel immer nur für zwölf Monate gewährt. Auch gibt es rückwirkend kein Geld. Eine rechtzeitige Beantragung zahlt sich also aus.

Wohngeld-Rechner

Mittels des Wohngeldrechners des auf den Seiten des Bundesinnenministeriums bmi.bund.de/Wohngeld können Haushalte ihren Anspruch ermitteln. Anzugeben sind die Zahl der Haushaltsmitglieder, das monatliche Gesamteinkommen, die monatliche Bruttokaltmiete sowie die Mietenstufe. Den tatsächlich gewährten Zuschuss ermittelt die jeweils zuständige Wohngeldbehörde. Dort sind auch die entsprechenden Formulare zu bekommen. Einige Behörden haben mittlerweile auch auf ein Online-Antragsverfahren umgestellt.

Alleinerziehende stehen finanziell oft schlechter da. Immerhin haben sie Anspruch auf staatliche Unterstützungsleistungen. Ein Überblick über die Leistungen.

Die erste eigene Wohnung soll bezogen werden. Das bedeutet Freiheit, Unabhängigkeit, aber auch jede Menge Verantwortung für junge Menschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare