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Für möblierte Wohnungen werden horrende Mieten verlangt.

Wohnen

Nach dem Vorbild Wiens

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Städter ächzen unter immer höheren Wohnkosten. Der Mieterschutzverein empfiehlt mehr Wohnungen mit Sozialbindung.

Trotz der im Jahr 2015 eingeführten Mietpreisbremse sorgen die hohen Kosten für Mietwohnungen für Unmut bei Menschen, die auf der Suche nach einer Bleibe sind. Vor allem möblierte Wohnungen werden in den beliebten deutschen Großstädten häufig zu exorbitant hohen Preisen inseriert. Angebote wie 830 Euro Kaltmiete für 25 Quadratmeter in Berlin (Friedenau) oder 940 Euro Kaltmiete für 36 Quadratmeter in Hamburg (Winterhude) finden sich massenhaft auf Portalen wie Immowelt, Immobilienscout und Co.

Nach einer Auswertung des Frankfurter Mieterschutzvereins wird in der Mainmetropole mittlerweile jede zweite Wohnung möbliert angeboten. „Das ist absoluter Wucher. Allein die Tatsache, dass es solche Angebote gibt, zeigt, wie schlecht der Mensch ist. Dazu hat die Politik in den letzten 20 bis 30 Jahren viel falsch gemacht“, sagt Mieterschutzbund-Geschäftsführer Claus Otto Deese.

So unterliege eine vollständig möblierte Wohnung zwar der Mietpreisbremse, Vermieter dürften für die zusätzliche Ausstattung jedoch einen Aufschlag auf den Mietzins verlangen. In der Regel entspricht dieser rund zwei Prozent des Zeitwerts der Möbel. Dieser Aufschlag muss aber nicht explizit genannt werden, so dass es für die Mieter nur schwer nachvollziehbar ist, wie sich der Gesamtmietzins zusammensetzt und wie hoch der Wert der Möbel tatsächlich ist.

Reese nimmt daher die Regierung in die Pflicht und fordert ein Eingreifen der Politiker: „Es muss klar sein, dass Bauen allein nichts bringt. Das Problem ist nicht, dass wir zu wenige Wohnungen haben, sondern die Verteilung der Wohnungen. Der Markt wird sich in den Ballungszentren nicht von allein regulieren. Wenn nicht bald etwas getan wird, dann bewegen wir uns immer weiter auf die Verhältnisse zu, wie wir sie in London oder in Mexiko vorfinden.“

Eigentümerverband blockt

Die Regierung will hingegen mit dem Bau von neuen Wohnungen die steigenden Preise eindämmen. Laut Koalitionsvertrag sollen rund 1,5 Millionen neue Wohnungen bis 2021 entstehen. Um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, verweist Deese dagegen auf das Modell der österreichischen Hauptstadt Wien. Dort sind rund zwei Drittel der Wohnungen sozial gebunden und vom Kapitalmarkt abgekoppelt. „Dann können sich auch Normalverdiener eine bezahlbare Wohnung in Zentrumsnähe leisten. Dieses Modell halte ich für zukunftsorientiert und auch in unseren Städten umsetzbar“, so Deese.

Der Eigentümerverband Haus und Grund sieht derweil eine Beruhigung des Mietwohnungsmarktes und beruft sich dabei auf den kürzlich veröffentlichten F+B-Wohn-Index Deutschland. „Dieser belegt, dass die Neuvertragsmieten bundesweit stagnieren und der Anstieg der Bestandsmieten immer schwächer wird. Deutschlandweit liegt der Anstieg der Mieten deutlich unter der aktuellen Inflationsrate von 1,6 Prozent. Das dokumentieren auch die Zahlen des Statistischen Bundesamts“, erklärt Verbandssprecherin Eva Neumann.

Den Vorschlag von Deese, sich das Modell von Wien zum Vorbild zu nehmen, hält der Eigentümerverband für falsch. „Im Ergebnis kann man im selben Haus den alleinstehenden Anwalt antreffen, der 1,50 Euro pro Quadratmeter zahlt, und die Familie mit zwei Kindern, die zwölf Euro pro Quadratmeter berappt.“ Ein solches System sei „aus unserer Sicht ganz und gar nicht fördernswert“, so Neumann.

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