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Zum Jahresbeginn überprüfen viele Menschen ihre Geldanlagen.

Aktien

Wohin mit dem Geld?

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Experten geben Anlagetipps. Nach dem vergangenen Rekordjahr bleiben Aktien im Trend.

Viele Sparer nutzen den Jahresbeginn, um ihre Geldanlagen zu überprüfen und neu zu ordnen. Das Jahr 2017 hat an den Börsen zu rasanten Entwicklungen geführt: Der Dax stieg um 12,5 Prozent, der Dow Jones legte gar 30 Prozent zu. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach einer Investition in Aktien. Lohnt sich diese noch? Wir haben Anlageexperten gefragt, was sie für das neue Jahr empfehlen – und bekamen sehr unterschiedliche Antworten.

Aktien: Die Anlageberater sehen bei Aktien – trotz bereits hoher Kurse – ein großes Potenzial. „Unserer Meinung nach sollten Aktien auch 2018 der Gewinner unter den Anlagemöglichkeiten sein. Wir favorisieren europäische Aktien mit hohen Ausschüttungen und günstigen Bewertungen“, sagt Titus Schlösser, Geschäftsführer von Portfolio Concept Vermögensmanagement in Köln. Schlösser sieht auch die deutsche Exportwirtschaft als einen möglichen Gewinner.

Thomas Wüst, Geschäftsführer der valorvest Vermögensverwaltung in Stuttgart, erklärt, Aktienanlagen seien für langfristig orientierte Anleger interessant. Vor allem europäische Aktienanlagen seien noch verhältnismäßig fair bewertet. „Wer das Risiko direkter Aktienanlagen scheut, kann sich auch mit Diskont-Zertifikaten ein Ertragspotenzial auf dem Niveau aktueller Dividendenrenditen von etwa drei Prozent mit einem Risikopuffer von 15 bis 20 Prozent zugänglich machen“, so Wüst. Von einer Investition in den US-Markt rät er eher ab. Die Chance-Risiko-Relation von US-Aktien habe sich verschlechtert.

Der Dollar könnte überraschen, sagt demgegenüber Frank Wieser, Geschäftsführer PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. „Die jüngst verabschiedete Steuerreform wird für erhebliches Wachstum sorgen und müsste den Dollar stärken.“ Ansonsten empfiehlt er einen Blick nach Asien, besonders nach China. „Die politische Lage ist nach dem Parteitag ruhig und risikofreudige Anleger können Aktieninvestments wagen“, so Wieser. „Am Aktienmarkt droht uns ein Übergangsjahr mit mäßiger Rendite“, prognostiziert Uwe Zimmer, Geschäftsführer von Fundamental Capital, empfiehlt aber dennoch: „Aktien bleiben die vernünftigste Anlage.“

Rentenpapiere: Hier sollten Anleger Unternehmensanleihen bevorzugen – Staatsanleihen bieten aufgrund des niedrigen Zinsniveaus zu wenig Rendite. Unternehmensanleihen mit kurzen Laufzeiten, schlägt zum Beispiel Schlösser vor. „Ausgewählte Unternehmensanleihen bieten durchaus noch attraktive Renditen – vor allem, wenn es 2018 anders kommen sollte, als von den Finanzanalysten erwartet“, sagt Wüst. Schwellenländeranleihen in Hartwährung haben seiner Meinung nach ebenfalls wieder attraktive Perspektiven – „vor allem dann, wenn der US-Dollar weiter schwach bleiben sollte“. Wieser empfiehlt neben US-Dollaranleihen auch Floating Rate Notes (FRN) in Euro. „Bei den FRN wird der Zins quartalsweise der aktuellen Zinslage angepasst“, erklärt er. Sie schwankten aufgrund dieser Anpassungen kaum im Kurs und wiesen somit eine hohe Stabilität auf. „Steigen die Zinsen, ist der Anleger mit dabei und das bei hoher Kurssicherheit.“

Gold: „Ein kleiner Goldanteil sollte Bestandteil jeder Vermögensanlage sein“, sagt Wieser. Während Gold früher ein Gegengewicht zur Inflation geboten habe, sei es heute ein Schutz vor politischen Krisen und Börsencrashs. Dem stimmt Schlösser zu: „Im aktuell angespannten geopolitischen Umfeld sehen wir Gold als sinnvolle Ergänzung zum Schutz des Wertpapierdepots an.“ Wüst sieht hingegen „bescheidene Perspektiven“ für Edelmetalle. „Sie könnten unter den weiteren Leitzinsanhebungen durch die US-Notenbank FED leiden.“ Zimmer macht das Potenzial von Gold von seiner Preisentwicklung ab: „Wenn der Preis über 1350 Dollar pro Unze bleibe, könne es noch einen Schub nach oben geben.

Immobilien: Hier ist die Lage eindeutig: Der Kauf von Wohneigentum lohnt sich nur zur Eigennutzung. Die Preise sind sehr hoch, so dass eine Geldanlage sich möglicherweise nicht rechnet. „Die Immobilienhausse ist weitgehend vorüber und größere Wertsteigerungen sind nicht mehr zu erwarten“, prognostiziert zum Beispiel Wieser. „Mietrenditen von ein bis zwei Prozent für Kapitalanleger sind zu unattraktiv, vor allem wenn man bedenkt, dass aus den Mieteinnahmen auch Instandhaltungsrücklagen für künftige Renovierungen gebildet werden müssen“, betont Wüst.

Sparplan-Alternative: Manfred Jörger, von der nachhaltigen Finanzberatung Jörger-Finanz, empfiehlt ein schrittweises Vorgehen: „Das vorhandene Kapital für 2018 erstmal auf ein Tagesgeldkonto legen und ein Fondsdepot mit Sparplanmöglichkeit eröffnen“, sagt er. Der Sparplan wird mit vier nachhaltigen Aktienfonds aus erneuerbaren Energien, Wasser, Emerging-Markets und einem weltweit branchengemischten Fonds zu je 50 Euro eingerichtet. „Damit werden monatlich 200 Euro aus dem Tagesgeld entnommen und fest angelegt. Je nach Börsenentwicklung könnten wir dann bei fallenden Kursen den monatlichen Beitrag erhöhen.“ Sollte die Börsenentwicklung im Zeitablauf eindeutige Signale für eine Kurssteigerung senden, werde das restliche Kapital, was auf dem Tagesgeldkonto noch vorhanden ist, in die bestehende Aktienfondsauswahl eingezahlt.

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