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Burkina Fasos Premierminister Christophe Dabire.

KFW-Projekt

Wohin fließt das Geld?

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Blockchain soll Entwicklungshilfe transparenter machen.

Piet Kleffmann kennt sich aus in Afrika. Von 1991 bis 2013 war er für den Deutschen Entwicklungsdienst und die staatliche KFW Entwicklungsbank in mehreren Ländern des Kontinents tätig, zuletzt als Leiter des KFW-Büros in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Er hat sich um die Finanzierung und Umsetzung von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit gekümmert. Mit Regierungen und Verwaltungen verhandelt, um die Abwicklung der Vorhaben und die Vergabe von Aufträgen zu regeln. Das war selten einfach, oft schwierig, langwierig und ineffizient. Auch die Thema Korruption spielte eine Rolle. Jetzt soll all das weitgehend minimiert und möglichst ganz ausgeschlossen werden – mit Hilfe der Blockchain.

Zusammen mit der Regierung in Burkina Faso startet die KFW in wenigen Wochen ein Pilot-Verfahren für die öffentliche Verwaltung des Landes, mit dem Projekte digital gemanagt werden können. Eigens dafür hat die deutsche Förderbank eine Software entwickelt. Ziel: Transparenz für alle an einem Projekt Beteiligten und ein sicherer Einsatz des bewilligten Geldes.

Kleffmann sitzt mittlerweile nicht mehr in Nairobi, sondern in der KFW-Zentrale in Frankfurt und leitet das für die Entwicklungszusammenarbeit einmalige Projekt. Bislang, erzählt er, haben nicht nur die deutsche Seite, auch andere Geber teure, parallele Verfahren etabliert, verbunden mit vielen Reisen zu den Projekten, um den Überblick zu behalten und eine missbräuchliche Verwendung von (Steuer-)Geld zu verhindern. Eine Folge: Die Verwaltungsstrukturen in den Entwicklungsländern wurden kaum moderner und schlagkräftiger. Schon seit Jahren wollen die Geber die Entwicklungszusammenarbeit effizienter gestalten. Hemmnisse für die Kooperation sollen abgebaut, die Wirksamkeit erhöht werden.

Wenn die Bank etwa Geld für eine Schule bereitstellt, schreibe das zuständige Ministerium im Partnerland das Projekt aus und die KFW überweise das Geld direkt an die Baufirma, sagt Kleffmann. Damit änderten sich aber nicht die Strukturen im Land. „Es gibt immer das Risiko, dass öffentliche Mittel nicht für das gewünschte Gemeinwohl wie etwa ein Krankenhaus eingesetzt werden. Damit das nicht vorkommt, betreiben wir einen erheblichen Aufwand. Mit Tru Budget wird das erheblich einfacher.“

Hinter Tru Budget verbirgt sich eine von KFW-Experten entwickelte Software (Trusted Budget Expenditure Regime – zu deutsch etwa: Zuverlässige Steuerung der Ausgaben) durch die zusammen mit der Blockchain die Partnerländer mehr Verantwortung übernehmen sollen. Sie verwalten und steuern die Mittel für ein Vorhaben selbst. Zugleich kann die KFW jederzeit kontrollieren, dass das Geld auch wie vereinbart verwendet wird. Über eine einheitliche Plattform können alle Beteiligten – vom Geldgeber über das verantwortliche Ministerium im jeweiligen Land, die Baufirmen und die Baubehörden – die Vorgänge rund um ein Vorhaben genau nachvollziehen und alle Dokumente einsehen. Von der Zuweisung des Geldes für das jeweilige Projekt, das Ausschreibungsverfahren, die Verträge und Berichte, die vergebenen Aufträge an Baufirmen und Handwerker und die Auszahlungen.

„Dies alles wird über die Blockchain abgesichert und ist jederzeit und in Echtzeit von jedem Ort nachvollziehbar“, sagt Kleffmann. Gemäß dem Prinzip der Blockchain haben alle Beteiligten nach Zustimmung aller die Möglichkeit, Dokumente und Informationen einzustellen. Die sind für alle einsehbar und können nicht manipuliert werden. Doppelte Systeme werden damit überflüssig, erhebliche Kosten etwa für die manuelle Kontrolle von Aufträgen und Rechnungen vermieden, ein Missbrauch des Geldes wird verhindert, betont Kleffmann. „Die Kontrolle der eigentlichen Bauleistung wird dadurch aber natürlich nicht überflüssig.“

Eine Million Euro stellt das Berliner Entwicklungsministerium BMZ für die auf sechs Monate angelegte Testphase mit dem Finanzministerium in Burkina Faso bereit. Die Software und das System stünden allen Ländern offen, betont Kleffmann. Gespräche hat er bereits in mehreren afrikanischen Ländern geführt. „Die eigenständige Entwicklung eines Landes ist viel besser möglich, wenn Investitionen über den eigenen Haushalt umgesetzt werden statt über Projektbudgets der Geber. Mit Tru Budget schaffen wir eine Transparenz zugunsten aller Beteiligten und ermöglichen den Gebern einen sicheren Mitteleinsatz auch direkt über die Strukturen des Partnerlandes“, betont Joachim Nagel, Vorstandsmitglied der KFW und dort für die Entwicklungsbank zuständig.

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