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Der neue Chef des Verbandes der Automobilindustrie Bernhard Mattes.
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Der neue Chef des Verbandes der Automobilindustrie Bernhard Mattes.

Autoverband VDA

Auf Wissmann folgt Mattes

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Der neue Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) ist Bernhard Mattes. Er muss versuchen, den Verband im Licht immer neuer Auto-Skandale zusammenzuhalten.

Es ist recht wahrscheinlich, dass ein gebürtiger Wolfsburger des Jahrgangs 1956 etwas mit Autos zu tun hat. Für Bernhard Mattes trifft das jedenfalls zu. Das Attribut des „car guys“, wie die Amerikaner es nennen, wird er sich gerne anheften. Der Vater Manager bei Volkswagen. Er selbst arbeitete nach dem Studium zunächst 17 Jahre im Vertrieb von BMW. Dann wechselte er zu den Kölner Ford-Werken. Stand 14 Jahre, bis Anfang 2017, an der Spitze des hiesigen Ablegers des US-Konzerns. Am Dienstag hat ihn das 19-köpfige Präsidium zum neuen Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) gekürt.

Der Höhepunkt der Karriere eines Car Guy? Das muss sich erst noch zeigen. Immerhin handelt es sich um die wahrscheinlich wichtigste Lobbyorganisation hierzulande. In den vergangenen Jahrzehnten gab es in der Bundesregierung zwar mit wechselnde politische Besetzungen, aber keine wirklich wichtige Entscheidung  im Kabinett fiel gegen die Interessen des VDA. Schließlich stehen hinter dem Verband Autobauer und Zulieferer mit insgesamt mehr als 800.000 Arbeitsplätzen. Vielfach machte die mächtige IG Metall mit dem VDA gemeinsame Sache.

Der eher politikferne Mattes übernimmt

Für die enge Verzahnung Politik und Unternehmen sorgte mehr als zehn Jahre mit großer Zuverlässigkeit VDA-Präsident Matthias Wissmann, Christdemokrat und früherer Bundesverkehrsminister. Er soll auch die private Handynummer von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) haben.

Jetzt der politikferne Mattes. Ganz fern ist er dem Politischen indes nicht. Seit 2013 ist er der Präsident der US-Handelskammer in Deutschland mit Sitz in Frankfurt. Das ist einerseits ein Job mit vielen repräsentativen Aufgaben. Aber immerhin kann man da auch einiges an diplomatischem Handwerk einstudieren. Besonders seit der Wahl von Donald Trump ist Mattes hierzulande ein häufiger gefragter Gesprächspartner und Talkshow-Gast, weil hiesige Manager und Journalisten wissen wollen, was deutsche Unternehmen nun jenseits des Atlantiks zu erwarten haben. Mattes kann Auskunft geben, weil er noch über ein Netzwerk an guten Kontakten aus seiner Zeit bei Ford verfügen soll. Das kann ihm auch als VDA-Boss helfen.

Ansonsten wird in der Branche als eine seiner Vorzüge seine „Neutralität“ hervorgekehrt. Das hört sich merkwürdig an. Gemeint ist damit, dass er nicht wie Wissmann mit einer politischen Partei verbandelt ist und dass er zugleich nicht von einem der großen drei Autokonzerne (Volkswagen, Daimler, BMW) kommt.  Das würde sich auch mit dem VDA-Präsidentenamt nicht vereinbaren. Denn der, der an der Spitze der Lobby steht, muss auch die Interessen von Hunderten großer und kleiner Zulieferer vertreten.

Doch die Sache ist noch viel komplizierter. Auf den VDA wirken derzeit extreme Zug-, Druck- und Fliehkräfte ein. Insider mutmaßen, dass dies die Auto-Lobby noch heftig ins Schlingern bringen könnte. Ursachen sind einerseits die Dieselaffäre und ihre Weiterungen bis hin zu fragwürdigen wissenschaftlichen Experimenten, aber vor allem mit drohenden Fahrverboten und härteren Abgasnormen. Andererseits geht es langfristig um den grundlegenden Wandel der Autobranche – hin zu Elektromobilität und autonomem Fahren. Von den neuen Technologien wird ein Teil der Zulieferer profitieren, für andere wird es eng – etwa wenn sie auf Komponenten für Verbrennungsmotoren spezialisiert sind.

Und die großen Drei, die jahrzehntelang an einem Strang zogen, sind sich längst nicht mehr grün. Volkswagen-Chef Matthias Müller ist ausgeschert und hat zunächst die Dieselsubventionen in Frage gestellt – ein Sakrileg in der Branche. Was die Chefs von Daimler und BMW empört hat. Und dann hat Müller auch gleich noch die Funktion des VDA in Frage gestellt. Der Verband funktioniere nur über einen Minimalkonsens, sagte er in einem Interview. Das reiche nicht in puncto Umweltschutz, die Autobauer seien nicht mutig genug gewesen. Außerdem werde sich angesichts der zahlreichen Debatten ums Kfz die Verbandswelt ohnehin „neu sortieren“ müssen.

Damit ist schon einmal vom mächtigsten Automanager ein Arbeitsauftrag für Mattes definiert. Er muss zuallererst versuchen, den VDA zusammenzuhalten und seine Ausrichtung neu definieren. Er muss sein diplomatisches Geschick und seine Erfahrungen als Car Guy einsetzen, um innerhalb der Verbandes zu moderieren. Er muss Positionen finden, die in Richtung neue Mobilitätskonzepte weisen, aber zugleich Kolbenhersteller nicht vergrämen. Er muss neue Wege finden. In den vergangenen zweieinhalb Jahren jedenfalls machte der VDA öfter eine unglückliche Figur, weil im Zuge der Dieselaffäre vieles, das kommuniziert wurde,  wie die Kaschierung der Fehler der Vergangenheit wirkte. 

Zugleich ist die Nervosität in der Branche extrem groß. Das wurde deutlich als Wissmann sich einmal mutig nach vorne wagte und angesichts von Kartellvorwürfen einen Kulturwandel in den Unternehmen anmahnte. Daimler-Chef Dieter Zetsche reagierte extrem sauer – Beobachter behaupten, dass der Noch-VDA-Präsident unter anderem wegen dieses Vorpreschens nun in den Ruhestand geschickt wird.

Gut möglich, dass nach es nach fast  elf Jahren mit dem politischen Lautsprecher Wissmann, künftig beim VDA spürbar ruhiger wird – zumindest in der Wahrnehmung von außen.  Klar ist, das wird keine leichter Job für Mattes. Er wird wohl viel zwischen dem Dienstsitz Berlin und Köln, wo er längst heimisch ist, pendeln. An der Anhängerschaft für den 1. FC Köln wird das nichts ändern. Aber ob sich dann immer noch die Dauerkarte fürs Kölner Stadion lohnt, muss sich erst noch zeigen.

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