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Start, Preis, Gültigkeit: Das müssen Sie zum neuen 49-Euro-Ticket wissen

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Von: Sandra Kathe

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Nach der kurzen Laufzeit des 9-Euro-Tickets im Sommer soll ein 49-Euro-Ticket für Entlastung im ÖPNV sorgen: die Details im Überblick.

Update vom Mittwoch, 2. November, 19.00 Uhr: Das 49-Euro-Ticket wird das 9-Euro-Ticket in Deutschland beerben. Bund und Länder einigten sich am Mittwoch bei Beratungen auf die Finanzierung des monatlichen, digitalen Tickets.

49-Euro-Ticket
Das 49-Euro-Ticket wurde als Teil eines Entlastungspakets beschlossen. (Symbolfoto) © Arne Dedert / dpa

Die Einigung bei Finanzfragen sieht vor, dass Bund und Länder sich die Kosten für das 49-Euro-Ticket von insgesamt drei Milliarden Euro im Jahr teilen. Die Länder hatten eine Erhöhung der sogenannten Regionalisierungsmittel von diesem Jahr an zur Bedingung gemacht, dass sie ein 49-Euro-Ticket mitfinanzieren. Der Bund hatte vor den Beratungen mit den Ländern angeboten, diese Mittel zu erhöhen. Mit den Regionalisierungsmitteln bestellen die Länder Bahn- und Busverbindungen bei den Verkehrsunternehmen.

Das 49-Euro-Ticket – auch „Deutschlandticket“ genannt – soll „schnellstmöglich“ eingeführt werden, wie Bundeskanzler Olaf Scholz betonte. Allerdings stehe noch kein exakter Termin fest. Die Verkehrsminister planen für den 49-Euro-Nachfolger eine Einführungsphase von zwei Jahren. Ab dem zweiten Jahr könnte das Ticket teuer werden. Geplant ist eine „Dynamisierung“ in Form eines automatischen Inflationsausgleichs.

Erstmeldung: Frankfurt/Bremerhaven – Als Nachfolger für das 9-Euro-Ticket haben sich die Verkehrsminister:innen von Bund und Ländern auf ein Nachfolgemodell für 49 Euro im Monat für den öffentlichen Nahverkehr geeinigt, das nach Angaben von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) ab Januar 2023 nutzbar sein soll. Am Mittwoch (2. November) beraten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ministerpräsident:innen über die Finanzierung des „Deutschlandtickets“.

Einen Vorteil bringt das geplante 49-Euro-Ticket vor allem für bisherige Abo-Kund:innen der Bahn, die fast in allen Regionen mit dem neuen Ticket günstiger fahren als bislang. Es gibt aber auch erste Kritik an dem vorgeschlagenen Abo-Modell, das ersten Informationen zufolge monatlich kündbar und ausnahmslos in papierloser Form verfügbar sein soll. So sehen Aktivist:innen auch 49 Euro monatlich für Menschen in Geldnot als nicht bezahlbar an.

Neues bundesweites 49-Euro-Ticket ab Januar: Was ist geplant?

Wie Bundesverkehrsminister Volker Wissing betonte, haben die Verkehrsminister:innen die Einführung eines bundesweiten Ticket-Modells vorgeschlagen, das Fahrgäste 49 Euro im Monat und damit 588 Euro im Jahr kosten soll. Das Ticket soll monatlich gekündigt werden können und – anders als das 9-Euro-Ticket im Sommer – ausschließlich in digitaler Form nutzbar sein. Darin enthalten sein soll der gesamte öffentliche Nahverkehr in Deutschland, vom Regionalexpress bis zum Bus. Züge des Fernverkehrs sowie Fernbusse sind in dem Abo nicht enthalten.

Laut Verkehrsminister Wissing seien die ersten Vorbereitungen auf die Einführung des Tickets bereits getroffen worden. So seien bereits vor der Vorstellungen des möglichen 9-Euro-Ticket-Nachfolgers technische und inhaltliche Fragen geklärt worden. Eine Umsetzung der Pläne wie angestrebt zum 1. Januar „soll unser Ziel sein“, kündigte Wissing bei einer Pressekonferenz am 13. Oktober an.

Als Nachfolger des 9-Euro-Tickets ist ab Januar ein bundesweites 49-Euro-Ticket geplant. Davon sollen vor allem Vielfahrer:innen und Pendler:innen profitieren.
Als Nachfolger des 9-Euro-Tickets ist ab Januar ein bundesweites 49-Euro-Ticket geplant. Davon sollen vor allem Vielfahrer:innen und Pendler:innen profitieren. (Symbolbild) © Arne Dedert/dpa

Nachfolger des 9-Euro-Tickets: Wie wirkt sich das Ticket preislich aus?

Für Vorteile und Vergünstigungen sorgt das geplante 49-Euro-Ticket vor allem für regelmäßige Fahrgäste und Pendler:innen in den Ballungsräumen, wo Monatskarten bislang deutlich teurer und noch dazu nur in sehr kleinen Geltungsbereichen nutzbar sind. In Frankfurt zahlen Pendler:innen im Stadtbereich beispielsweise derzeit mehr als 78 Euro monatlich, im Innenstadtbereich von Berlin im Regelfall 86 Euro.

Will man weitere Strecken mit dem öffentlichen Nahverkehr zurücklegen, wird es schnell deutlich teurer. Zu den aktuell günstigsten Varianten innerhalb eines Bundeslands hin und her zu reisen sind die Ländertickets, die einzelne Fahrgäste je nach Bundesland von 22 bis 30 Euro am Tag kosten. Auch Menschen, die regelmäßig Städtereisen innerhalb Deutschlands unternehmen und dabei U- und S-Bahnen nutzen, können eine Menge sparen.

Bundesweites 49-Euro-Ticket soll kommen: Wie wird das Abo finanziert?

Über die Finanzierung des Tickets müssen sich Bundes- und Länderregierungen nun abstimmen. Die Länder machen dauerhaft höhere Zuschüsse vom Bund zur Bedingung für das 49-Euro-Ticket. Wie aus der Beschlussvorlage hervorgeht, will der Bund den Ländern ein neues Angebot machen. Für 2022 will er zusätzliche öffentlichen Geldern zu Erhalt und Ausbau der Infrastruktur im öffentlichen Nahverkehr (Regionalisierungsmittel) in Höhe von einer Milliarde Euro zahlen, von 2023 an sollen sie jährlich um drei Prozent erhöht werden.

Fraglich ist, ob dies den Ländern ausreicht – sie hatten von diesem Jahr an 1,5 Milliarden Euro mehr gefordert. Zusätzlich soll der Bund nach den Vorstellungen der Länder die Regionalisierungsmittel 2022 und 2023 aufgrund der gestiegenen Energiepreise jeweils um 1,65 Milliarden Euro erhöhen. Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) betonte, dass die Übernahme der gestiegenen Energiekosten sowie die Erhöhung von Regionalisierungsmitteln um 1,5 Milliarden Euro jährlich die Voraussetzung sei, um den Plänen überhaupt zuzustimmen.

Kanzler Scholz zeigte sich jedenfalls zuversichtlich. Man habe sich mit den Ländern schon fast auf ein solches „Deutschlandticket“ verständigt, sagte der SPD-Politiker am Dienstag bei einem Bürgerdialog im niedersächsischen Gifhorn. „Morgen ist der Tag, an dem es dann endgültig gelingen soll.“

Neues 49-Euro-Ticket in Deutschland: Was sind die Nachteile? Was die Forderungen?

Kritisiert wird das neue Ticket-Modell vor allem von Aktivist:innen, die sich für ein bundesweit gültiges Ticket für maximal 365 Euro jährlich beziehungsweise die Fortsetzung des 9-Euro-Modells stark gemacht hatten. So betonte etwa die Gesellschaftsorganisation Campact, dass 49 Euro für sozial Schwache immer noch zu teuer sei und deshalb die Einführung von Sondertarifen notwendig wäre. Auch Greenpeace kritisierte den vergleichsweise hohen monatlichen Preis: „Mit einem Klimaticket für maximal 29 Euro hätte man doppelt so viele Menschen überzeugen können, in Bus und Bahn einzusteigen“, ist man sich bei der Umweltorganisation sicher.

Im Beitrag zum Klimaschutz sehen viele jedoch auch Chancen des Tickets: So betonte die Franktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, dass das Ticket gut sei „für den Klimaschutz und wichtig für die soziale Gerechtigkeit“. Voraussetzung, dass es langfristig funktioniert, sei jedoch neben den erschwinglichen Tickets auch der Ausbau von Bus und Bahn. (ska mit dpa/AFP)

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