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Der Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen in München.

Deutsche Bank

Wirtschaftsprozess der Superlative

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Auf der Anklagebank im Landgericht München sitzen Jürgen Fitschen als Co-Chef der Deutschen Bank und vier frühere Kollegen sowie das Geldhaus selbst, weil sie versucht haben sollen, ein anderes Gericht anzulügen. Die Starverteidiger der Angeklagten sind auf Krawall gebürstet.

Es ist ein Wirtschaftsprozess der Superlative. Auf der Anklagebank im Landgericht München sitzen Jürgen Fitschen als Co-Chef der Deutschen Bank und vier frühere Kollegen sowie das Geldhaus selbst, weil sie versucht haben sollen, ein anderes Gericht anzulügen. Juristisch flankiert werden sie von einer ganzen Armada. Allein im Gerichtssaal stehen den Angeklagten 16 Strafverteidiger zur Seite, für die im Hintergrund zusätzliche Juristenteams tätig sind. Es ist das „Who is Who“ der Branche mit Starverteidigern wie Hanns Feigen und Eberhard Kempf, die Angriff bisweilen als die wirksamste Verteidigung verstehen.

Das gilt vor allem für Feigen, einem Jesuitenschüler mit tiefer Stimme und Stundenhonoraren von dem Vernehmen nach jenseits von 500 Euro. Er ist Hauptverteidiger Fitschens und hat schon andere Wirtschaftsgrößen wie Infineon-Boss Ulrich Schumacher (Freispruch), Post-Chef Klaus Zumwinkel (Bewährungsstrafe) und den ehemaligen FC Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß (dreieinhalb Jahre Haft) vertreten. Auch der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking setzt auf ihn. Gemessen am ersten Tag des Strafprozesses gegen die fünf Deutsch-Banker ist Feigen Hauptgegenspieler der anklagenden Oberstaatsanwältin Christiane Serini. Was sie vorbringe, sei bestenfalls Popanz – und sie habe über ein Jahr lang entlastende Dokumente unterdrückt.

Erpressung Kirchs?

Dazu muss man wissen, dass Staatsanwälte hierzulande verpflichtet sind, ergebnisoffen zu ermitteln. Im März 2014 hatte Serini eine Razzia bei den Kanzleien angeordnet, die für die Deutsche Bank 2011/12 im Schadenersatzprozess der Kirch-Erben gegen Deutschlands größtes Geldhaus tätig waren. Es ging um die Kernfrage, ob die Bank den inzwischen verstorbenen Leo Kirch und dessen Firmenimperium Anfang 2002 unter Druck setzen wollte, um ihn exklusiv zu beraten und dabei üppig zu verdienen.

Bei der Razzia habe Serini in Notizen der Rechtsanwälte aber gegenteilige Beweise gefunden, meint Feigen. Die Anwälte hätten nach Gesprächen mit den jetzt Angeklagten notiert, dass die Deutsche Bank vorzugsweise Kirch-Gegenspieler wie Rupert Murdoch hätte beraten wollen. Ein Versuch, Kirch zu einem solchen Mandat zu erpressen, ist aber Basis auch aller jetzigen Vorwürfe gegen die Banker.

Erst im Februrar 2015 habe Serini den neuen und „für die Anklage desaströsen“ Umstand in den Akten publik gemacht, moniert Feigen. Sein Mandant Fitschen werde deshalb nur Fragen des Gerichts, nicht aber der Staatsanwaltschaft beantworten, weil er an deren Objektivität massive Zweifel habe. So hält es auch der mitangeklagte Ex-Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig.

Als Angreifer in Szene setzt sich ferner der Verteidiger des als Hauptangeklagter geltenden Ex-Chefs der Deutschen Bank, Rolf Breuer. Das ist der Münchner Strafrechtsexperte Norbert Scharf, der vor kurzem noch Formel-1-Macher Bernie Ecclestone erfolgreich vor dem Kadi vertreten hat. Hinter Scharf steht die renommierte und auf Wirtschaftsrecht spezialisierte Kanzlei Grub Brugger.

Fronten werden früh deutlich

Alle Vorwürfe sind falsch, behauptet Scharf. Breuer habe das Oberlandesgericht (OLG) München nicht getäuscht und dass dieses die Deutsche Bank 2012 zu Schadenersatz für die Kirch-Erben verdonnert hat, sei ein Fehlurteil gewesen. Breuer habe mit seinem legendären Interview, in dem er 2002 öffentlich die Kreditwürdigkeit seines Kreditkunden Kirch angezweifelt hat, nichts und niemanden schädigen können. Denn Kirch sei damals schon pleite und nicht mehr sanierungsfähig gewesen. OLG-Richter Guido Kotschy habe zudem mehr für Staatsanwälte und deren Ermittlungen gegen Deutsch-Banker gearbeitet, als dass er an einer wahrheitsgemäßen Klärung angeblicher Schadenersatzansprüche interessiert gewesen sei. Sein Mandant Breuer fühle sich von der Münchner Justiz jedenfalls geradezu verfolgt.

Ähnlich auf Krawall gebürstet ist auch Eberhard Kempf, Verteidiger des früheren Deutsche Bank-Chefs Josef Ackermann. Das war er schon 2004 im Mannesmann-Prozess, wo sein Mandant gegen die Zahlung einer Geldauflage von 3,2 Millionen Euro straffrei davonkam. Verteidigt hat der 71-Jährige unter anderem auch den Börsenhändler Nick Leeson oder RAF-Anwalt Klaus Croissant und Terroristen. Was die Anklage im jetzigen Fall präsentiert, sei wie aus einem Wirtschaftskrimi, aber einem schlechten und wirklichkeitsfremden, in dem nichts stimmt, sagt der ehemals aus dem Linken-Milieu stammende Strafverteidiger, der irgendwann einmal die Seiten gewechselt hat. Er strebe für seinen Mandanten jedenfalls einen Freispruch an, weil es nie, ein Komplott der Banker gegeben habe. Die Fronten in einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse aller Zeiten sind früh klar geworden.

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