US-Flagge an der New York Stock Exchange: Seit der Wahl Trumps im November ist die Goldman-Aktie um fast 40 Prozent gestiegen.
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US-Flagge an der New York Stock Exchange: Seit der Wahl Trumps im November ist die Goldman-Aktie um fast 40 Prozent gestiegen.

US-Kabinett

Wirtschaft macht Politik

  • vonStephan Kaufmann
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Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten ist besetzt mit illustren Geschäftsleuten – mitten drin: die Großbank Goldman Sachs.

Als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat Donald Trump Anspruch auf ein Gehalt von knapp 33 000 Dollar pro Monat. Doch das Geld braucht Trump nicht, er hat genug davon. Sein Finanzminister Steven Mnuchin verdient monatlich etwa 17 000 Dollar, ebenso wie Außenminister Rex Tillerson und Bauminister Ben Carson. Sie alle brauchen das Geld nicht. Denn sie sind Multimillionäre. Am kommenden Freitag (20. Januar) leistet Trump seinen Amtseid. Und er bringt die reichste Regierungsmannschaft an den Start, die die USA je gesehen haben. Mittendrin im Geld-Macht-Gefüge: die Investmentbank Goldman Sachs.

Noch im Wahlkampf kritisierte Trump das politische Establishment der USA, es habe sich weit von den wirklichen Problemen der Amerikaner entfernt. Für Trumps Anhänger jedoch sind Anti-Eliten-Rhetorik und Reichtum kein Widerspruch. Denn Trumps Leute kommen zumeist aus der Wirtschaft und sind kein Teil des politischen Establishments. Zudem soll ihr Reichtum ihren Erfolg belegen – und ihr Erfolg ihre herausragenden Fähigkeiten als Manager. „Das Schöne an mir ist, ich bin sehr reich“, hatte Trump um Wählerstimmen geworben. Denn wer ein Unternehmen managen kann, der kann auch Staaten lenken, so der neue US-Präsident, der es liebt, Politik in Begriffen der Wirtschaft zu erklären: Dass Russlands Präsident Putin ihn schätze, „ist ein Guthaben, keine Verbindlichkeit“, sagte Trump diese Woche.

„Trumps Mannschaft hat mehr Vermögen als ein Drittel der US-Bevölkerung – das sind 43 Millionen Haushalte“, empört sich Bernie Sanders von den Demokraten. Mit drei Milliarden Dollar Netto-Vermögen ist Trump der reichste der künftigen Regierenden. An zweiter Stelle folgt Handelsminister Wilbur Ross. Der Finanzinvestor allein hat zehn Mal mehr Vermögen angesammelt als die gesamte Ministerriege von George W. Bush im Jahr 2001 – damals als „Millionärs-Kabinett“ beschimpft. Auch Vincent Viola, Leiter des Heeresamtes, hat sein Geld an den Finanzmärkten gemacht. Er startete seine Börsenkarriere als Rohstoffhändler, wurde Chef der New Yorker Börse Nymex und gründete eine Firma für Hochfrequenz-Aktienhandel. „Vinnie hat in seiner gesamten Karriere seine Führungsqualitäten gezeigt“, lobte Trump ihn.

Besonders liegt Trump nach eigenen Worten der Mittelstand am Herzen. Um ihn kümmert sich künftig Linda McMahon, die im Wrestling-Geschäft ein Milliardenvermögen angesammelt hat. Amerikas künftiger Außenminister Rex Tillerson war 40 Jahre für den Energieriesen Exxon tätig und trat Ende Dezember als dessen Vorstandschef zurück. Dafür erhielt er eine Abfindung von 180 Millionen Dollar. Die beiden Unternehmer passen gut in Trumps Konzept: „Wenn wir unser Land so führen können wie ich mein Unternehmen, hätten wir ein Land, auf das wir stolz sein können“, sagte er im Mai.

Bildungsministerin Betsy DeVos hat ihren Reichtum geerbt und geheiratet. Ihrem Vater gehörte ein Autoteile-Konzern. Der Vater ihres Mannes Dick DeVos ist einer der Gründer des Direktvertriebs-Giganten Amway, der über Haustürgeschäfte alles Mögliche verkauft – Kosmetik, Nahrungs- und Waschmittel. Darüber hat er ein Vermögen von knapp fünf Milliarden Dollar angehäuft.

Trump hat vor allem die Schaffung von Jobs für die „hart arbeitenden Amerikaner“ angekündigt. Zuständig für die Arbeit wird Andrew Puzder sein, der Chef des Fast-Food-Konzerns CKE Restaurants, das in den USA Burger-Ketten wie Hardee’s und Carl’s Junior betreibt. Puzder hat sich mehrfach gegen die Erhöhung des staatlichen Mindestlohns ausgesprochen. Auch ist er gegen eine Regelung der Obama-Regierung, nach der weitere 4,2 Millionen Amerikaner Anspruch auf Überstunden-Zuschläge hätten. „Durch die Umverteilung von Einkommen schafft man keine Jobs“, so Puzder. Laut US-Gewerkschaftschef Richard Trumka kennzeichnete den neuen Arbeitsminister bisher „der Kampf gegen die arbeitenden Menschen“.

Elaine Chao (63), Tochter eines Reeders, war bereits Arbeitsministerin unter Bush. Sie sitzt in verschiedenen Aufsichtsräten, unter anderem bei der Bank Wells Fargo, die ihr dafür knapp 300 000 Dollar pro Jahr zahlt. Nach einem Abschluss an der Elite-Uni Harvard arbeitete die künftige Verkehrsministerin unter anderem bei der Bank America Capital Markets Group und bei der Großbank Citigroup in New York.

Dabei waren die Wall-Street-Banken eine bevorzugte Zielscheibe Trumps im Wahlkampf. Das brachte Stimmen, denn das Geschäft der New Yorker Finanzjongleure ist vielen Amerikanern mindestens suspekt, häufig verhasst. Doch kommen nun nicht nur die Minister für Handel, Armee und Verkehr aus der Finanzbranche, sondern auch der Finanzminister. Mnuchin kommt zudem nicht von irgendeiner Bank. Sondern von Goldman Sachs.

Wie kein anderes Geldhaus steht Goldman für die Verquickung von Macht und Geld: Clintons Finanzminister Robert Rubin war bei Goldman, ebenso wie George W. Bushs Finanzminister Henry Paulson und sein Stabschef Joshua Bolten. Mehrfach kritisierte Trump die Investmentbank als Symbol dafür, wie Finanzelite und Politik miteinander verwoben sind. Ein Wahlspot Trumps zeigte Goldman-Chef Lloyd Blankfein – ein Unterstützer Hillary Clintons – während aus dem Off Trumps Stimme von der „globalen Machtstruktur“ sprach, die „die arbeitende Klasse beraubt, unserem Land den Reichtum nimmt und das Geld in die Taschen einer Hand voll großer Unternehmen und politischer Einheiten steckt“. Er kenne die Leute von Goldman Sachs, sagte Trump vor einem Jahr, „sie haben die totale Kontrolle über Hillary Clinton“.

Nun erobern die Goldmänner Top-Posten der neuen Regierung. Bereits Mnuchins Vater arbeitete 30 Jahre lang für Goldman Sachs, zuletzt als Leiter des Aktienhandels. Der Finanzminister selbst verbrachte 17 Jahre in dem Unternehmen. Anschließend gründete Mnuchin sein eigenes Unternehmen, und übernahm in der Finanzkrise einen angeschlagenen Hypothekenfinanzierer. Unter seiner Ägide ging die Bank – wie es heißt rücksichtslos – gegen säumige Schuldner vor und ließ 36 000 Häuser zwangsversteigern. Der „König der Zwangsversteigerungen“, wie ihn seine Kritiker nennen, machte so zwischen 2009 und 2014 mehr als drei Millionen Dollar.

Aber auch andere Goldman-Leute sind nun im Trump-Team: Gary Cohn, neuer Chef des Nationalen Wirtschaftsrats, begann als Metallhändler an der New Yorker Börse Comex und verbrachte 25 Jahre bei Goldman Sachs. Trumps oberster Stratege Steve Bannon (63) startete seine Karriere in der Goldman-Abteilung für Fusionen und Übernahmen. Der Anwalt Jay Clayton, der Goldman oft vertreten hat, wird neuer Chef der Börsenaufsicht SEC. Die Ex-Goldman-Mitarbeiterin Dina Powell wird Beraterin in wirtschaftlichen Fragen, Anthony Scaramucci wird die Koordination der Regierung mit der Geschäftswelt übernehmen, und – bislang noch unbestätigt – Jim Donovan den Posten des Staatssekretärs im Finanzministerium. Ob sich die starke Präsenz der Goldmänner für die Bank auszahlen wird, ist nicht sicher. Die Börse spekuliert schon einmal darauf: Seit der Wahl Trumps im November ist die Goldman-Aktie um fast 40 Prozent gestiegen.

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