+
Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft.

Finanztechnologie

Wirecard stellt Wachstumspläne vor

  • schließen

Dax-Neuling Wirecard will sein Geschäft binnen sieben Jahren vervielfachen. Noch stärker sollen die Gewinne des Zahlungsabwicklers wachsen. Die Börse reagiert begeistert.

Es ist erst die dritte Woche der Dax-Zugehörigkeit des Aufsteigers Wirecard aus Aschheim bei München. Man kann dem Unternehmen, das sich als globalen Innovationsführer für digitale Finanztechnologie bezeichnet, aber nicht vorwerfen, dass es in diesem illustren Kreis fremdelt oder sich in Zurückhaltung übt. Vor Analysten hat das deutsche Vorzeige-Fintech um Konzernchef und Großaktionär Markus Braun nun seine Vision 2025 verkündet und die ist alles andere als anspruchslos. Wirecard operiert im Hintergrund und wickelt für Kunden aus der Bankenwelt oder dem Handel deren elektronischen Zahlungsverkehr ab. 2017 war das ein Volumen von 91 Milliarden Euro. Bis 2025 sollen daraus gut 710 Milliarden Euro und damit fast das Achtfache werden, hat Braun in London angekündigt. 

Auch die eigenen Wirecard-Umsätze, die sich aus den für diese Transaktionen erhaltenen Gebühren ergeben, sollen massiv zulegen. Binnen sieben Jahren schätzt Braun dafür ein Volumen von über zehn Milliarden Euro. Voriges Jahr waren es noch knapp 1,5 Milliarden Euro. Den größten Zuwachs bis 2025 aber veranschlagt der 48-jährige Konzernchef für die operativen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, die 2017 gut 412 Millionen Euro und damit unter vergleichbaren Finanzdienstleistern ohnehin schon eine hohe Rendite erreicht hatten. In sieben Jahren sollen es gut 3,3 Milliarden Euro sein – also das Achtfache. 

Das Managen elektronischer Bezahlvorgänge

Die Börse reagiert begeistert. Um rund sechs Prozent auf gut 176 Euro legte die Aktie als Reaktion auf die neuen Wachstumsprognosen zeitweise zu und überflügelte damit alle anderen Dax-Papiere deutlich. Der Börsenwert der Firma mit ihren weltweit zuletzt 4449 Beschäftigten beträgt damit nun wieder mehr als 20 Milliarden Euro, nachdem die lange im Dauerhöhenflug stehende Aktie am Montag um rund 13 Prozent nachgegeben hatte. Anleger wollten wohl Kasse machen und waren mit Blick auf den Investorentag in London skeptisch gestimmt. Diese Haltung ist nun ins Gegenteil umgeschlagen. 

Konzernlenker Braun hatte zuletzt ohnehin stets betont, dass die kommenden zehn Jahre übertreffen könnten, was sein erst 16 Jahre altes Jungunternehmen im vergangenen Jahrzehnt erreicht hat. Die Vision 2025 sei jetzt auch nur eine vorsichtige Schätzung, die Untergrenzen für Umsatz und Gewinn abbilde, sagte er. „Steigerungspotenzial gibt es definitiv durch die Mehrwegdienstleistungen, die wir anbieten“, betont der Österreicher. 

Damit meint er einen von zwei Haupttreibern, die Wirecard für das künftige Wachstum ausgemacht hat. Beim Managen elektronischer Bezahlvorgänge zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden sammelt sich bei den Aschheimern nämlich auch jede Menge Verbraucherwissen an, das sich elektronisch sammeln, analysieren und zu zielgerichteten Angeboten ummünzen lässt. Das Smartphone wird dabei immer mehr zum elektronischen Geldbeutel und Kundenkontaktmedium zugleich.

Elektronisches Bezahlen steht noch am Anfang

Wer etwas Teures kauft, bekommt dann einen Kredit angeboten oder beim Kauf einer fernsteuerbaren Drohne die dazu nötige Versicherung. Wird ein Computer erworben, offeriert das elektronische Wirecard-System automatisiert dazu passende Peripheriegeräte. Nur die Fantasie setzt bei der Auswertung des Einkaufsverhaltens Grenzen. Vom so zusätzlich generierten Geschäft sollen die Kunden von Wirecard und die Aschheimer selbst gleichermaßen profitieren. 

Dazu kommt, dass elektronisches Bezahlen vor allem auch in Deutschland noch mehr oder weniger erst am Anfang steht, was der zweite Wachstumstreiber ist. Kaum zwei Prozent aller weltweiten Bezahlvorgänge werden heute volldigital abgewickelt. Mindestens eine Verzehnfachung halten Experten minimal für möglich. Moderne Technik sorgt zudem dafür, dass neue Vertriebskanäle entstehen. So sieht Braun für das Einkaufen per Sprachbefehl über Sprachassistenten wie Alexa von Amazon künftig gute Geschäftschancen. Alle Einkaufstechnologien über eine Plattform – nämlich die von Wirecard – steuern, lautet das erklärte Ziel des Konzernchefs.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare