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Wirecard: Geld zurück mit Hilfe einer Stiftung

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Von: Rolf Obertreis

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Logo der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY Ernst & Young in der Innenstadt von Düsseldorf.
Logo der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY Ernst & Young in der Innenstadt von Düsseldorf. © imago images/Ralph Peters

Anlegerinnen und Anleger sollen von dem Wirtschaftsprüfer EY entschädigt werden, fordert die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Sie hat dafür eine Stiftung gegründet.

Durch die Pleite des Skandalunternehmens Wirecard geschädigte Anlegerinnen und Anleger sollen über eine Stiftung innerhalb von drei bis vier Jahren an ihr Geld kommen. Das möchte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erreichen. Im Feuer stehen Forderungen von mindestens 1,5 Milliarden Euro. Adressat ist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die über Jahre die mutmaßlich gefälschten Bilanzen von Wirecard absegnete. Nach Überzeugung der DSW bietet die Stiftung EY die Chance, Klagen zu vermeiden und über eine außergerichtliche Einigung die Angelegenheit endlich zu beenden.

Auch mit Blick auf die Reputation steige der Druck auf EY, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler am Mittwoch vor Journalist:innen. „Eine Strategie des ‚Alles oder nichts‘ für EY wird nicht aufgehen. Die Stiftung bietet die Chance für eine Lösung, die es auf dem Klageweg nicht geben wird.“

Die gemeinnützige Stiftung („Stichring Wirecard Investors Claim“) hat die DSW bereits mit der Amsterdamer Kanzlei AKD Benelux Lawyers, die auf solche Stiftungen spezialisiert ist, gegründet - aus rechtlichen Gründen in den Niederlanden. Tüngler zufolge bietet sie EY Deutschland und der Mutter EY Global in London die Chance, den eingetretenen und weiter wachsenden Reputationsschaden zu begrenzen. Mittlerweile verzichteten immer mehr Unternehmen auf die Dienste des Wirtschaftsprüfers.

Die Stiftung ermögliche eine europäische Vergleichslösung über einen Entschädigungsfonds für alle geschädigten Wirecard-Anleger:innen gerade auch mit EY Global. Nach Angaben von Tüngler gibt es erste Gespräche mit Vertretern von EY Global. Über Details könne er nichts sagen. „Aber so viel schon: Dort sperrt man sich nicht.“ Generell habe sich eine Stiftungslösung bereits in anderen Fällen in den Beneluxstaaten bewährt.

„Im Durchschnitt geht es um 45 000 Euro und mehr“

Sollte EY nicht zu einer außergerichtlichen Einigung bereit sein, werde man den Klageweg beschreiten, sagte DSW-Vizepräsident und Anlegerschutzanwalt Klaus Nieding. „Die entsprechende Klageschrift bereiten wir derzeit vor, um sie zeitnah beim zuständigen Gericht einreichen zu können.“ Klageort wäre München, weil dort der Schaden verursacht worden sei.

Nach Angaben von Tüngler haben sich bereits rund 30 000 geschädigte Wirecard-Anlegerinnen und -Anleger bei der DSW gemeldet. Auch eine „nennenswerte“ Zahl institutioneller Anleger – also Versicherungen, Pensionskassen oder Fonds – interessierten sich für die Stiftungslösung. Nach Angaben der DSW liegt die jeweilige Schadenssumme von Privatanleger:innen so hoch wie bisher in keinem anderen Fall. „Im Durchschnitt geht es um 45 000 Euro und mehr“, sagte Nieding. „Zum Vergleich: Beim VW-Dieselskandal waren es zwischen 12 000 und 16 000 Euro.“

Bei Wirecard und EY geht es aktuell um eine Schadenssumme von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro – ohne mögliche Ansprüche von institutionellen Großanlegern.

Betroffene sollen sich bei der DSW melden

Die Stiftungslösung steht nach Angaben der DSW allen geschädigten Anlegerinnen und Anlegern offen und ist zunächst mit keinerlei Kosten verbunden. Melden können sie sich direkt bei der DSW, je schneller, desto besser, weil es dann auch schneller eine Lösung geben dürfte, sagte Tüngler. Kosten entstehen erst, wenn es zu einer Einigung mit EY kommt. Dann müssen Anlegerinnen und Anleger 25 Prozent der ihnen zugesagten Entschädigung für Anwalts- und weitere Kosten zahlen. Ein Beitritt zur Stiftung ist für Betroffene, die sich bereits einer Klage gegen Wirecard oder EY angeschlossen haben, nicht möglich. Die Beteiligung an mehreren Verfahren gleichzeitig sei verboten, sagte Nieding.

Die DSW baut darauf, dass spätestens in drei bis vier Jahren eine Lösung erzielt werden kann. Es sollte in jedem Fall deutlich schneller gehen als bei üblichen Klagen oder dem Kapitalanlegermusterverfahren (KapMuG).

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