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Wenn digital bezahlt wird, wickelt oft Wirecard das Geschäft ab.

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Absturz eines Börsenstars

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Ist es das Werk von Kriminellen? Diese Woche fiel die Aktie des Dax-Konzerns Wirecard dramatisch. Nun ermittelt die Finanzaufsicht.

Mitte dieser Woche war es wieder einmal so weit. Die Aktie des Dax-Konzerns Wirecard ging rasant auf Talfahrt. Binnen kurzer Zeit verfiel der Kurs um fast ein Viertel. Rechnerisch waren zeitweise rund fünf Milliarden Euro Börsenwert vernichtet.

Auslöser des Kurssturzes war ein Bericht der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“, der es in sich hatte. Demnach soll ein Wirecard-Manager in Singapur Scheinumsätze fingiert haben, um das Unternehmen besser dastehen zu lassen, und sich dabei auch der Geldwäsche schuldig gemacht haben. Die interne Firmenaufsicht habe das aufgedeckt und dem Topmanagement mitgeteilt, lauten die Vorwürfe im Kern. Der Bericht sei „ungenau, irreführend und diffamierend“, dementierte Wirecard postwendend.

Keinesfalls hätten interne Prüfungen die beschriebenen Praktiken enthüllt, stellte der deutsche Börsenstar mit Sitz in Aschheim bei München klar. Es gebe sie auch nicht. Alle Vorwürfe seien falsch. Erholt hat sich die Aktie des Dax-Neulings aber immer noch nicht vollständig. Bei gut 167 Euro hat sie vor dem Zeitungsartikel notiert. Am Freitagmittag waren es rund 146 Euro.

Für einen Dax-Wert sind Kursbewegungen in solchen Dimensionen binnen einer Woche eine Rarität. Mit dem Wirecard-Papier aber geht es auch in den vier Monaten der Dax-Zugehörigkeit massiv auf und ab.

Manipulationsvorwürfe sind nicht neu

Neu sind Manipulationsvorwürfe an die Adresse des Wirecard-Managements nicht. Es hat sie in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben – stets gefolgt von harten Dementis. Bestätigt hat sich noch kein einziger Vorwurf. Ein Fall aus dem Jahr 2016 ist immer noch justiziabel. Damals hatte ein Analystenreport die Wirecard-Aktie auf Talfahrt geschickt. Die Staatsanwaltschaft München hat ihre Ermittlungen dazu Ende 2018 abgeschlossen und gegen die Urheber damaliger Attacken auf Wirecard den Vorwurf der Marktmanipulation erhoben. Ein öffentlicher Prozess gilt als wahrscheinlich.

Das Prinzip solcher Angriffe auf eine Aktie, die im Fachjargon Short-Attacken genannt werden, ist klar. Börsenakteure setzen bei einer Firma auf fallende Kurse. Dann wird für den betreffenden Wert eine schlechte Nachricht in Umlauf gebracht. Die Kurse stürzen ab. Mit dem Papier spekulierende Urheber der Falschinformation machen Reibach. Bis die Vorwürfe wieder aus der Welt sind und der Kurs sich normalisiert hat, sind sie mit ihrem illegalen Spekulationsgewinn verschwunden.

Genau so einen Vorgang untersucht nun auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin im aktuellen Fall Wirecard. Das Unternehmen selbst spricht von „vermehrten Short-Aktivitäten“ vor der Veröffentlichung des Negativberichts. Die Staatsanwaltschaft München hat Vorermittlungen aufgenommen. Sie kennt die Materie seit 2016 und weiß, wie schwer so etwas zu beweisen ist. Statistisch landet nicht einmal ein Zehntel aller seitens Bafin untersuchten Vorgänge dieser Art vor Gericht.

Wie der aktuelle Wirecard-Fall ausgeht, ist offen. Immerhin steht hinter den Vorwürfen diesmal eine angesehene Wirtschaftszeitung. Die Bafin dürfte Monate brauchen, bis sie Klarheit hat.

Viele Bankanalysten glauben in dieser Situation Wirecard. Sie empfehlen das Papier weiterhin zum Kauf. Die Beobachter der Commerzbank halten den Bericht der „Financial Times“ für blanke „fake news“.

Mehr als der einen oder anderen Seite glauben, kann man derzeit aber nicht.

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