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ILLUSTRATION - Ein VW-Logo zeichnet sich am 28.06.2016 in Dresden (Sachsen) hinter einer Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ab. Volkswagen muss wegen des Abgas-Skandals in den USA voraussichtlich bis zu 14,7 Milliarden Dollar für Rückkäufe, Entschädigungen und Strafen ausgeben. Foto: Arno Burgi/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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ILLUSTRATION - Ein VW-Logo zeichnet sich am 28.06.2016 in Dresden (Sachsen) hinter einer Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ab. Volkswagen muss wegen des Abgas-Skandals in den USA voraussichtlich bis zu 14,7 Milliarden Dollar für Rückkäufe, Entschädigungen und Strafen ausgeben. Foto: Arno Burgi/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Volkswagen

Für VW wird es richtig teuer

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Der Autobauer Volkswagen muss wegen des Abgasskandals in den USA rund 15 Milliarden Dollar zahlen. Mit dem Geld sollen Kunden entschädigt werden.

Volkswagen muss wegen des Abgasskandals in den USA offenbar bis zu 14,7 Milliarden Dollar zahlen – das ist erheblich mehr als ursprünglich kalkuliert. Wir erläutern, warum die Kosten für die Bewältigung der Betrügereien bei Dieselmotoren VW in arge Bedrängnis bringen könnten.

Wofür muss Volkswagen zahlen?
Aktuell geht es nur um die USA. Dort sind mehr als 800 Klagen in einem Verfahren zusammengefasst worden. Es geht um Schadensersatz, Umrüstungen von Autos und den Rückkauf von Tausenden von Pkw. Ein Grundsatzbeschluss für einen Vergleich mit den Klägern, zu denen auch Umweltbehörden gehören, wurde bereits im April geschlossen. Am Dienstagabend europäischer Zeit sollen die Details dem zuständigen Richter, Charles Breyer, in San Francisco vorgelegt werden.

Wie kommen die rund 15 MilliardenDollar zustande?
Es gab in den vergangenen Tagen zahlreiche Spekulationen über die Höhe der Summe. Von zehn Milliarden Dollar war die Rede. Nun hat Vize-Generalbundesanwältin Sally Q. Yates 14,7 Milliarden Dollar genannt, und zwar als Obergrenze. Der entscheidende Faktor ist, wie viele Autos Volkswagen zurückkaufen muss. Fast eine halbe Million Diesel-Pkw mit Zwei-Liter-Motoren aus den Baujahren 2009 bis 2015 sind betroffen. Der deutsche Autobauer soll den Marktwert erstatten, den die Wagen vor Bekanntwerden der Abgasmanipulationen hatten. Vielfach sind die Fahrzeuge heute nur noch gut die Hälfte wert. Zudem soll es einen separaten, rund 600 Millionen Dollar schweren Vergleich mit mindestens 44 US-Bundesstaaten wegen Verstößen gegen Umweltgesetze geben.

Was kommt hinzu?
Zwischen 5000 und 10 000 Dollar pro Auto soll es als Schadensersatz geben. Insgesamt 5,7 Milliarden sind als Zahlungen an US-Umweltbehörden und für die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsprojekte vorgesehen.

Warum ist die Aufmerksamkeit für die Einigung in den USA so groß?
Die USA sind das Land mit den höchsten Umweltstandards und damit auch das Land, in dem mutmaßlich die höchsten Zahlungen für Volkswagen anfallen. Zudem können die dortigen Verfahren Vorbildcharakter für andere Länder bekommen.

Was bedeutet das für deutsche VW-Fahrer?
Konzernchef Matthias Müller hat mehrfach betont, dass die US-Entscheidungen nicht auf Deutschland übertragbar seien. Das ärgert Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes: Die Deutschen seien offenbar Kunden zweiter Klasse. Seine Organisation und auch Umweltschützer verlangen, dass hierzulande ähnlich großzügig entschädigt wird wie in den USA. Mehrere Anwaltskanzleien haben auch bereits angekündigt, dass sie dies durchsetzen wollen. Die Chancen werden von Experten aber als relativ gering eingeschätzt – da in den USA in puncto Verbraucherrechte erheblich schärfere Bestimmungen gelten als in Europa.

Wie hoch werden die Gesamtkosten ausfallen?
Da gehen die Schätzungen der Experten weit auseinander. Frank Schwope, Analyst der NordLB, etwa rechnet mit bis zu 30 Milliarden Dollar. Riesige Entschädigungssummen für Aktionäre könnten noch hinzukommen – nach Ansicht von Anteilseignern hat der Vorstand die Öffentlichkeit zu spät über die Manipulationen informiert. Außerdem laufen in vielen Ländern Verfahren gegen Volkswagen. Hochrechnungen des Finanzanalysten Morningstar gehen sogar von maximal 55 Milliarden Euro aus. Der Konzern hat bislang 16,2 Milliarden Euro (17,6 Milliarden Dollar) für die gesamte Aufarbeitung des Skandals zur Seite gelegt. Er verfügt aber über 26 Milliarden Euro an Liquiditätsreserven.

Sind die Zahlungen eine existenzielle Gefahr für Volkswagen?
Das ist noch nicht ausgemacht. Sicher ist, dass eine gigantische Aufgabe bewältigt werden muss. Neben der kostspieligen Vergangenheitsbewältigung muss der Konzern für die Zukunft fit gemacht werden. Die wichtigsten Felder sind die Elektromobilität und die Digitalisierung mit autonomem Fahren. Deshalb sind Investitionen von rund elf Milliarden Euro bis 2025 geplant – Experten gehen davon aus, dass das nicht reichen wird. Es kursieren schon Mutmaßungen, wie sich der Konzern zusätzliches Geld beschaffen kann, etwa über eine Kapitalerhöhung. Auch über mögliche staatliche Hilfen wird hinter den Kulissen nachgedacht – das Land Niedersachsen ist Großaktionär.

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