Verabschiedet sich: Commerzbank-Chef Martin Zielke
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Verabschiedet sich: Commerzbank-Chef Martin Zielke.

Führungskrise

Was wird aus der Commerzbank?

  • vonRolf Obertreis
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Vorstandschef Zielke und Aufsichtsratschef Schmittmann verlassen das Unternehmen. Nach dem Paukenschlag vom Freitag wird nun neues Führungspersonal gesucht. Erste Namen kursieren.

Selbst hochrangige Mitarbeiter der Commerzbank werden am Freitagabend völlig überrascht. Um 18 Uhr nach Börsenschluss läuft die Meldung über die Ticker, dass sowohl Commerzbank-Chef Martin Zielke als auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann ihren Rückzug angekündigt haben. Es ist ein beispielloser Paukenschlag für eine deutsche Großbank und generell für einen deutschen Konzern. Die Verunsicherung unter den Beschäftigten ist gewaltig.

Völlig offen ist nun, wer das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut aus der mittlerweile tiefsten Krise seiner 150-jährigen Geschichte führen soll. Am Mittwoch trifft sich der Aufsichtsrat, um dies zu entscheiden und den Abschied von Zielke wohl schon deutlich vor dem Jahresende abzusegnen.

Interne Kandidaten

Die Commerzbank ist in der Finanzkrise 2008/2009 fast in die Pleite gerutscht, musste mit einer Geldspritze von 18 Milliarden Euro vom Bund gerettet werden. Zwar schaffte es die Bank, einen Großteil der Hilfe zurückzuzahlen, aber heute noch ist der Bund mit knapp 16 Prozent größter Anteilseigner und sitzt auf einem gewaltigen Buchverlust. Fünf Milliarden Euro hat er für die Commerzbank-Aktien bezahlt, heute sind sie gerade noch 750 Millionen Euro wert. Ausdruck dessen, dass das Geldhaus keine nachhaltige Lösung für seine Probleme gefunden hat. Zuletzt griff deshalb auch Großinvestor Cerberus die Führung an.

Beobachter werten es als höchst problematisch, dass der Vorstands- und der Aufsichtsratschef zeitgleich gehen. Dadurch entstehe ein Führungsvakuum. Wer die Aufgaben der beiden Manager übernehmen könnte, ist völlig unklar. Intern würde sich Firmenkunden-Vorstand Roland Boekhout anbieten. Er hat früher die ING Diba über Jahre erfolgreich geleitet, ist allerdings erst seit Jahresanfang bei der Commerzbank. Daneben wird auf Bettina Orlopp verwiesen. Sie ist seit dem Frühjahr Finanzchefin, davor hat die ehemalige Unternehmensberaterin seit 2014 bei der Bank in Bereichen wie Personal oder Konzernstrategie gearbeitet, die für den kommenden Umbau relevant sind.

Eine Übernahme der Commerzbank, möglicherweise durch die Deutsche Bank, gilt als unwahrscheinlich. Sollte ein Wettbewerber zugreifen, gäbe es wohl massive Einschnitte bei Personal und Filialen.

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