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Die Währungen "Yuan", "Yen", "Dollar" und "Euro" (Illustration).
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Die Währungen "Yuan", "Yen", "Dollar" und "Euro" (Illustration).

Wirtschaftsausblick

So wird 2011

  • VonStephan Kaufmann
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Deutschland steht erneut vor einem guten Jahr. Die Frankfurter Rundschau hat sich die Erwartungen der bislang treffsichersten Prognostiker hierzulande genauer angesehen. Fazit: Die Bundesrepublik dürfte kräftig wachsen und könnte dabei noch sparen, meinen Carsten Klude vom Bankhaus M.M. Warburg und Holger Schmieding von der Berenberg Bank.

Auguren waren im alten Rom verbeamtete Priester, die aus Blitzen, Tiereingeweiden und dem Vogelflug den Willen der Götter lasen – also die Erfolgsaussichten einer Unternehmung bewerteten. Ursprünglich gab es in Rom drei Auguren, dann waren es fünf, schließlich neun und unter Cäsar sogar 16. Heute ist das Prognosegeschäft demokratisiert. Allein für die Konjunkturentwicklung gibt es Hunderte von Beobachtern, die in die wirtschaftliche Zukunft schauen. Und die ist rosig. Zumindest für Deutschland.

Zwar sind Wirtschafts-Auguren bekannt für die notorische Unzuverlässigkeit ihrer Voraussagen. Doch sind nicht alle gleich – einige sind schlechter, andere sind besser. Am besten schlugen sich im Langzeitvergleich Carsten Klude vom Bankhaus M.M. Warburg und Holger Schmieding, früher Europa-Chefvolkswirt der Bank of America und heute bei der Berenberg Bank. Im Durchschnitt der vergangenen neun Jahre lieferten sie die besten Konjunkturprognosen, wie eine Untersuchung der Financial Times Deutschland ergibt. Fast in jedem der vergangenen neun Jahre belegten sie einen Platz unter den besten zehn Wirtschaftsauguren Deutschlands.

Die Frankfurter Rundschau hat sich daher die Erwartungen der beiden Top-Prognostiker für 2011 genauer angesehen. Das Ergebnis: Deutschland steht vor einem weiteren guten Jahr. Während Rest-Europa sich nur langsam erholt, die Euro-Peripheriestaaten massiv sparen müssen, Japan in der Deflation verharrt und die USA unter hoher Arbeitslosigkeit leiden, gelingt Deutschland beides: kräftig wachsen und dabei noch sparen.

Das ist dem Export in die boomenden Länder Asiens und Lateinamerikas geschuldet, aber auch den anziehenden Investitionen und dem stabilen Konsum. Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr zwar nicht mehr so schnell zulegen wie noch in der gerade abgeschlossenen Periode, aber immer noch stark sein.

Die Arbeitslosigkeit geht weiter zurück, das Geld bleibt stabil, die Unternehmensgewinne sprudeln. Und auch die Löhne ziehen langsam nach. Dieser Trend dürfte sich im nächsten Jahr fortsetzen. Glückwunsch! Oder auf italienisch: Auguri!

Lesen Sie auf der nächsten Seite die Aussichten für 2011 auf dem Arbeitsmarkt, Entwicklungen der Löhne oder die Stabilität der Währung.

Stabiles Geld

Die Inflation wird 2011 weiter niedrig bleiben. Zwar ist sie in jüngster Zeit etwas gestiegen. Dies war aber vor allem den höheren Rohstoffpreisen wie zum Beispiel für Energie geschuldet. M.M. Warburg rechnet damit, dass die Geldentwertung in Deutschland nächstes Jahr auf 1,5 Prozent klettert – nach 1,1 Prozent in diesem Jahr. Schmieding erwartet eine Beschleunigung auf 1,7 Prozent.

Zwar fluten die Zentralbanken die Märkte mit Geld. „Dies führt aber nur dann zu einem höheren Preisdruck, wenn die Verbraucher das zusätzliche Geld auch ausgeben und die günstigen Kreditzinsen zu einem schuldengetriebenen Nachfrageboom nutzen. Dies zeichne sich aber nicht ab. (kau)

Starke Wirtschaft

Eigentlich sollte es erst 2012 so weit sein. Doch wegen der starken Konjunktur dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits 2011 seinen alten Rekord brechen. Carsten Klude vom Bankhaus M.M. Warburg gehört zu den Optimisten, er erwartet ein BIP-Plus von mehr als drei Prozent im neuen Jahr. Holger Schmieding von der Berenberg Bank ist mit seiner Prognose von 2,8 Prozent etwas pessimistischer, allerdings sieht er „durchaus eine Chance, dass unsere Prognose noch übertroffen wird“.

Zwar lässt der Schwung der Weltwirtschaft nach. Dennoch dürften die deutschen Exporte 2011 um neun Prozent steigen und einen Rekord markieren. Zudem wird die Binnennachfrage zu einer stärkeren Stütze. Der private Konsum legt laut Klude um etwa zwei Prozent zu. Die deutschen Firmen investieren wieder mehr, die Ausrüstungsinvestitionen steigen um rund neun Prozent, erwartet M.M. Warburg. (kau)

Löhne

Die Bürger haben dieses Jahr mehr Geld zum Ausgeben, verspricht das Klude-Team. Die Bruttostundenlöhne steigen demnach um 2,7 Prozent. Schmieding erwartet ein Plus von 2,5 Prozent. Weil die Zahl der Beschäftigten zunimmt und die Arbeitnehmer wieder mehr Überstunden machen, dürften die Einkommen pro Kopf stärker steigen. Berücksichtigt man den Preisanstieg, klettern die realen Stundenlöhne im Schnitt um 1,2 Prozent, meint Matthias Thiel vom Klude-Team.

Damit dürften die Beschäftigten diesmal von der wirtschaftlichen Erholung profitieren – beim vergangenen Aufschwung war das nicht so, damals sind die Reallöhne gesunken. Die Beiträge zur Arbeitslosen- und Krankenversicherung sind zwar zum 1. Januar angehoben worden. Dennoch bleibe den Bürgern im Durchschnitt ein höheres Einkommen. Schmieding glaubt, dass Beschäftigte zudem weniger sparen, weil sie weniger Angst um den Job haben. (rt)

Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosigkeit sinkt in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit der Vereinigung. Da sind sich Holger Schmieding und Matthias Thiel, Ökonom im Klude-Team der Privatbank M. M. Warburg, einig. Thiel erwartet, dass die Arbeitslosenquote auf 7,1 Prozent sinkt. Schmieding liegt mit sieben Prozent minimal darunter. Dabei wird es mehr reguläre Stellen geben, bezuschusste Ein-Euro-Jobs verlieren an Bedeutung, prophezeit der Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

In diesem Jahr bekämen auch Menschen eine Chance, die bislang vergeblich eine Stelle gesucht haben. Firmen würden auch Leute einstellen, die nicht ganz der gewünschten Qualifikation entsprechen. Erwartet wird, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresschnitt auf knapp drei Millionen sinkt. Der Rückgang sei nicht nur konjunkturell bedingt, auch die demografische Entwicklung helfe, weil es künftig weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter gibt.(rt)

Hohe Gewinne

„Die ausgezeichnete Wirtschaftslage spiegelt sich in den Bilanzen der Unternehmen wider“, so Klude. Für 2011 und 2012 werde erwartet, dass die 30 Konzerne aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) ihre Gewinne um zehn bis 13 Prozent steigern. Laut M.M. Warburg ist auch mehr möglich. Da das Kostensenkungspotenzial langsam ausgeschöpft ist, kommt das Gewinnwachstum stärker aus einer Steigerung der Verkäufe. Damit verknüpft ist die Hoffnung der Anleger auf höhere Dividenden, die 2011 einen Rekord erreichen könnten.

Die Analysten der Société Générale mahnen jedoch zur Vorsicht. „Es ist bekannt, dass Analysten insgesamt zu optimistisch sind.“ Ein Vergleich der Unternehmensgewinne mit den Gewinnprognosen ein Jahr vor Bekanntgabe der Zahlen habe gezeigt: Seit 1985 lägen die Vorhersagen rund 3500 Milliarden Dollar über den tatsächlichen Gewinnen der amerikanischen S&P500-Unternehmen. (kau)

Starke Währung

Nicht nur nach innen, auch nach außen bleibt das Geld stabil. Amerikas Niedrigzinspolitik dürfte den Dollar etwas schwächen und den Euro stärken. Sein Kurs wird laut Klude und Schmieding 2011 im Vergleich zum Dollar etwas zulegen. Schmieding erwartet Kurse zwischen 1,35 und 1,40 Dollar. Für Touristen ist dies eine gute Nachricht, da Auslandsaufenthalte in Nicht-Euro-Ländern billiger werden. Die Exportindustrie jedoch merkt auf. Denn ein hoher Euro-Kurs verteuert tendenziell deutsche Waren.

Der Euro-Anstieg dürfte laut Klude und Schmieding jedoch verkraftbar bleiben. Zumal der Wechselkurs weniger entscheidend für den Ausfuhrerfolg sei als die wirtschaftliche Lage in den Abnehmerländern. Klude: „Vor allem im Maschinenbau verfügen deutsche Unternehmen über ein international fast einmaliges Know-how, so dass es vielen Kunden eher auf die Qualität des Produktes und weniger auf den Preis ankommt.“ (kau)

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