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Protest von Greenpeace: eine von vielen Aktionen der IAA-Gegner in München.
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Protest von Greenpeace: eine von vielen Aktionen der IAA-Gegner in München.

Internationale Automobilaustellung

„Wir wollen ein Ende der IAA“

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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Liv Roth vom linken Bündnis „Ums Ganze!“ fordert eine radikale Mobilitätswende.

Der Pressetag vor der Eröffnung der 69. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in München beginnt schon mit einer Protestaktion: Die Tierrechtsorganisation Peta wirbt mit schwarzem Schleim eindrücklich für vegane Auto-Innenausstattung. Während der gesamten IAA planen mehrere Initiativen und Nichtregierungsorganisationen eine Protestwoche mit verschiedenen Aktionen zu zivilem Ungehorsam, einer Demonstration und einem Protestcamp auf der Theresienwiese. Mit dabei sind unter anderen die linken Bündnisse „Ums Ganze!“, „Sand im Getriebe“ und „No Future for IAA“. Liv Roth, Sprecherin vom Bündnis „Ums Ganze“, sprach vorab mit der FR über die IAA und die Ziele der Demonstranten.

Frau Roth, das Bündnis „Ums Ganze!“ fordert eine radikale Mobilitätswende, weg vom Auto hin zur Mobilität für Alle. Was heißt das konkret?

Das heißt, dass es für uns keine Zukunft mit dem Auto gibt. Anstatt in klimaschädliche E-Autos und Millionen in den Autobahnausbau zu investieren, sollte der Öffentliche Nahverkehr städtisch wie überregional ausgebaut und vor allem sozial gerecht und bedürfnisorientiert gestaltet werden. Dafür müssen die Löhne steigen und die Arbeitszeit verkürzt werden. In vielen ländlichen Regionen haben die Leute keine andere Möglichkeit, als ein Auto zu kaufen, um zur Arbeit zu kommen. Das muss man sich auch erstmal leisten können. Das Auto abzuschaffen heißt deswegen, es überflüssig zu machen.

Die IAA findet statt in einem Jahr der klimabedingten Katastrophen: heftige Überflutungen und Waldbrände in Europa, die enorme Hitzewelle an der Westküste Nordamerikas,.

Es ist eine Schande. Greta Thunberg hat dazu ja immer gute Worte gefunden. Es ist eine selbstgewählte Blindheit, ein Wirtschaftssystem so zu pushen, um den maximalen Profit rauszuholen und das auf Kosten der Erde. Die IAA ist eine grün-polierte Automesse.

Liv Roth.

Die IAA wirbt aber in diesem Jahr mit einem neuen Konzept. So wird es beispielsweise Foren zum Austausch über Mobilitätskonzepte der Zukunft geben. Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, meint, dass Nachhaltigkeit und Mobilität keine Gegensätze und die neuen Technologien der Automobilindustrie die Basis für eine neue Nachhaltigkeit seien. Klingt das nicht nach Fortschritt?

Es klingt vor allem nach einer guten Marketingagentur. Dass es Unternehmen seit ein paar Jahren nicht schwerfällt, ein nachhaltiges Image nach vorne zu schieben, ist ja nichts Neues. Es ändert sich ja nichts daran, dass das scheinbar grüne E-Auto produziert wird, aber die Folgen der Klimakatastrophe in den globalen Süden ausgelagert werden. Dass eine Ausbeutung der Arbeiter:innen da miteinhergeht, muss ich nicht erwähnen. Die IAA steht nicht dafür, dass Beschäftigte fairer bezahlt und Ressourcen umweltschonend abgebaut werden. Die VDA-Präsidentin sagte vor kurzem, dass Deutschland sich beeilen sollte, Flächen in Afrika für E-Autos zu sichern. Das ist Neukolonialismus.

Zur Person

Liv Roth, Jahrgang 1996, ist Sprecherin des Bündnisses “Ums Ganze!“.

„Ums Ganze!“, das sich selbst als „kommunistisches Bündnis “ bezeichnet, besteht seit Ende 2006. Inhaltlich betrachtet es den Kapitalismus als nicht reformierbar und bedingungslos zu bekämpfen, weshalb „Ums Ganze!“ beim Verfassungsschutz nicht unbekannt ist. Das Bündnis ist auch in der Klimabewegung aktiv. Es ruft vom 8. bis zum 12. September zur Blockade der IAA in München auf. FR

Die IAA nimmt alle Verkehrsmittel in den Blick. Ist das nicht ein Schritt in Richtung bedarfsorientierten Verkehr, wie Sie ihn auch fordern?

Auch ein E-Fahrrad muss verkauft und an den Kunden gebracht werden. Natürlich gehört es zu einem scheinbar grünen Image dazu, auch einen E-Bus durch die Stadt fahren zu lassen. Hier findet kein Paradigmenwechsel statt, sondern die Ausweitung eines neuen Verkaufsmodells.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält gewalttätige Proteste für möglich. Er sagte, dass nicht nur bundesweit, sondern über Deutschlands Grenzen hinaus sich das linksextremistische Spektrum mobilisiere, zudem werden 4500 Polizeibeamte im Einsatz sein. Muss sich der Innenminister vor ihren Protestaktionen und Blockaden fürchten?

Es ist schon ein wundersames Ereignis, wie viel Polizei jedes Mal aufgefahren wird, wenn es Klimaproteste gibt. Damit verteidigen und verwalten politische Repräsentant:innen eine klimazerstörerische Industrie. Wir haben den Konsens, die Aktionen und Blockaden entschlossen und besonnen durchzuführen. Ich meine, ohne zivilen Ungehorsam könnten Frauen bis heute nicht wählen gehen.

Die IAA wird in diesem Jahr eher klein ausfallen: Ein Dutzend Stammaussteller wie Opel, Peugeot, Fiat oder Toyota haben abgesagt. Wegen Corona sind nur wenige Besucherinnen und Besucher zugelassen, bei den Veranstaltern geht gar die Angst um, dass die IAA wegen der steigenden Inzidenz noch ganz abgesagt wird. Und schon 2019 dominierte der Widerstand vor den Messehallen die Schlagzeilen. Ist die IAA in diesem Jahr womöglich angreifbarer?

Hoffentlich. Wir wollen ein Ende des Autokapitalismus und auch ein Ende der IAA. Wenn schon zwei Wochen vor Beginn der IAA berichtet wird, wie gefährlich die Proteste sind, und Aussteller nicht kommen, dann werte ich das als einen Erfolg der Klimabewegung. Wenn die IAA nicht stattfinden sollte, heißt das nicht, dass unser Protest endet

Interview: Stefan Simon

Automesse

Die IAA in München wird am 7. September eröffnet und dauert bis zum 12. September.

Automobile Neuheiten zu präsentieren gehört zum Messegeschäft dazu. In diesem Jahr geht es dabei zwar wie immer um PS, aber auch um Technologien, die eine spannende und umweltfreundliche automobile Zukunft zeigen sollen.

VW präsentierte am Montag die Konzeptstudie eines neuen E-Kleinwagen, dessen wesentliche Funktionen sich durch das Smartphone der Nutzer:innen steuern lassen. Der ID.Life, der 2025 auf den Markt kommen soll, soll ein Betriebssystem erhalten, das die vollständige Einbindung externer Endgeräte erlaubt. So könnten zum Beispiel über ein Mobiltelefon oder Tablet nahezu „alle Funktionen kontrolliert“ werden, sagte eine Designerin mit Blick etwa auf Navigation- oder Entertainment-Module – „außer dem Fahren selbst“. Dazu ist eine komplexe Bord-Software nötig, die VW in seiner neuen Sparte Cariad in Eigenregie entwickelt.

Ein Auto aus Recyclingmaterial zeigte BMW-Chef Oliver Zipse. Mit dem zu 100 Prozent aus Altmaterial und nachwachsenden Rohstoffen hergestellten Fahrzeug macht BMW klar, dass der Konzern „der nachhaltigste Autohersteller der Welt“ werden will. Der BMW i Vision Circular sei nicht bloß eine Designstudie, sondern nach den Worten Zipses „die Denkweise, mit der wir die Neue Klasse entwickeln“, die elektrische Fahrzeugarchitektur für die Modellgenerationen ab 2025. Die Karosserie des Kleinwagens besteht aus wiederverwertetem, nicht lackiertem Aluminium und Stahl. Auch im Inneren des Fahrzeugs gibt es weder Chrom noch Leder, sondern ausschließlich recyceltes Material. dpa

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