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Chaostage bei der Bahn - sogar die Anzeigetafeln streiken.
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Chaostage bei der Bahn - sogar die Anzeigetafeln streiken.

Privatbahn-Lobbyist Wolfgang Meyer

„Wir werden den Marktanteil verdoppeln“

Der Präsident des Verbandes der privaten Bahnen, Wolfgang Meyer, spricht im FR-Interview über Wettbewerbsschikanen, Frühstück im Zug und den Winter.

Der Präsident des Verbandes der privaten Bahnen, Wolfgang Meyer, spricht im FR-Interview über Wettbewerbsschikanen, Frühstück im Zug und den Winter.

Herr Meyer, die Deutsche Bahn (DB) steht seit Winterbeginn unter Dauerkritik, weil vielerorts Chaos herrscht. Wie pünktlich sind die Konkurrenten der DB in diesen Tagen unterwegs?

Auch unsere Züge unterliegen den physikalischen Gesetzen. Für Schneewehen brauchen wir auch Schneepflüge. Allerdings haben wir moderne, jüngere und auch zuverlässigere Fahrzeuge als etwa die S-Bahn in Berlin. Derartige Ausfälle sind mir von unseren Mitgliedern nicht bekannt. Für die Mängel bei den Weichen ist DB-Netz verantwortlich. Hier wird falsch investiert und unverantwortlich gespart.

Im Nah- und Güterverkehr haben die Privatbahnen bereits rund 20 Prozent Marktanteil. Funktioniert der Wettbewerb auf Schienen in Deutschland?

Nein. Wir haben nach wie vor das Problem, dass die Bundesregierung – auch massiv beeinflusst durch die DB – die EU-Regularien nicht umsetzt.

Welche meinen Sie?

Zum Beispiel hat die Bahn Netz und Betrieb nicht voneinander getrennt. Die Bundesrepublik hat sich als Eigentümer der DB deswegen sogar ein Vertragsverletzungsverfahren eingehandelt. Wir haben die Situation, dass viele Regeln, die von der DB als rechtmäßig deklariert werden, von der Bundesnetzagentur, anderen Behörden und von Gerichten regelmäßig kassiert werden.

Wo werden die DB-Konkurrenten denn stark benachteiligt?

Ganz konkret in der Nichtbeachtung des Vergaberechts in Deutschland. Statt alle Bahnstrecken auszuschreiben, handeln DB und Länder in Hinterzimmern exklusive Verkehrsverträge über große Teilnetze aus. Bahnen, die nicht zum DB-Konzern gehören, werden aus dem Fahrplan ausgegrenzt oder in der Auskunft nicht berücksichtigt. Die Stationspreise sind willkürlich, die Strompreise für Konkurrenten liegen bis zu 25 Prozent über denen, die DB-Unternehmen zahlen. Die Trassenpreise sind überhöht, der Vertrieb der Bahn benachteiligt uns. Das hat alles mit fairem Wettbewerb nichts zu tun.

Ihr Verband wirft der DB auch eine Zweckentfremdung der Netzeinnahmen vor. Was macht die Bahn mit dem Geld?

Derzeit zieht die Bahn aus dem Netz 800 Millionen Euro für andere Zwecke ab. Dieser Betrag soll in den nächsten drei Jahren auf 1,2 Milliarden Euro steigen. Vereinfacht gesagt, der Staat steckt jährlich 2,5 Milliarden Euro in das Schienennetz, und die Bahn nimmt eine Milliarde davon über den Gewinn einfach wieder raus. Damit geht sie dann international auf Einkaufstour. Das kann man nur verhindern, indem man das Netz von den Transportsparten strikt trennt. Solange dies nicht der Fall ist, muss man wenigsten sicherstellen, dass die Mittel, die das Netz erwirtschaftet, dort auch wieder investiert werden. Sie werden dort dringend gebraucht.

In den nächsten Jahren laufen zahlreiche Verkehrsverträge aus, die ausgeschrieben werden sollen. Wie viel wollen Sie davon ergattern?

Wir gehen davon aus, dass die Bahnkonkurrenten ihren Marktanteil im Nahverkehr in den nächsten Jahren auf 30 bis 40 Prozent erhöhen können.

Das wäre eine Verdoppelung.

Ja, die Bahnkonkurrenten sind ja auch leistungsfähig, wenn sie nicht benachteiligt werden. Wir sind preiswerter und bieten mehr Service. Auch der Deutschen Bahn ist der Wettbewerb in den vergangenen Jahren gut bekommen. Ihr Service und ihr Angebot sind gestiegen. Wir müssen uns auch anstrengen, um unsere gute Leistung zu erbringen, gar keine Frage.

Was können die Privatbahnen besser als der Platzhirsch?

Wir haben sicher eine andere Mentalität, sind flexibler und kundenorientierter. Ein Vorteil ist auch, dass wir erfolgreiche Betriebskonzepte aus anderen Ländern, in denen schon lange Wettbewerb herrscht, auf Deutschland übertragen haben.

Nennen Sie doch mal einige Beispiele.

Metronom in Niedersachsen ist ein klassisches Beispiel. Sie können dort, wenn Sie wollen, jeden Tag den gleichen Sitzplatz buchen, haben Stromanschluss für ihren Laptop, es gibt Frühstück – und das im Nahverkehr – und für Behinderte einen Einstieg an immer der gleichen Stelle. Service ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Sauberkeit, Pünktlichkeit und vieles anderes sind schon in den Verkehrsverträgen geregelt. Das ist bei uns nicht so locker wie bei der Berliner S-Bahn. Dort gibt es solche Qualitätsstandards nicht. Wenn wir unsere Leistung nicht bringen, müssen wir an unseren Auftraggeber Strafe zahlen. Das geht bei 60 Sekunden Verspätung los.

Im Fernverkehr gibt es keinen Wettbewerb. Warum nicht?

Die Investitionen sind sehr hoch, die Sicherheiten gering. Wer einen Fernverkehrszug bestellt, der sehr teuer ist, muss mehrere Jahre warten, bis er ihn bekommt. Wenn man heute einen solchen Zug beim Hersteller bestellt, weiß man noch nicht, ob man die Fernstrecke, auf der der Zug fahren soll, auch tatsächlich bekommt. Zudem werden die Strecken nur für fünf Jahre vergeben, dann müssen sich die Unternehmen neu bewerben. Innerhalb von fünf Jahren amortisiert sich ein ICE aber nicht. Das heißt, es birgt ein großes unternehmerisches Risiko in sich, in den Fernverkehr einzusteigen.

Interview: Peter Kirnich

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