"Wir sind clean"

Sparkassen-Lobbyist Gregor Böhmer über die US-Hypothekenkrise und das Wertesystem öffentlicher Kreditinstitute

Von BERND SALZMANN

Viele Jahre schon werden Sparkassen-Vertreter immer wieder gefragt, warum ihnen die Geldvermehrung nicht so gut wie zahlreichen Wettbewerbern gelingt und immer die Anderen die Traumrenditen melden. An diesem Wochenende ahnt Gregor Böhmer, Geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen schon, dass er diesmal bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen ein leichteres Spiel haben wird. "Wir sind clean!", ruft er Pressevertretern schon zu, bevor die Veranstaltung offiziell begonnen hatte. Böhmer meint damit: Das Geld der Sparkassen versiegt nicht irgendwo am Kapitalmarkt, wo das Geschäft mit verbrieften Hypothekenkrediten zusammengebrochen ist. Die öffentlichen Institute in den Städten und Gemeinden Hessens und Thüringens seien da außen vor.

Sparkassen-Lobbyist Böhmer führt das nicht etwa auf einen glücklichen Umstand, sondern auf ein Wertesystem zurück, das die Gemeinwohlorientierung und den öffentlichen Auftrag in den Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit stellt und nicht, wie er sagt, "die Fixierung auf die kurzfristige Gewinnerzielung und den Shareholder-Value". Dass sich die SachsenLB bis zur Selbstaufgabe verspekuliert hat und Landesbanken wie die WestLB und die BayernLB ebenfalls mit Milliardenbeträgen am US-Immobilienmarkt engagiert sind, bringt ihn nicht aus dem Konzept, er spreche nun mal in erster Linie für die Sparkassen.

Bei der eigenen Landesbank, der Helaba, macht er da natürlich eine Ausnahme. Sie betreibt zwar auch eine der umstrittenen Conduits, doch Opus Alpha verwalte lediglich 1,5 Milliarden Euro, und 1,3 Milliarden Euro davon seien Kundengelder.

Die Halbjahreszahlen der Landesbank stimmen ihn zuversichtlich. Sie könnten als Beleg dafür gelten, dass nicht nur die großen Landesbanken in der Lage seien, wettbewerbsfähig zu arbeiten. Die Antwort auf die Frage, ob eine Mega-Landesbank aus LBBW und WestLB eine Gefahr für die Helaba darstellen würde, fällt daher wie erwartet aus. "Größe ist nicht alles", sagt Böhmer. Das gelte für Landesbanken wie für Sparkassen. Zu kämpfen haben im laufenden Jahr die großen wie die kleinen öffentlichen Institute. Das Zinsgeschäft brummt nicht mehr so stark wie früher, das Provisionsgeschäft wächst zwar, aber nicht genug, um insgesamt erneut mehr als eine Milliarde Euro zu verdienen (Betriebsergebnis vor Bewertung). Der Verband kalkuliert ein Minus von 13,9 Prozent ein. Mehr könnten es werden, falls die US-Hypothekenkrise doch noch spürbar wird. Böhmer weist vorsorglich darauf hin, dass es "Bewertungstechnische Abschreibungen aus Marktstörungen geben kann".

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