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Grundlagenforschung zur KI, die Robotik und Sensorik, das für die deutsche Industrie so essenziell wichtig.

Dorothee Bär

"Wir müssen unsere eigenen Stärken herausstellen"

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Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU) über Mittelstand und Flugtaxis.

Deutschland, der Innovationsweltmeister? Das World Economic Forum bescheinigt der Bundesrepublik beste Voraussetzungen für technologische Neuerungen. Im Interview spricht Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) über die Studie, Deutschlands „MP3-Trauma“ und ihre Flugtaxipläne.

Gute Nachrichten für Deutschland: Das World Economic Forum sieht den Standort auf Platz 1, was die Voraussetzungen für Innovationen angeht. Hat Sie das überrascht?
Nein. Der Bericht zeigt das, was ich auch in meiner Funktion als Staatsministerin für Digitalisierung erlebe: In der Forschung sind wir Spitze. Das sieht man an der Zahl der Patentanmeldungen, der Stärke bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen und der Qualität unserer Forschungseinrichtungen. Dass wir in der innovativen Champions League spielen, wusste ich, dass wir den Pott aber tatsächlich nach Hause holen, freut mich noch einmal mehr. 

Machen wir genug aus diesen guten Voraussetzungen?
Wir müssen noch besser darin werden, unsere Innovationen auch auf die Straße zu bringen und zu monetarisieren. Ich will, dass wir noch mehr die Früchte unserer Forschung ernten und unser MP3-Trauma überwinden. (Anm. der Redaktion: MP3 wurde zwar in Deutschland erfunden, den wirtschaftlichen Ertrag der neuen Technologie fuhren aber fast ausnahmslos internationale Unternehmen ein).

Sie haben zuletzt öffentlich viel über Flugtaxis aus Deutschland gesprochen. Eine Idee, die schon bald Einzug in unseren Alltag halten wird? 
Ja. Ich bin da ganz sicher. Ich stehe in regem Austausch mit unseren deutschen, sehr innovativen und führenden Unternehmen in dem Bereich. Auch die regulatorischen Fragen werden bereits aktiv angegangen. Ich rechne fest mit meinem persönlichen Jungfernflug noch in dieser Legislaturperiode. 

Und wie steht es mit anderen großen Digitalinnovationen made in Germany, die Sie in letzter Zeit besonders beeindruckt haben?
Da gibt es einiges: Nehmen Sie die Grundlagenforschung zur KI, die Robotik und Sensorik, das ganze Thema Industrie 4.0, das für die deutsche Industrie so essenziell wichtig ist. Aber es gibt auch sehr spannende Ideen in ganz anderen Bereichen: Das deutsche Unternehmen DeepL etwa nutzt künstliche neuronale Netzwerke zur automatischen Sprachübersetzung. Es legt dabei binnen Sekunden fast fehlerfreie Übersetzungen vor, die besser sind als die von Google und Co. 

Wenn wir schon so gute Voraussetzungen für Innovationen haben: Warum gibt es bislang kein deutsches Silicon Valley?
Warum sollten wir das Silicon Valley kopieren wollen? Das ist ein wirtschaftliches Ökosystem, was Großunternehmen und nicht den einzelnen Menschen an sich in den Mittelpunkt stellt. Wir müssen unsere eigenen Stärken herausstellen. Kein Land der Welt hat einen so starken Mittelstand. Und kein Land der Welt verknüpft die technische Facette der Digitalisierung so eng mit ethischen und Wertefragen. 

Ist der Rückstand Deutschlands beim Ausbau digitaler Infrastruktur, über den viele in der Wirtschaft klagen, ein Hemmschuh für Innovationen?
Digitale Infrastruktur ist allein kein Innovationstreiber, sondern genau wie Schienen und Straßen die Grundhausaufgabe. Da müssen wir natürlich dran bleiben. Ebenso wichtig ist aber, dass die Digitalisierung in den Köpfen und Herzen der Menschen ankommt.

Interview: Rasmus Buchsteiner

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