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BMW-Manager Harald Krüger (l.) und Daimler-Chef Dieter Zetsche bleiben im Autobau weiter Konkurrenten

Carsharing & Co.

„Wir können Champion werden“

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BMW und Daimler bringen ihre Mobilitätsdienste unter ein Dach

Die modernen Konkurrenten heißen Uber, Waymo (USA) und Didi Chuxing (China). Verkauft werden nicht mehr nur Autos sondern gefahrene Kilometer – und das künftig auch per Roboterautos. Dazu bringen die führenden deutschen Premiumhersteller Daimler und BMW nun ihre Mobilitätsdienste unter ein Dach. „Wir bündeln das Know-how von 14 erfolgreichen Marken und investieren mehr als eine Milliarde Euro“, kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche zum Start des Gemeinschaftsprojekts in Berlin im Beisein von BMW-Chef Harald Krüger an. In der dortigen Mobilitätszentrale und anderswo in der Welt werden bis zu 1000 Stellen aufgebaut.

Im Autobau bleiben BMW und Daimler Wettbewerber. „Das wird sich nicht ändern, aber die Zeiten ändern sich“, stellte Zetsche klar. Von Carsharing über Fahrdienste bis zu Park- und Ladeservices für Elektroautos würde die automobile Wertschöpfungskette auf Knopfdruck und Smartphone-App erweitert. Dabei verbünden sich die beiden Hersteller, egal ob es ums Selbstfahren, Mitfahren oder ums Gefahren-werden geht.

Fünf Plattformen namens Share Now, Free Now, Park Now, Charge Now und Reach Now sollen „verschmelzen zur Basis für autonomes Fahren“, erklärte Zetsche. Kollege Krüger sieht perspektivisch ein gemeinsames Mobilitätsangebot mit vollelektrischen und selbstfahrenden Flotten, die sich selbstständig aufladen und parken sowie mit anderen Verkehrsmitteln vernetzen lassen. Dabei soll es weitgehend egal sein, ob in den Roboterflotten der Zukunft BMW, Mercedes oder andere fahren.

Erst wenn Autos voll autonom unterwegs sind, werden Mobilitätsdienste lukrativ. Denn dann fällt die Bezahlung von Fahrern weg, der in der Kalkulation heutiger Fahrdienste rund zwei Drittel aller Kosten ausmacht. Schon beim Erwerb des digitalen Kartendiensts Here oder beim Aufbau von Elektroladesäulen haben BMW und Daimler Berührungsängste auch zu anderen Autobauern überwunden. Nun geht es in eine neue Dimension, zu der einmal auch Flugtaxis gehören könnten, erklärte Zetsche.

„Wir können ein Champion werden“, meinte Krüger zu den gemeinsamen Mobilitätsplänen globalen Zuschnitts. Aktuell sieht sich das Duo bei den meisten Mobilitätsdiensten als europäischer Marktführer. Gemeinsam kommen BMW und Daimler aktuell auf rund 60 Millionen Mobilitätskunden. Das klingt nach viel. Aber allein bei der chinesischen Plattform Didi Chuxing sind heute schon eine halbe Milliarde Nutzer gemeldet. Über zwei Milliarden Fahrten vermittelt der in Südostasien präsente Fahrdienst Grab. An Grab ist Toyota beteiligt.

Ein umfassendes Mobilitäts-Ökosystem aus einer Hand wie BMW und Daimler könne derzeit aber kein Konkurrent weltweit bieten, betonen Zetsche und Krüger. Das Duo biete in Verkehr erstickenden Städten künftig komplette Mobilitätslösungen. Bei der Eroberung entstehender Märkte drängt die Zeit. Verteilt würden die neuen Märkte wohl in den nächsten zwei bis vier Jahren, schätzt Zetsche. Die Zeichen der Zeit erkannt hat auch VW mit seinem Fahrdienstanbieter Moia und dem Elektrocarsharing „We Share“. Nächste Woche will auch Autovermieter Sixt ein Mobilitätsangebot im internationalen Umfang verkünden.

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