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Eine Rapspflanze wächst aus dem trockenen Boden eines Feldes in Thüringen.

Trockenheit

Bauern befürchten ein drittes Dürrejahr

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Der April ist viel zu trocken. Es drohen Ernteausfälle und Waldbrände.

Den April haben viele Bauern schon abgeschrieben. Viel zu trocken. Viele Landwirte hoffen nun auf einen Mai, den sich die meisten Deutschen nicht wünschen: schön feucht. Denn eine Bauernregel besagt: „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun‘ und Fass.“ Doch danach sieht es momentan nicht aus.

Erst Corona, dann das Tauziehen um die Erntehelfer und nun das. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Landwirte schauten „mit großer Sorge“ auf die Wetterdaten. „Die fehlenden Niederschläge im März und April haben unsere Böden, egal ob Acker oder Grünland ausgetrocknet. Wir brauchen dringend einen länger anhaltenden Landregen, damit die Pflanzen sich entwickeln können.“ Teilweise würden schon jetzt die Bewässerungsanlagen laufen.

Die Bauern fürchten durch den milden Winter und die Trockenheit darüber hinaus den vermehrten Schädlingsbefall auf ihren Feldern. Bauernpräsident Rukwied warnt: „Wenn es weiter so trocken bleibt, könnte es wieder ein sehr schwieriges Jahr für die deutsche Landwirtschaft werden. Ein drittes Dürrejahr in Folge würde viele unserer Betriebe noch härter treffen als die letzten.“

Auch der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), Hans-Georg von der Marwitz, warnt vor einer erneuten Dürre. „Unsere Wälder sind in einem alarmierenden Zustand“, sagte er. „Waldeigentümer und Förster befürchten ein drittes Dürrejahr. Die anhaltende Trockenheit, die hohe Waldbrandgefahr in vielen Teilen Deutschlands, der ausschwärmende Borkenkäfer sind Vorboten dafür.“

Dabei seien die Schäden aus den Vorjahren noch nicht beseitigt, so von der Marwitz. Viele Kahlflächen hätten noch nicht wiederbewaldet werden können, große Mengen an Schadholz müssten jetzt schnell aus den Wäldern geholt werden. „Denn dieses Schadholz ist ein Brandbeschleuniger und damit eine große Gefahr.“ Er betont: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie verstärken die Krise im Wald: Absatzmärkte für das viele Holz fehlen etwa in Asien aufgrund der Grenzschließungen, Pflanzgut musste storniert werden, da die Arbeitskräfte fehlen.“

Die Befürchtungen kommen nicht von ungefähr: Vieles an diesem April erinnert die Landwirte an die Dürre vor zwei Jahren, als der Frühsommer nach einem Schnee-Einbruch zu Ostern ausbrach und nahtlos in den Hochsommer überging. Die Verluste waren am Ende gewaltig: Aus acht Bundesländern wurden Ernteausfälle in Höhe von insgesamt drei Milliarden Euro gemeldet. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stufte die Trockenheit als ein Ereignis nationalen Ausmaßes ein. Es wurden Hilfsprogramme für in Existenznot geratene Unternehmen aufgestellt.

Vier Wochen kaum Regen

Im Moment wird die Lage in Klöckners Ministerium aufmerksam beobachtet. „Momentan liegen aber lediglich Prognosen vor, es ist Spekulation – belastbare Vorhersagen für den Verlauf des Sommers gibt es jetzt, Stand Mitte April, noch nicht“, so eine Sprecherin.

Wie wird es dieses Jahr? Seriöse Vorhersagen können maximal die nächsten 14 Tage überblicken, wird beim Deutschen Wetterdienst (DWD) betont. Gleichwohl sehen einige Experten ähnliche Konstellationen wie 2018. „Schon seit mehr als vier Wochen hat es kaum geregnet, in einigen Regionen herrscht bereits die höchste Stufe der Waldbrandgefahr“, sagte ein DWD-Sprecher. Das ist vor allem im Osten Deutschlands der Fall. Sollten die Wetterverhältnisse der ersten Aprilhälfte andauern, könnte dieser April als einer der besonders trockenen in die Statistik eingehen.

Auch die Nachrichten vom Europäischen Wetterdienst klingen wenig beruhigend. Die Meteorologen dort arbeiten mit einem experimentellen Prognosemodell, das für das nächste halbe Jahr viel zu wenige Niederschläge in ganz Mitteleuropa ermittelte. Das hieße: Keine Entwarnung. Die Bauern müssten sich endgültig auf die Folgen des Klimawandels einstellen, betonen viele Forscher.

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