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Marin Winterkorn anno 2013 - da hatte er bei VW noch gut Lachen.

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Winterkorn geht in Verlängerung

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Am Freitagnachmittag hat Stephan Weil, Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat, versucht, einen Schlussstrich in der Debatte über die Führungsspitze bei Volkswagen zu ziehen. Martin Winterkorn setzt sich im Machtkampf mit Ferdinand Piëch vorerst durch.

Genau eine Woche hat es gedauert. Am Freitagnachmittag hat Stephan Weil, Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat, versucht, einen Schlussstrich in der Debatte über die Führungsspitze bei Volkswagen zu ziehen. „Ich glaube, mit dem gestrigen Beschluss ist die Diskussion nun beendet“, sagte der Sozialdemokrat. Die Debatten der vergangenen Tage seien nicht gut für VW gewesen.

Das sechsköpfige Präsidium des Kontrollgremiums, in dem auch Weil sitzt, hatte Donnerstagabend dem Vorstandschef Martin Winterkorn bei einer Krisensitzung in Salzburg den Rücken gestärkt. Der 67-Jährige bleibt nun nicht nur Vorstandschef des weltweit zweitgrößten Autobauers. Dem Aufsichtsrat soll im Februar 2016 überdies vorgeschlagen werden, dass Winterkorns Ende des Jahres auslaufender Vertrag verlängert wird.

Dieser Beschluss des enorm wichtigen Gremiums ist eine schwere Niederlage für den Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch. Der Großaktionär, der am Freitag seinen 78. Geburtstag feierte, hatte dem Vorstandschef in einem Interview mit der Aussage „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ öffentlich das Vertrauen entzogen. Dies wurde allenthalben als Manöver gewertet, um einen Wechsel beim Vorstandsvorsitz herbeizuführen. Bei der Sitzung des Präsidiums soll Piëch aber isoliert gewesen sein, berichten Nachrichtenagenturen.

Am Freitagmittag verbreitete die VW-Konzernpressestelle jedenfalls eine dürre Mitteilung, in der zu lesen ist: „Das Präsidium des Aufsichtsrates der Volkswagen AG stellt fest, dass Professor Dr. Martin Winterkorn der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen ist.“ Basta? Nicht ganz. Offen ist bislang, bis wann Winterkorns Vertrag verlängert werden soll. Ebenso unklar ist es, wie es an der Spitze des Aufsichtsrats weitergehen könnte. Winterkorn sollte 2017 eigentlich Nachfolger des VW-Patriarchen als Chefkontrolleur werden.

All dies sind für Ferdinand Dudenhöffer, Automobilwissenschaftler an der Uni Duisburg-Essen, Indizien dafür, dass „die Schlacht noch lange nicht geschlagen ist“. Die geplante Vertragsverlängerung sei lediglich ein Etappensieg für Winterkorn, so Dudenhöffer. Mit der Mitteilung wolle Volkswagen wohl zunächst einmal „wieder Ruhe in den Konzern bringen“. Noch sei kein Vertrag unterzeichnet. Dudenhöffer vermutet, dass Winterkorn nun unter genauer Beobachtung von Piëch steht. Dahinter steckt auch die Vermutung, dass der Aufsichtsratschef womöglich noch einmal eine Attacke starten könnte.

Piëch lässt nur Andeutungen fallen

Piëch hat öffentlich bislang nicht klargemacht, was ihm an der Arbeit des Vorstandschefs eigentlich missfällt. In dem Interview gab es lediglich eine weitere Andeutung: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“ Insider vermuten, dass Piëch nach wie vor einen anderen Manager suchen könnte, der sein Lebenswerk sichern soll. Er ist der Enkel von Ferdinand Porsche, der nicht nur Sportwagen konstruierte, sondern auf Geheiß der Nazis den Ur-Käfer entwarf und das Stammwerk Wolfsburg bauen ließ.

Piëch selbst war 1993 Vorstandschef von VW geworden. Er führte das Unternehmen seinerzeit aus einer schweren Krise und schlug einen Expansionskurs ein, der fortgesetzt wurde, als er 2002 den Vorsitz des Aufsichtsrats übernahm. Heute hat Volkswagen zwölf Marken. Der Konzern baut fast alles, was auf Straßen fahren darf – vom Motorrad bis zum schweren Lastwagen.

Doch es gibt auch zahlreiche ungelöste Probleme im Konzern. VW-Kenner und NordLB-Analyst Frank Schwope sagte, er rechne damit, dass nach der Debatte um die Unternehmensspitze nun „die vorhandenen Baustellen offen diskutiert und angegangen werden“. Hohe Priorität hat für ihn eine Korrektur der verfehlten Modellpolitik in den USA. VW investierte rund 900 Millionen Euro in ein eigenes Werk in den USA und produziert dort den US-Passat, doch das Auto kommt in Übersee nicht an. Obwohl der Markt wächst, hat VW merklich Marktanteile verloren. Konkurrenten wie Mercedes und BMW legen hingegen zu. Schwope bemängelt zudem, dass es VW unter anderem versäumt habe, einen Pickup-Kleinlastwagen zu offerieren.

Auch die Zusammenführung der Lastwagen-Marken Scania und MAN ist nach seiner Ansicht überfällig – dies soll Kosten drücken. Der Kauf eines amerikanischen Lastwagenherstellers müsse zudem geprüft werden. Nach Schwopes Ansicht steht auch die Entwicklung eines Billigautos für Schwellenmärkte an. Und dann gibt es natürlich auch noch die mangelnde Profitabilität der Kernmarke VW-Pkw. Der Konzern verdient pro Auto erheblich weniger als Konkurrenten wie Toyota oder General Motors.

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