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Ein Umspannwerk und Windräder in der Nordsee. 

Windenergie

Windparks auf dem Meer: Flaute bei Windrädern

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Immer mehr Strom kommt aus erneuerbaren Quellen. Doch der Ausbau der Windenergie stockt. Tausende Jobs sind gefährdet.

Noch einmal gibt es Erfolgsmeldungen bei den erneuerbaren Energien: In diesem Jahr ist ihr Anteil am Strommix weiter gestiegen. Doch das Wachstum wird langsamer. Diese Entwicklung gefährdet nicht nur die Klimaziele, sondern auch Tausende von Arbeitsplätzen.

In den ersten neun Monaten des Jahres wurden 42,9 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt. Das ist im Jahresvergleich eine Steigerung um gut fünf Prozentpunkte. Die Experten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) haben hochgerechnet, dass sich für das gesamte Jahr ein Wert von 42 Prozent ergeben dürfte – wenn bis Ende des Jahres der Wind so weht und die Sonne so scheint wie 2018. Damit kommt die Energiebranche dem von der Politik vorgegebenen Ziel für 2030 ein Stück näher. Dann sollen 65 Prozent erreicht werden.

Mit dem aktuellen Zuwachs sind Sonne-, Wind- und Bioenergie erstmals – und zwar deutlich – an Braun- und Steinkohle vorbeigezogen. Diese Brennstoffe erzeugten nur noch 125 Milliarden Kilowattstunden, die Erneuerbaren brachten es dagegen auf 183 Milliarden.

Windparks
Wachstum: Die Internationale Energieagentur IEA erwartet in den nächsten 20 Jahren einen enormen Ausbau von Windparks im Meer. Die weltweite Offshore-Windkapazität werde bis 2040 um das 15-fache steigen, heißt es in einem Bericht, den die Agentur am Freitag in Kopenhagen vorstellte. „Offshore-Wind macht derzeit nur 0,3 Prozent der weltweiten Stromerzeugung aus, hat aber ein enormes Potenzial“, sagte Fatih Birol, Direktor der IEA. 

Die Betreiber von Kohlekraftwerken haben die Leistung vielfach deutlich gedrosselt, einige Kraftwerke wurden sogar vorläufig stillgelegt. Hauptgrund sind die höheren Kosten für CO2-Zertifikate, die die Unternehmen für ihre Kohlendioxid-Emissionen kaufen müssen. Die Notierung an den Energiebörsen liegt derzeit bei knapp 25 Euro pro Tonne. Das ist fast ein Drittel mehr als vor einem Jahr. Der Aufschlag führt dazu, dass Kohlestrom häufig nicht mehr kostendeckend produziert werden kann. Das gilt besonders, wenn zugleich viel Wind bläst.

Für das Plus der Ökoenergie gibt es mehrere Gründe. Das Wetter war den Windmüllern und den Solar-Stromern gewogen. Ein weiterer Punkt ist der Ausbau der Kapazitäten. Die Photovoltaik kommt derzeit auf eine Gesamtleistung von rund 48 000 Megawatt. Bei den Windmühlen an Land – der wichtigsten regenerativen Energiequelle – sind es rund 53 500 Megawatt.

Allerdings hat sich hier der Zubau erheblich verlangsamt. Es kamen in den neun Monaten nur gut 500 Megawatt hinzu, das sind gut 80 Prozent weniger als im Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre. BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer spricht von einer „dramatischen“ Situation. Ursachen seien fehlende Flächen und immer restriktivere Abstandsregeln – gemeint sind die vorgeschriebenen Mindestentfernungen von Wohnsiedlungen. Er fordert die Politik auf, die „Bremsen beim Ausbau der Windanlagen“ endlich zu lockern. Sonst werde das 65-Prozent-Ziel weit verfehlt.

Ein langsamer Ausbau hätte offenbar auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Eine am Freitag vorgelegte Studie im Auftrag der Anlagenbauer hat ergeben: Werden bis 2030 hierzulande nur 1000 Megawatt jährlich zugebaut, fällt die Zahl der Beschäftigten in den Kernbereichen der Anlagenbauer von zuletzt 64 000 um gut ein Viertel. Wird der Ausbau aber auf 4700 Megawatt gesteigert, würde nicht nur das 65-Prozent-Ziel erreicht, auch die Beschäftigung stiege um gut zehn Prozent.

Um die Technologieführerschaft der hiesigen Windmühlenbauer zu sichern, brauche es „Marktvolumen im Heimatmarkt“, sagt Wolfgang Dierker, Chef des Windradbauers GE Deutschland. Die Bundesregierung hat in ihrem Klimaprogramm versprochen, die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen. An den Abstandsregelungen, die von Landesregierungen festgelegt wurden, soll sich aber nichts ändern.

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