Bundeswehr

Windkraft verwirrt Radars

Von Jakob Schlandt

Windräder stören den Radar der Bundeswehr.

Die Luftwaffe verhindert den Bau von hunderten Anlagen. Dadurch geraten sogar die Öko-Strom-Ziele in Gefahr.

Alles hatten sie beim Windkraftparkbauer Energiekontor erfolgreich hinter sich gebracht: Mit der Stadt Langen in Niedersachsen gab es keine Probleme, die Naturschutzauflagen waren ebenfalls erfüllt. Etwa 250 000 Euro hatte das Bremer Unternehmen schon in die Planung für die Erweiterung eines Windparks gesteckt. Drei Windräder sollten zusätzlich aufgestellt werden, keine große Sache also. "Alles sah wunderbar aus", sagt Ragna Lohmann von Energiekontor. Dann kam die Bundeswehr, genauer gesagt die alten Radars der Luftwaffe, ins Spiel.

Die Wehrbereichsverwaltung legte Einspruch gegen den Antrag auf die drei neuen Windräder ein, mit einer Begründung, die abenteuerlich klingt, aber immer häufiger in der Nähe von Luftwaffenstützpunkten vorgebracht wird: Gefährdung der Wehrbereitschaft. Laut Luftwaffe stören die Windräder die Radaranlagen des nahegelegenen Stützpunktes Nordholz, wo das Marinefliegergeschwader 3 "Graf Zeppelin" stationiert ist. "Damit ist die Erweiterung so gut wie gestorben", sagt Lohmann von Energiekontor, "und wir bangen derzeit um viele weitere Projekte".

Ein Einzelfall sind die Probleme von Energiekontor nicht. Im Umkreis von bis zu 80 Kilometern rund um dutzende Bundeswehrflugplätze werden immer häufiger neue Windräder verhindert. Laut dem Bundesverband Windenergie (BWE) liegen durch Einsprüche wie bei Nordholz Anlagen mit einer Leistung von 1 458 Megawatt auf Eis – das entspricht 500 größeren Windrädern, die maximal soviel Strom wie zwei Kohlekraftwerke produzieren können. 1,6 Milliarden Euro Investitionen werden durch die Bundeswehr blockiert. Und: Die Finanzierung neuer Projekte werde schwieriger, wenn mit einem Veto der Bundeswehr gerechnet werden muss. "Das ist sehr ärgerlich", sagt ein Sprecher des Verbandes, "das Problem hat eine Größenordnung erreicht, die die Öko-Strom-Ziele der Bundesregierung gefährdet".

Auch neue, digitale Radars bringen keine Verbesserung

Bei der Bundeswehr wird das Wind-Veto mit den erheblichen Schwierigkeiten begründet, die Windmühlen der Radarüberwachung bereiten. Die Anlagen "werden mit ihren rotierenden Elementen vom Radar als Bewegtziele erkannt", sagt ein Sprecher. Damit unterschieden sie sich im Vergleich zur nicht beweglichen Bebauung und zu natürlichen Hindernissen gravierend. "Sie liefern Zielinformationen, die das Erkennen von Luftfahrzeugen erschweren oder ganz ausschließen." Kurz: In der Nähe von Windparks könnte auch ein Terrorist im gekaperten Flugzeug den Bundeswehr-Radars entgehen.

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Bemerkenswert ist, dass selbst die neuen, digitalen Radars, mit denen die Bundeswehr derzeit nach und nach ausgestattet wird, keine Verbesserung bringen, im Gegenteil: Störungen fallen "sogar noch stärker ins Gewicht", sagt der Sprecher. Derzeit werde allerdings getestet, ob nicht doch technische Nachrüstungen bei den neuen Anlagen möglich sind, die das Problem beseitigen. Möglich ist das: Große Zivilflughäfen haben kaum Probleme mit neuen Windrädern.

Der BWE befindet sich derzeit in Verhandlungen mit der Bundeswehr, wie der Konflikt gelöst werden kann. Das Bundesumweltministerium hat sich eingeschaltet und vermittelt. Eine Möglichkeit: In Gebieten mit Windparks werden sogenannte Transponder in Flugzeugen zur Pflicht erklärt. Diese Geräte senden eigenständig ein Positionssignal, die Flugzeuge lassen sich dann trotz Windrädern zuordnen. Eindringlinge können damit allerdings auch nicht besser erkannt werden.

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