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Von der Braunkohle zum Ökostrom: RWE-Chef Rolf Martin Schmitz ist bereit zum Aufbruch. 

Klimaschutz

RWE will mit Ökostrom wachsen

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Der Energiekonzern soll bis 2040 klimaneutral werden, dafür geht er auch Tauschgeschäft mit dem Ex-Rivale Eon ein.

Jetzt beginnt die Ära der Erneuerbaren“, sagte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz am Montag. Er kann damit nur sein eigenes Unternehmen meinen. Denn der systematische Ausbau der regenerativen Energiequellen hierzulande hat bereits vor knapp 20 Jahren begonnen. In gut 20 Jahren soll der Essener Konzern klimaneutral Strom erzeugen. So Schmitz’ Kernbotschaft bei der Präsentation der neuen RWE-Strategie.

Das dürfte ein weiter und steiniger Weg werden. Schließlich stößt derzeit hierzulande keine andere Firma so viel CO2 aus – vor allem wegen der Braunkohlekraftwerke in NRW. Doch der Vorstand hat nun einen „Minderungsplan“ mit mehreren Stufen vorgestellt. 2030 will Schmitz die Kohlendioxid-Emissionen im Vergleich zu 2012 um 70 Prozent verringert haben. Als erster Schritt wird im nächsten Jahr das letzte RWE-Kohlekraftwerk in Großbritannien stillgelegt. In den Niederlanden will das Management bis 2030 zwei Anlagen auf Biomasse umrüsten. Wobei dies mit „finanziellen Lasten“ verbunden ist, für die es keine Kompensation gebe, heißt es im Geschäftsbericht fürs erste Halbjahr.

Und dann kommen natürlich die im deutschen Kohlekompromiss schon vor acht Monaten empfohlenen Stilllegungen hinzu, die vor allem Kraftwerke im rheinischen Revier betreffen werden. Geplant ist zunächst, bis 2022 bundesweit Braunkohlekapazitäten in Höhe von 3000 Megawatt stillzulegen. Die „Hauptlast“ davon werde RWE tragen, so Schmitz. Hier muss allerdings noch einiges geklärt werden. Noch immer steht ein entsprechendes Gesetz der Bundesregierung aus, was auch den RWE-Chef „befremdet“. Dabei geht es um viel Geld. Schmitz verlangt bis zu 1,5 Milliarden Euro Entschädigung pro 1000 Megawatt. Derzeit, so der Konzernchef, werde auf „Arbeitsebene“ alle 14 Tage darüber verhandelt.

Indes fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dass RWE „jetzt mindestens die uralten Kraftwerksblöcke in Neurath und Niederaußem vom Netz“ nimmt. Es gehe um mindestens 3100 Megawatt. Der Hambacher Wald und Dörfer in der Region Garzweiler könnten so gerettet werden. „Niemand würde mehr verstehen, wenn das dann nicht auch passiert“, sagte BUND-Chef Hubert Weiger.

Schmitz will derweil nicht nur Abschalten, sondern auch, dass „etwas angeschaltet“ wird. Gemeint sind Erneuerbare. Die machten im zweiten Quartal aber nur etwa acht Prozent der RWE-Stromerzeugung aus. Doch das soll sich bald schon ändern. Dafür haben die Essener mit dem Ex-Rivalen Eon ein komplexes Tauschgeschäft mit einem Volumen von etwa 40 Milliarden Euro arrangiert. RWE übernimmt von Eon und der ehemaligen Tochter Innogy Öko-Stromanlagen, die auf eine Gesamtleistung von 9000 Megawatt kommen – damit kann man rechnerisch 7,5 Millionen Haushalte versorgen. Weitere 2600 Megawatt kommen durch klimafreundliche Kraftwerke hinzu, die noch in Bau sind.

Die Erneuerbaren werden damit dann knapp über den aktuellen Braunkohlekapazitäten des Konzerns liegen. RWE verfügt laut Konzern-Website zudem über 5300 Megawatt bei der Steinkohle. Die größte Erzeugungssparte mit 15 000 Megawatt sind aber die Gaskraftwerke. Sie sollen künftig mit „grünem Gas“ betrieben werden. Dahinter steckt das Konzept, Sonnen- und Windstrom für Elektrolyseanlagen zu nutzen, die Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten. In einem weiteren Schritt kann daraus dann synthetisches und CO2-neutrales Gas erzeugt werden – dieses ist aber nach derzeitigem Stand der Technik um das Fünf- bis Achtfache teurer als fossiles Erdgas.

Schmitz und sein Team wollen überdies in Windkraftanlagen und Photovoltaik viel investieren - 1,5 Milliarden Euro jährlich. Dazu gehören Projekte für Speichertechnologien. Sie werden mit steigendem Erneuerbaren-Anteil wichtiger, um Phasen mit viel Wolken und schwachen Brisen überbrücken zu können. Inklusive Projekten mit Partnern könnten die Investitionen sogar bis auf drei Milliarden Euro hochgeschraubt werden. Allerdings hält sich die Motivation des Vorstandschefs, Geld in hiesige Vorhaben zu stecken, in Grenzen. Bei Windparks auf See dauere die Realisierung zu lange. Und „verstreute Anlagen“ an Land seien nicht die Sache seines Konzerns.

Als „Global Player Made in Germany“ will er RWE positionieren. Man orientiere sich nicht an Landesgrenzen, sondern werde dort aktiv, wo es günstige Konditionen gebe. Im Ergebnis sollen eines Tages 60 Prozent des Gewinns aus der betrieblichen Tätigkeit (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – Ebitda) mit den Erneuerbaren erwirtschaftet werden. Nur 20 Prozent würden noch aus der konventionellen Stromerzeugung kommen, jeweils zehn Prozent vom Energiehandel und aus Beteiligungen.

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