Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Engagierte Debatte: GIZ-Expertin Marita Brömmelmeier, FR-Redakteur Tobias Schwab, Schauspieler Hannes Jaenicke und Zoodirektor Manfred Niekisch.
+
Engagierte Debatte: GIZ-Expertin Marita Brömmelmeier, FR-Redakteur Tobias Schwab, Schauspieler Hannes Jaenicke und Zoodirektor Manfred Niekisch.

Forum Entwicklung

Wilderei finanziert den Terror

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
    schließen

Der illegale Wildtierhandel rangiert global an vierter Stelle der organisierten Kriminalität. Im FR-Forum Entwicklung diskutieren Experten über Strategien im Kampf gegen den Handel mit Elfenbein und Horn.

Mehr Viagra in China wäre für den Naturschutz ein Segen.“ Hannes Jaenicke, der bekannte Schauspieler, Umweltaktivist und Buchautor, verblüffte das Publikum zum Ende des Diskussionsabends mit dieser Erkenntnis. Das Potenzmittel als Waffe im Kampf gegen den illegalen Handel mit Wildtieren, der inzwischen zu einem der lukrativsten kriminellen Geschäfte weltweit geworden ist? In China könne das funktionieren, meinte der Promi. Zumindest als Schutz für die Nashörner, deren Horn in China wie in anderen südostasiatischen Ländern als Aphrodisiakum begehrt ist. Er sei zwar „kein Freund von Pfizer“, dem US-Pharmakonzern, der die blauen Potenzpillen herstellt. Doch in diesem speziellen Fall, da sei er doch für den Umstieg auf die Chemie.

Der illegale Wildtierhandel rangiert heute global an vierter Stelle der organisierten Kriminalität, hat eine ähnliche Bedeutung wie der Waffen-, Drogen- oder Menschenhandel und Produktpiraterie. Der Gewinn, den die Banden damit machen, wird auf zehn Milliarden Euro jährlich geschätzt. In Europa und den USA floriert vor allem der illegale Handel mit Vögeln und Reptilien, in Asien hingegen stieg in den vergangenen Jahren besonders die Nachfrage nach Elfenbein und Rhino-Horn an.

In Ländern wie China, Vietnam und Thailand gelten die Tierprodukte mit dem steigenden Wohlstand unter anderem auch als Statussymbole. Und das führt zu einem enormen zusätzlichen Druck auf die ohnehin dezimierten Tierpopulationen vor allem auf dem afrikanischen Kontinent.

Wie kritisch die Lage inzwischen ist, zeigte die jüngste Veranstaltung der Reihe „Forum Entwicklung“, die von FR, hr-info und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) veranstaltet wird. Beispiel Elefanten: Um 1900 gab es auf dem afrikanischen Kontinent rund zehn Millionen Tiere, um 1990 rund 600 000 und heute nur noch 470 000. Experten schätzen, dass zuletzt pro Jahr 35 000 Exemplare von Wilderern getötet werden, die es aufs Elfenbein abgesehen haben. Gelingt es nicht, diese Zahl zu senken, dürften die wildlebenden Elefanten in zehn bis 15 Jahren restlos verschwunden sein. Das Jahr 2015 sei das „Rekordjahr des Killens“ gewesen, sagte beim Forum der Direktor des Frankfurter Zoos, Professor Manfred Niekisch und Experte für internationalen Naturschutz. Das sei kein „Aussterben“ der Elefanten, sondern eine „Ausrottungskampagne durch den Menschen“.

Wie wichtig es nicht nur für die Erhaltung der bedrohten Tierarten ist, die Wilderei zu bekämpfen, machte Jaenicke klar, der seit seinen ZDF-Dokumentationen („Im Einsatz für ...“) auch als Tierschutz-Experte einen Namen hat.

So sei der illegale Verkauf von Elfenbein und Nashorn-Horn zum Beispiel eine Hauptfinanzquelle von islamistischen Terrorgruppen wie Boko Haram in Nigeria und Al Shabaab in Somalia. „Die machen das meiste Geld mit Wilderei“, sagte er, „und kaufen damit Waffen.“ Das sei hierzulande kaum bekannt, aber „im wahrsten Sinne des Wortes ein Bomben-Geschäft“.

Wie Jaenicke und Niekisch machte auch die GIZ-Afrika-Expertin Marita Brömmelmeier deutlich, dass es die Wilderei nur mit einer Dreifach-Strategie bekämpft werden kann. Erstens mit Hilfen vor Ort in den Nationalparks und anderen Schutzgebieten in Afrika, etwa besserer technischer Ausrüstung für die Ranger, um den Banden ihr Handwerk zu erschweren, und alternative Verdienstmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung im Tourismus („Dort wohnen die Ärmsten der Armen.“). Zweitens mit Maßnahmen „entlang der Handelskette“ von Afrika bis Asien, darunter eine bessere Kooperation von Polizei-, Zoll- und Justizbehörden. Und drittens mit Aktivitäten in den Abnehmerländern wie China und Vietnam, etwa eine bessere Kontrolle der illegalen Vertriebswege durch die Polizei und Aufklärungskampagnen.

Die GIZ-Expertin konnte über einige Erfolge mit diesem Konzept berichten. Die Entwicklungshilfeorganisation ist unter anderem mit Programmen in Schutzgebieten in Tansania, Sambia und Namibia tätig, die durch mehr Ranger-Patrouillen und die Überwachung durch Kleinflugzeuge das Zurückdrängen der Wilderei ermöglichen. Aber auch aus den Abnehmerländern gebe es positive Signale. So habe die große Internet-Plattform Alibaba – das chinesische Amazon – aufgrund der Zusammenarbeit mit der GIZ einen Online-Filter eingerichtet, der illegale Wildtierprodukte von den Internet-Seiten entfernt.

In Vietnam wiederum unterstützte die Organisation das dortige Gesundheitsministerium bei seiner landesweiten Kampagne, die die Bürger über die medizinische Unwirksamkeit von Nashorn-Pulver aufklärt. „Viele glauben dort, dass das Pulver gegen Krebs hilft“, sagte Brömmelmeier. Immerhin hätten sich inzwischen führende Praktiker der traditionellen vietnamesischen Medizin verpflichtet, auf die Nutzung von Produkten bedrohter Tierarten zu verzichten.

„All das hilft, jeder Schritt ist gut“, kommentierte Jaenicke diese Beispiele. Er verwies auch auf erfolgreiche und unterstützenswerte Hilfsaktionen wie die des „David Sheldrick Wildlife Trust“ in Kenia, der sich um die Pflege, Aufzucht und spätere Auswilderung junger Elefanten kümmert, deren Mutter- oder Leittiere von Wilderern erschossen wurden (Infos zu Patenschaften unter www.reaev.de). Nur: Das reiche angesichts der Dramatik der Vernichtung „hinten und vorne nicht“. Die Öffentlichkeit müsse begreifen, „das alles hat auch mit uns zu tun“ – und bei den Politikern Druck machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare