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Wilde Jahre einer Branche

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Von: Stefan Winter

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Die Zeiten, in denen die Windkraft automatisch als Inbegriff grüner Geldanlage auf den Tisch kam, sind vorbei.
Die Zeiten, in denen die Windkraft automatisch als Inbegriff grüner Geldanlage auf den Tisch kam, sind vorbei. © Uli Deck/dpa

Rosarote Prognosen, aufgeblähte Preise, halbseidene Angebote am grauen Kapitalmarkt – all das gab es auch in der Windkraft-Branche. Wir lernen: „Nachhaltige“ Geldanlage bedeutet nicht automatisch auch eine nachhaltige Wertentwicklung. Der Kommentar.

Mit Nachhaltigkeit scheint man in der Geldanlage nichts falsch machen zu können. Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, die Finanzbranche bewirbt es massiv, und die EU verleiht die höheren Weihen: Seit einigen Tagen müssen die Wünsche zur Nachhaltigkeit in der Anlageberatung angesprochen werden.

Die Zeiten, in denen dann automatisch die Windkraft als Inbegriff grüner Geldanlage auf den Tisch kam, sind aber vorbei. Denn in der Branche gab es alles zu besichtigen, was man von hochgejubelten Anlagetrends kennt: rosarote Prognosen, aufgeblähte Preise, halbseidene Angebote am grauen Kapitalmarkt, Pleiten, Prozesse.

Das ging auch an den Anlagenbauern nicht spurlos vorbei. Wer Aktien von Siemens Gamesa, Nordex oder Vestas in dem Vertrauen kaufte, auf einen Megatrend mit stabilem Wachstum zu setzen, hat einige Nerven gelassen. Neben eigenen Fehlern der Firmen liegt das auch an der extremen Abhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen. Im Moment kommen sie der Windbranche wieder entgegen. In Deutschland steht die Energiewende oben auf der Agenda, in den USA wurde ein riesiges Klimaschutzpaket beschlossen. Beides spricht für einen langfristigen Aufwärtstrend.

Allen, die darauf oder auf andere grüne Anlagen setzen wollen, sollten die Sturm-und-Drang-Jahre der Windbranche aber eine Mahnung sein. Nichts spricht dagegen, sich über Auswirkungen von Investitionen auf Umwelt und Gesellschaft Gedanken zu machen, im Gegenteil. Aber niemand sollte glauben, dass „nachhaltige“ Geldanlage automatisch nachhaltige Wertentwicklung bedeutet.

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