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In der Nabe eines Windrades: Der Boom der erneuerbaren Energien hat viele neue Stellen geschaffen.

Arbeitsmarkt

Wieder mehr reguläre Jobs

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Die Zahl der unbefristeten Stellen ist stark gestiegen. Schaut man sich die Relationen an, ist der Zuwachs jedoch nicht mehr so beeindruckend. Angesichts der Konjunkturrisiken werden Arbeitgeber in Deutschland zurückhaltender mit Neueinstellungen.

Die Zahl der unbefristeten Stellen ist stark gestiegen. Schaut man sich die Relationen an, ist der Zuwachs jedoch nicht mehr so beeindruckend. Angesichts der Konjunkturrisiken werden Arbeitgeber in Deutschland zurückhaltender mit Neueinstellungen.

Die Zahl der Arbeitnehmer in traditioneller sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung ist im vergangenen Jahr um 610.000 gestiegen. Dagegen legten atypische Arbeitsverhältnisse, zu denen Mini- und Teilzeitjobs mit weniger als 21 Wochenstunden, befristete Tätigkeiten und Zeitarbeit gezählt werden, nach Daten des Statistischen Bundesamts um nur 80.000 auf insgesamt 7,92 Millionen zu.

Der Anteil der atypischen an allen Arbeitsverhältnissen sank von 22,4 auf 22,1 Prozent, während 66,2 Prozent in Normalbeschäftigungsverhältnissen tätig waren. Selbstständige und unentgeltlich mithelfende Angehörige decken die restlichen 11,7 Prozent ab. Bereits seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts liegen die Anteile der regulären und der atypischen Beschäftigungsverhältnisse relativ stabil bei 66 und 22 Prozent.

Von einer rasanten Zunahme der von Gewerkschaften und Linken als prekär kritisierten atypischen Beschäftigungsformen kann also nicht die Rede sein, selbst wenn das aktuelle Plus von 80.000 zu einem historischen Höchststand von 7,92 Millionen solcher Arbeitsverhältnisse führte. Mittelfristig sind nach Einschätzung der Wirtschaftsforschungsinstitute DIW und IW eher „normale“ Beschäftigungsverhältnisse auf dem Vormarsch.

Weniger Einstellungen, mehr Nachfrage

Daran dürfte auch die im Juli erneut eingetrübte Stimmung der deutschen Unternehmen nichts ändern. Zwar sank der Stellenindex BA-X der Bundesanstalt für Arbeit, der die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen erfasst, im Vergleich zum Juni um zwei Punkte auf 162, gleichwohl liegt die Arbeitskraftnachfrage laut BA noch immer auf sehr hohem Niveau. Das Allzeithoch erreichte der BA-X zwischen November 2011 und Januar 2012 mit 179 Punkten, die schwächste Nachfrage nach Arbeitskräften wurde Ende 2004 mit 95 Punkten gemessen. Wirtschaftsforscher zeigten sich von der anhaltend günstigen Entwicklung des Arbeitsmarktes nicht überrascht.

„Es gibt bei den atypischen Beschäftigungsverhältnissen seit einigen Jahren kaum mehr Zuwächse, dafür steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen regulären Beschäftigungsverhältnisse bereits seit 2006 wieder an“, sagte Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte des arbeitgebernahen IW, der FR. Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr sei einerseits dem anhaltenden deutschen Wirtschaftswachstum geschuldet, andererseits aber auch Ausdruck des demografischen Wandels. „Im Saldo verliert der deutsche Arbeitsmarkt durch die Abgänge in den Ruhestand und die geburtenschwachen Nachrücker jedes Jahr bis zu 200.000 Erwerbstätige“, so Schäfer. Dies bessere die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer.

Bessere Chancen auf Vollzeit

Der Forscher Karl Brenke vom Berliner DIW stimmt dem im Grundsatz zu: „Natürlich werden die Chancen für Arbeitnehmer und Arbeitsuchende auf einen dauerhaften Vollzeitjob besser, wenn die Nachfrage steigt.“ Allerdings wichen viele Unternehmen, die besonders laut über Fachkräftemangel klagten, auf Leiharbeiter und Werkverträge aus. Der Zuwachs gehe neben Boombranchen wie der Metall- und Elektroindustrie auf den steigenden Bedarf im Gesundheits- und Pflegebereich zurück.

Um die wachsende demografische Lücke zu schließen, bedarf es nach Ansicht des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn pro Jahr bis zu 400.000 Zuwanderer. Die jährlich rund 220.000 Zuzügler reichten bei weitem nicht aus, da zugleich rund 100.000 Beschäftigte pro Jahr abwandert, erklärte IZA-Direktor Klaus Zimmermann.

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