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Nie wieder Ladehemmungen

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Von: Thorsten Knuf

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Künftig sollen Fahrer von E-Autos mehr Grund zum Lächeln haben.
Künftig sollen Fahrer von E-Autos mehr Grund zum Lächeln haben. © REUTERS

EU-Politiker wollen Elektroautos künftig noch stärker fördern. Sie machen Vorgaben für einheitliche Ladestationen und Stecker.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist für seine Forschheit bekannt. Gerade erst hat er angekündigt, dass er die Autofahrernation Deutschland von Elektro- und Hybridfahrzeugen begeistern wolle. Ein ganzes Paket von Maßnahmen möchte der Minister noch in diesem Jahr auf den Weg bringen, inklusive Sonderrechten für E-Autos beim Parken und Fahren, finanziellen Anreizen für Käufer sowie dem Aufbau eines bundesweiten Netzes von Ladestationen.

Klotzen, nicht kleckern, heißt die Devise der schwarz-roten Bundesregierung beim Thema E-Mobilität. Sie hat sich hohe Ziele gesteckt: Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Das erscheint allerdings äußerst ambitioniert.

Zurzeit sind hier zu Lande nämlich gerade einmal rund 12 000 Elektro-Autos und rund 86 000 Hybrid-Wagen registriert. Die Fahrzeuge sind zwar leise und umweltfreundlich. Aber den meisten Kunden sind sie einfach zu teuer. Die Reichweite der E-Autos beträgt in der Praxis oft noch weniger als 100 Kilometer, das Laden ist zu aufwendig. Und, ganz wichtig: Nicht überall im Land gibt es Elektro-Tankstellen. In Großstädten kann man sich noch einigermaßen behelfen. Aber was ist, wenn der Autofahrer eine längere Fahrt plant – womöglich sogar ins Ausland?

Genau dieser Frage hat sich jetzt die Europäische Union angenommen. Das Parlament und die Mitgliedstaaten einigten sich unlängst auf einen neuen Gesetzestext, der alternativen Kraftstoffen wie Strom, Gas und Wasserstoff im Verkehr europaweit zum Durchbruch verhelfen soll. Bisher werkelt jedes Land beim Aufbau der Infrastrukturen vor sich hin. Was der Nachbar tut, spielt dabei in der Regel keine Rolle.

Wer ein Elektro-Auto fährt, soll sich künftig darauf verlassen können, dass er damit auch außerhalb der eigenen Stadt und im europäischen Ausland mobil ist. Dazu gehört auch, dass Schluss sein wird mit der Stecker-Vielfalt, die vielen Fahrzeug-Besitzern das Leben zusätzlich schwer macht. „Ein deutsches Elektrofahrzeug muss auch an einer französischen Ladesäule problemlos betankt werden können, ohne dass zusätzliche Kosten für Adapter entstehen“, sagt der SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug.

Eine Station pro zehn PKW

Die Industrie arbeitet mit Hochdruck an besseren Batterien mit größer Reichweite und kürzeren Ladezeiten. Parallel dazu werden die 28 EU-Mitgliedstaaten nun verpflichtet, systematisch das Netz von Lade- und Tankstationen für Elektro-Autos und solche mit Gasbetrieb auszubauen. Zunächst sollen sie dafür nationale Aktionspläne mit klaren Zielvorgaben erstellen. Die EU-Kommission hatte ursprünglich europäische Zielvorgaben gefordert. Damit konnte sie sich aber nicht durchsetzen. Deutschland hätte demnach im Laufe des Jahrzehnts 150 000 Ladestationen bauen müssen, sagt Ertug. Zurzeit gibt es hierzulande erst rund 4400.

Für Elektro-Autos sollen laut Gesetzestext bis Ende 2020 zunächst in allen europäischen Ballungsräumen genügend Ladestationen zur Verfügung stehen. Als Richtwert für eine ausreichende Abdeckung gilt eine Station pro zehn Fahrzeuge. Die E-Tankstellen sollen öffentlich zugänglich sein, sich also beispielsweise in Parkhäusern oder an Bahnhöfen befinden.

Die EU-Mitgliedstaaten können die ausgewiesenen Ballungsräume auch miteinander vernetzen, so dass sich die Fahrzeug-Besitzer sicher von einem Gebiet ins andere bewegen können. Bei all dem sind die Länder gehalten, technologische Veränderungen und die Entwicklung des Marktes zu berücksichtigen. In der Regel werden die Ladestationen privat finanziert.

Mehr Gas-Tankstellen

Auch für gasbetriebene Fahrzeuge gibt es künftig konkrete Vorgaben: Lastwagen und Pkw, die mit verflüssigtem oder komprimiertem Erdgas betankt werden, sollen spätestens 2025 problemlos auf den wichtigsten europäischen Fernstraßen unterwegs sein können. Auch für Seeschiffe soll es dann genügend Gas-Tankstellen in Häfen geben. Die Mitgliedstaaten können selbst entscheiden, ob sie auch den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur in ihre Planungen einbeziehen. Falls ja, soll es ebenfalls bis 2025 genügend Tank-Möglichkeiten geben.

Das EU-Parlament wird dem Gesetzentwurf voraussichtlich Mitte April zustimmen. Wenn das geschehen ist, dürften auch die Mitgliedstaaten ihr abschließendes Plazet geben, so dass die Richtlinie in Kraft treten kann.

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